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5 Keine leeren Versprechungen (S. 133-134)
Offene und konsequenteKommunikation will gut überlegt und geplant sein. Sie müssen sich vorher klarmachen, was Ihre Mitarbeiter erfahren sollten, um bei den anstehenden Veränderungen mitzuziehen, und was Sie besser verschweigen.
Informationspflicht – und was man besser verschweigen sollte
DerMensch ist von Natur aus neugierig. Er möchte über alles Bescheid wissen, was um ihn herum vor sich geht. Ändert sich etwas in seiner Umgebung, dann steigt sein Interesse an neuen Informationen sprunghaft an. Fehlende Fakten werden durch Vermutungen ersetzt oder ergänzt – sofort brodelt die Gerüchteküche. Eine besondere Zuspitzung der Situation ergibt sich, wenn es um die ureigensten Interessen der Betroffenen geht. Ist der eigene Arbeitsplatz, die eigene Karriere, das eigene Einkommen tangiert, dann kann wohl niemandem das Recht auf Information abgesprochen werden. Nun ergibt sich eine interessante Konfliktsituation.
Auf der einen Seite möchten alle Beschäftigten bereits im Vorfeld von Entscheidungen über alle Details und alle Aspekte der anstehenden Änderungen informiert werden. Auf der anderen Seite stehen die Führungskräfte, die jetzt unter Druck sind, weil vielleicht noch nicht alle finanziellen oder juristischen Fragen geklärt werden konnten, die für eine endgültige Entscheidung erforderlich sind. Werden bei Firmenübernahmen und Fusionen Nachrichten zu früh übermittelt, dann kann dies gravierende Auswirkungen auf den Aktienmarkt oder die Erfolgschancen des geplanten Projekts haben.Was aber darf wer wem wann mitteilen?
Eine heikle Frage. Abhängig von der Situation, der Tragweite der Änderung, Ihrer eigenen Position und dem Wissensstand der Beteiligten muss hier sorgfältig abgewogen werden, welche Informationen in welcher Form zu welchem Zeitpunkt an welche Empfänger gehen. EinNegativbeispiel für übertriebene Geheimhaltung lieferte ein Elektronikmarkt in Süddeutschland, Mitglied einer erfolgreichen Kette. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde der gesamte Verkaufsraum leergeräumt. Als Begründung wurde angegeben, dass die Ware dringend für eine Neueröffnung eines anderen Marktes benötigt werde.
Als am nächsten Morgen Kunden und Mitarbeiter (!) vor verschlossenen Türen standen, war die Empörung über das stümperhafte Vorgehen der Geschäftsleitung riesengroß. Die eilige nachgeschobene Erklärung, dass sich diese Filiale nicht mehr rentiert habe, verstärkte den entstandenen Negativeindruck noch umein Vielfaches.Hier hatten Laiendarsteller in der Führungsetage, die den Begriff »Ethik« lediglich aus dem Wörterbuch kannten, eine einsame Entscheidung gefällt, losgelöst und abgehoben von der Realität – eigentlich unvorstellbar, aber offenbar nicht ausgeschlossen. Von TOK, Transparenz, Offenheit und Konsequenz wurde lediglich Letztere gezeigt, die Konsequenz, eine geheim gehaltene Entscheidung durchzuführen. Transparenz und Offenheit blieben auf der Strecke.
Welche Informationen kann man in Veränderungssituationen eigentlich gefahrlos veröffentlichen? Nun, gefahrloswird sich ein solcher Prozess wohl nie abspielen, denn es wird immer Informationsempfänger geben, die ihren eigenen Interpretationsspielraum weitgehend nutzen.
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