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Kapitel 3 Wunderstoff Wasserstoff: Der Energieträger für die Brennstoffzelle (S. 59-60)
Während Kapitel 2 zeigt, was eine Brennstoffzelle ist, erläutert dieses Kapitel, was sie isst. Für ihre Energienahrung erfordert die Brennstoffzelle nämlich einen neuen Kraftstoff: Wasserstoff. Im stationären Sektor ist schon jetzt klar, woher der Wasserstoff in den ersten Jahrzehnten vor allem kommen wird. Man wird ihn direkt an der Anlage aus Erdgas produzieren. Denn Erdgas enthält große Mengen an Wasserstoffmolekülen; Erdgasanschlüsse sind vielerorts vorhanden, und für die nächsten Jahrzehnte wird Gas in genügender Menge vorhanden sein. Der Umstieg auf andere Energieträger, vor allem erneuerbare Energien, kann im Kraftwerksbereich also allmählich bewerkstelligt werden. Wie aber sieht es im Verkehrsbereich aus? Woraus soll der Wasserstoff produziert werden, wie soll er im Auto mitgeführt werden, und ist das nicht unerschwinglich?
3.1 Von Pferden und Pferdestärken
„Eine neue Energiequelle mit dem Namen Benzin ist von einem Bostoner Ingenieur erzeugt worden. Dieser Brennstoff wird nicht unter einem Kessel verbrannt, sondern explodiert im Zylinder eines Motors." Als sich diese Neuigkeit in den Vereinigten Staaten am Ende des 19. Jahrhunderts verbreitete, war das Pferdefuhrwerk noch immer das Transportmittel Nr. 1 für Güter aller Art. Und damals wie heute gilt für alles Neue: Bedenkenträger finden viele Gründe nachzuweisen, dass es nicht gehen kann und zu teuer ist.
„Die Gefahren sind doch offensichtlich", fährt die Studie fort. „Benzin in den Händen von Leuten, die vor allem an Profit interessiert sind, stellt eine Feuer- und Explosionsgefahr erster Klasse dar. Pferdelose, von Benzin ange triebene Kutschen könnten Geschwindigkeiten von 14 oder sogar 20 Meilen pro Stunde erreichen. Die Bedrohung, die von solchen Fahrzeugen ausgeht, die durch unsere Straßen rasen und unsere Atmosphäre vergiften, verlangt nach einer gesetzlichen Antwort, auch wenn die militärischen und ökonomischen Implikationen überwältigend sind. (...) Im übrigen sind die Herstellungskosten des Benzins jenseits der Finanzkraft unserer privaten Industrie. (...) Außerdem werden durch diese Entwicklung unsere Pferde überflüssig. Dadurch wird unsere Landwirtschaft ruiniert."
3.2 Turbulenz im Kraftstoffmarkt: Der Otto Normalverbraucher verabschiedet sich
Die Bedenken aus diesem fast 130 Jahre alten Dokument klingen altbekannt und werden mit einer ähnlichen Argumentationsstruktur bei der Einführung vieler Technologien geäußert: mangelnde Sicherheit, astronomisch hohe Kosten, Umweltbeeinträchtigungen, Arbeitsplatzeffekte, auf der anderen Seite wirtschaftliche und militärische Interessen. Nur werden solche Einwände heute nicht mehr auf Benzin oder Diesel bezogen - deren Vorherrschaft ist unangefochten -, sondern auf alle neuen Kraftstoffe, die die Bühne betreten wollen.
Diverse Versuche, neue Kraftstoffe einzuführen, gab es immer wieder. 1958 wurde beispielsweise das erste atombetriebene Auto vorgestellt. Diesen rollenden Reaktor mit dem eingängigen Namen Ford Nucleon gab es zum Glück nur im Kartenspiel „Autoquartett". Jetzt indes gerät der Kraftstoffmarkt in ernstere Turbulenzen.
„Wenn der Rohölmarkt weiter so unwägbar ist wie bisher, bleibt keine Wahl, als auf Alternativen umzusteigen", begründet Michael Specht vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung die Umorientierung im Treibstoffsektor. Innerhalb eines Jahres verdreifachte sich der Rohölpreis, um anschließend wieder zu fallen. Hinzu kommen die Angst vor einer steigenden Abhängigkeit von den Golfstaaten, die begrenzte Reichweite von Rohöl und neue Antriebskonzepte, die mit Benzin oder Diesel nicht viel anfangen können. Künftig könnte der Otto Normalverbraucher nicht mehr Otto normal verbrauchen, sondern reformuliertes Benzin, Wasserstoff, Biodiesel, Ethanol oder Methanol, Erdgas und LPG, oder wie die neuen Kraftstoffe auch immer heißen. Was tut sich auf dem Kraftstoffmarkt?
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