Suchen und Finden
Service
3.1 Sprachfreie Kommunikation (S. 89-90)
Die Übersetzung von Kommunikationsinhalten in mitteilbare Symbole geht dem Senden dieser Zeichen voraus. In der konkreten Situation aber fällt es häufig schwer, an dieser künstlichen Trennung festzuhalten, denn Stimmungen, Absichten, Ideen werden oft unmittelbar, ohne Dazwischenschalten rationaler Überlegungen zum Ausdruck gebracht. Die Formulierung "zum Ausdruck gebracht" veranschaulicht, dass es nicht nur auf das gesprochene Wort und seine lexikalische Bedeutung ankommt, sondern dass zu den Sendeleistungen auch das ganze Gebiet der sprachfreien ("non-verbalen") Kommunikation (z. B. Tonfall, Körperhaltung, Kleidung, Mimik) gerechnet wird. In jedem Gespräch wird eine Fülle von Zusatzinformationen vermittelt, die aus der Bedeutung der Wörter allein (so wie sie z. B. einem schriftlichen Protokoll zu entnehmen wären) nicht hervorgehen.
Die Diagnostik von Gefühlen, insbesondere von Angst, die in psychotherapeutischen Gesprächen eine große Rolle spielt, stützt sich in erster Linie auf stimmliche Informationen. In einem Versuch sollte eine Gruppe von Psychiatern Angst und Ärger von Sprechern einschätzen. Wenn nur die schriftlichen Tonbandprotokolle zur Verfügung standen, waren nur wenige (und diese mit Schwierigkeiten) in der Lage, die entsprechenden Anzeichen zu entdecken. Wenn jedoch das Tonband selbst abgespielt wurde, gaben alle Zuhörer aufgrund der Zeiteinteilung, der Intensität, der Betonung, der Stimmschwankungen etc. richtige Urteile ab.
Man braucht sich nur an ein Telefongespräch mit einem bisher Unbekannten zu erinnern, den man später kennenlernt: Man hatte ihn sich ganz anders vorgestellt - ein Hinweis darauf, dass wir im Gespräch nicht nur Worte entgegennehmen, sondern zugleich eine Fülle weiterer Informationen aufnehmen; dass wir also nie nur zuhören, sondern immer auch zusehen.
Die Bedeutung der nichtverbalen Kommunikation liegt auf folgenden Gebieten:
- Sie dient dazu, die gegenseitige Aufmerksamkeit und Ansprechbarkeit zu sichern. Man kann relativ leicht erkennen, ob ein Gesprächspartner interessiert, gelangweilt, geistesabwesend oder engagiert zuhört oder spricht.
- Sie steuert den Gesprächsverlauf. Durch "unmerkliche" Signale (Anblicken, Positionsveränderung, Gesten etc.) wird angedeutet, wann wer zu sprechen beginnen oder aufhören soll.
- Sie gibt Aufschluss über die Einstellung zum Gesprächspartner. Mehrabian z. B. hat festgestellt, dass " Sympathie" nur zu einem geringen Teil verbal signalisiert wird. Er stellt folgende Gleichung auf:
Gesamtsympathie = 55% fazial + 38% vokal + 7% verbal. Dass man jemanden mag, äußert sich also am stärksten im Gesichtsausdruck (55%), es zeigt sich außerdem deutlich in der Stimme (38%), aber man kann es nur zu einem ganz geringen Prozentsatz aus den gesprochenen Worten (wie sie etwa in einem schriftlichen Protokoll niedergelegt sind) ersehen (7%).
In ähnlicher Weise werden Drohungen, Wohlwollen, Misstrauen usw. oft mehr außersprachlich übermittelt als direkt in Worten. Dasselbe gilt auch für die Selbstdarstellung; weil es in unserem Kulturkreis verpönt ist, sich selbst zu loben, geschieht dies meist in sehr kunstvollem Arrangement von Statussymbolen, Kleidung und Gehabe. - Sie illustriert, unterstreicht, akzentuiert, orientiert. Ein geringschätziges Lächeln, das eine Aussage begleitet, eine wegwerfende Handbewegung, eine gerümpfte Nase, eine gerunzelte Stirn verdeutlichen, wie eine Äußerung tatsächlich gemeint ist, bzw. auf wen sie sich bezieht. Manche dieser Gesten haben sich zur Zeichensprache verselbständigt (Kopfschütteln oder -nicken, Abwinken, Vogel zeigen, Augenzwinkern, Zunge rausstrecken us
Alle Preise verstehen sich inklusive der gesetzlichen MwSt.; Ersparnis im Vergleich zur Printversion


















