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Kapitel IV. (S. 19)
Erst in der Kühle des Kommandojets wurde sich Lara bewußt, wie lange sie Staub und Wind, der Tageshitze und der schneidenden Kälte der Wüstennacht ausgesetzt gewesen war, ohne sich darum zu kümmern.
Sie hatte sich gefaßt, wenigstens nach außen hin, war wieder ganz die zukünftige Wissenschaftlerin, deren Intelligenz und Ausbildung sie für Führungsaufgaben prädestinierten.
Ihr Vater hatte ihr einen forschenden Blick zugeworfen, aber nur kurz den Arm um ihre Schultern gelegt, als sie aus dem Jet stieg, der sie auf halbem Wege abgeholt hatte. Die Situation ließ keinen Raum für private Gefühle. Lara berichtete knapp, nüchtern - mit klarer, ausdrucksloser Stimme.
Ein langes Schweigen folgte ihren Worten.
Conal Nords Blick forschte im Gesicht seiner Tochter, doch sie hatte sich in der Gewalt. Ihr blasses Gesicht spiegelte Erschöpfung, ihre Augen verrieten, daß es ihr nicht leicht fiel, die Fassung zu wahren, doch selbst Simon Jessardin mit seiner ausgeprägten Menschenkenntnis schob diese Zeichen auf den überstandenen Schrecken.
Davon abgesehen hatte jeder im Raum Mühe, nicht die Fassung zu verlieren. Die Generäle zuckten erschrocken zusammen. Jom Kirrand sog scharf die Luft durch die Zähne.
»Das ist unmöglich!« fuhr er auf. . »Haben die Terraner Kerr gezwungen, ihnen die Funktion der Waffen zu erklären?« fragte Jessardin sachlich.
»Nein.« Lara schüttelte den Kopf. »Dazu hätte er sich auch nicht zwingen lassen. Aber er mußte die Haupt-Energieversorgung aktivieren, um die Antriebs-Vorstufen zünden zu können. Und die Terraner haben Schaltpläne und Reparatur-Anweisungen gefunden, die sie mit einiger Mühe entziffern können.«
»Unmöglich!« wiederholte Kirrand. »Sie können nicht...«
»Es ist möglich, Jom«, unterbrach ihn Jessardin. »Vergessen Sie nicht, daß sie keine primitiven Wilden sind, auch wenn ein Teil unserer Wissenschaftler das immer noch glaubt. Und die beiden Energiewerfer der ‘Terra I’ sind leistungsfähige Waffen. Wenn die Barbaren es tatsächlich geschafft haben, sie einsatzbereit zu machen, könnte uns das unter Umständen zwingen, einen Angriff mit Teilen der Raumflotte gegen das Schiff zu fliegen.«
»Die Raumflotte? Gegen ein paar halbnackte Erdenmenschen?«
»Wollen Sie sich auf ein Bodengefecht einlassen, bei dem Sie Laserkanonen gegen Energiewerfer führen müssen und darüber hinaus riskieren, daß radioaktive Stoffe freigesetzt werden, Jom?«
Der Vollzugschef preßte die Lippen zusammen.
Ihm war anzusehen, daß ihn schon allein die Notwendigkeit, sich überhaupt auf ein Gefecht einlassen zu müssen, an seinem Weltbild zweifeln ließ.
»Ein Angriff mit der Raumflotte würde den ganzen Mars in Aufregung versetzen«, gab er zu bedenken. »Und vermutlich auch auf allen anderen Planeten Auswirkungen haben«, fügte er mit einem Seitenblick in Richtung auf den Venusier hinzu.
Conal Nord nickte. »Richtig. Wenn die Aktion die Ausmaße eines Krieges annimmt, ist das ein ernsthafter Bruch in der Geschichte der Vereinigten Planeten. Vergessen Sie nicht, daß wir hier sind, um den Frieden zu bewahren, nicht um ihn zu stören. Wenn das nur mit kriegerischen Mitteln größten Ausmaßes möglich ist - ich glaube nicht, daß sich zum Beispiel der Venusische Rat zu Solidaritäts-Botschaften veranlaßt fühlen würde.«
Jessardin schwieg.
Er wußte selbst, was die Tatsachen in einer Welt bedeuteten, die Gewalt zum Tabu gemacht hatte. Schließlich hob er mit einem tiefen Atemzug die Achseln.
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