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Kommunikative Kompetenz: weniger ist mehr!

Kommunikative Kompetenz: weniger ist mehr!

von: Wolfgang J. Linker

Gabal Verlag GmbH, 2009

ISBN: 9783862001231, 449 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 29,90 EUR

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Kommunikative Kompetenz: weniger ist mehr!


 

10 Das Hand- und Mundwerkzeug – Teil 5: Hand- und mundwerkliche Meisterschaft (S. 331-332)

10.1 Erlaubniskontrolle mit Hilfe der Atmung

»Wenn die Information nicht wie erwartet kommt, sind wir irritiert. Und das ist meist eine positive Irritation, denn sie erhöht unsere Aufmerksamkeit und die Bereitschaft zum Speichern.« David Pöppel

Beim Vorstellen der Hitchcock-Strategie hatte ich betont, dass wir in einem Gespräch verschiedene Funktionen besitzen: Als Regisseur planen wir zunächst unseren Auftritt und übermitteln dann als Darsteller die notwendigen Botschaften. Gleichzeitig müssen wir jedoch sicherstellen, dass der Kameramann alles Wichtige mit seiner Kamera aufnimmt. Dabei haben wir es erheblich schwerer als Alfred Hitchcock. Wir können nämlich nicht davon ausgehen, dass unsere Kameramänner stets konzentriert bei der Sache sind: Die Aufmerksamkeit und damit meist auch die Augen unserer Gesprächspartner können ganz woanders sein. Dann fehlt uns die Sendeerlaubnis.

Die beiden Hauptaspekte der kommunikativen Erlaubnis kennen Sie bereits: Der Inhaltsaspekt betrifft die grundsätzliche Fähigkeit eines Gesprächspartners, unsere Botschaften aufzunehmen und zu verarbeiten. Es geht um die Frage, was wie verbal und nonverbal übermittelt werden darf, ohne ihn zu überfordern oder abzulenken. Der Aufmerksamkeitsaspekt der Erlaubnis betrifft die momentane Bereitschaft eines Gesprächspartners, weitere Mitteilungen aufzunehmen.

Hierbei geht es um die Erlaubnis, ob man in diesem Moment etwas übermitteln darf. Das bisher vorgestellte Hand- und Mundwerkzeug der Kommunikation soll sowohl die inhaltliche Erlaubnis zum Senden gewährleisten als auch die dazu erforderliche Aufmerksamkeit. In diesem Kapitel geht es erneut um die Frage, wie man das Erlöschen der Sendeerlaubnis erkennt, wenn keine verbalen Anhaltspunkte vorliegen. Bekannt ist bereits: Unser Hauptanhaltspunkt ist das nonverbale Verhalten. Allerdings wissen wir auch: Beim Überprüfen der Sendeerlaubnis steht uns nicht nur die Vieldeutigkeit nonverbaler Verhaltensmuster im Weg, sondern auch unsere chronische Inhaltsfixierung. Daher bildet das Kontrollieren von Erlaubnis den Gipfel der kommunikativen Kompetenz, sozusagen die Meisterstufe.

Die höchste Stufe der kommunikativen Kompetenz zeichnet sich durch das Erkennen und Berücksichtigen störender Musterunterbrechungen aus und damit durch ein Höchstmaß an aufmerksamkeitsorientierter Erlaubnis.

Michael Grinders sowohl verblüffender wie einfacher Ansatz zum Kontrollieren der Erlaubnis – im Sinn der Empfangsbereitschaft oder Sendeerlaubnis – besteht darin, den Wechsel des Atemmusters als Indikator für einen Erlaubniswechsel zu nehmen. Sind Menschen von etwas stark überrascht, atmen sie in der Regel tief ein und halten den Atem kurz an. Dieser Atemwechsel signalisiert, dass ein Gesprächspartner seine Aufmerksamkeit auf einen internalen Prozess gerichtet hat und unsere Sendeerlaubnis zeitweilig erloschen ist.

Dies kann man anhand von Messungen nachvollziehen, die äußere und innere Reaktionen gleichzeitig erfassen. Bei Siegfried Freys Experimenten zum Eindruck von Politikervideos (vgl. BOX 30) waren die Testpersonen mit einer Messapparatur verbunden, die neben den geäußerten Politikerbewertungen auch ihre Augen- und Körperbewegungen sowie die begleitenden Reaktionen des Nervensystems protokollierte (wie z.B. Hautleitfähigkeit, Puls und Atemfrequenz).