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Leben ohne Bankberater - Gut informiert - sicher im Online-Banking - finanziell selbstbestimmt
Nett ist er ja … Wozu Sie keinen Bankberater mehr brauchen (S. 11)
Mal ehrlich: Im Autohaus eines Sportwagenherstellers erwarten Sie doch sicher keine Beratung zu preiswerten und praktischen Familienautos, oder? Aber was erwarten Sie eigentlich, wenn Sie mit Banken, Versicherungen oder Finanzdienstleistern zu tun haben? Wenn Sie realistisch sind, dann wissen Sie, dass Ihnen Produkte verkauft werden sollen. Und im besten Fall haben Sie sich zu diesen Produkten vorher selbst Rat geholt.
Der Kundenberater empfiehlt – und der Kunde folgt blind. Immer wieder wundere ich mich, wie viele Menschen auf den Rat von Banken, Versicherungen und so genannten „freien“ Finanzdienstleistern hin deren Produkte kaufen.
Gleichzeitig kommen häufig Menschen zu mir als unabhängiger Beraterin, die großes Unbehagen über ihre bisherige Anlagestrategie verspüren oder deren Geldanlage sogar komplett schief gegangen ist. Nun, Sie haben zu diesem Ratgeber mit dem – zugegeben provokanten – Titel „Leben ohne Bankberater“ gegriffen.
Also gehe ich davon aus, dass Sie möglicherweise erstens auch zu diesen Menschen gehören, die mindestens einmal zuviel blind und folgsam waren. Und zweitens jetzt damit aufhören wollen. Oder Sie sind zumindest unsicher, ob Sie da immer das Richtige unterschrieben haben. Ich werde Ihnen auf den folgenden Seiten zeigen, wie Sie die Abhängigkeit von interessengeleiteten Beratern der Finanzbranche Schritt für Schritt überwinden und das Ruder selbst übernehmen können.
Lassen Sie mich dazu als Erstes ein Beispiel aus meiner Praxis erzählen, das die Ausgangssituation deutlich macht. Sicher sind nicht alle Fälle so extrem wie dieser. Aber Sie sehen hier doch, womit Sie rechnen müssen, wenn Sie sich auf die Berater der Finanzbranche verlassen. Wie alle Beispiele in diesem Buch ist auch dieser Fall absolut authentisch und aus rechtlichen Gründen nur so weit verfremdet, dass handelnde Personen und betroffene Unternehmen nicht zu identifizieren sind.
Wie ein Häufchen Elend saß sie vor mir. Die 63-Jährige reichte mir resigniert einen dicken Aktenordner, den sie zu unserem ersten Gespräch mitgebracht hatte. Es war Ende des Jahres 2008 und wir steckten damals mitten drin in der Finanzkrise.
Die Dame war verzweifelt, hatte sie doch ihr Geld mit dem Ziel angelegt, ihrer Tochter im kommenden Jahr die Ablösung eines Darlehens zu ermöglichen. Und jetzt war sie stattdessen tief in den roten Zahlen! Was war passiert? Hatte sie keinen Berater gehabt, besonders in den schwierigen Zeiten der beginnenden Finanzkrise im Sommer 2007?
Die Dame hatte nicht nur einen Berater gehabt, sondern auch einen, der sich „unabhängig“ nannte. Nennen wir seine schicke Firma hier einmal „24/7 Private Consulting“. Der Berater wohnte in derselben Straße wie sie und die Familie Was zeigt Ihnen dieses Beispiel? Mir wurde schnell deutlich, dass hier ein Berater der Kundin allein seine Überzeugungen „aufgedrückt“ hatte, und das im wahrsten Sinne des Wortes ohne Rücksicht auf Verluste.
Alle vorsichtigen Versuche und Anfragen der Frau, doch auch einmal Gewinne mitzunehmen oder Geld aus einigen Fonds in weniger schwankungsreiche Anlagen umzuschichten, schlug der Berater in den Wind und überredete sie zu weiteren Transaktionen. Und zwar immer wieder!
In der ganzen Zeit der Geldanlage, nämlich in den Jahren 2003 bis 2007, in denen andere gute Gewinne kassiert hatten, hatte der Berater es außerdem geschafft, das Depot der Mandantin jährlich zu „drehen“. Das bedeutet, er hatte sie dazu überredet, immer wieder Fonds zu verkaufen und in andere zu investieren war schon seit vielen Jahren in seiner Beratung.
Sie fühlte sich dort gut aufgehoben – schließlich vergaß der Berater weder ihren Geburtstag noch die Weihnachtsgrüße. Regelmäßig hielt er sie mit Briefen und am Telefon über die neuesten Finanzprodukte auf dem Laufenden. Dieser nette Berater wusste nur allzu gut, dass das Geld der Kundin in einem bestimmten Jahr zur Verfügung stehen musste. Gemeinsam sahen wir uns die Unterlagen an.
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