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Ja, aber… - Die heimliche Kraft alltäglicher Worte und wie man durch bewusstes Sprechen selbstbewusster wird
"12 VERSUCHE (S. 78-79)
»Okay, ich versuche es.«
Etwas zu versuchen ist reine Zeitverschwendung. Kaum einer, der schon vieles in seinem Leben versucht hat, ahnt, wie viel Zeit und Energie er mit seinen Versuchen von vornherein vergeudet hat. Viele kennen zwar das Gefühl, »dass alles umsonst war«. Doch kaum einer weiß, dass das, was er tatsächlich tun wollte, bereits vor dem Realisieren zum Scheitern verurteilt war. Nicht, weil es falsch war, sondern weil – so paradox es klingen mag – er es versucht hat.
Wie oft haben Sie schon versucht, etwas zu tun oder zu lassen? Wie oft haben Sie versucht, etwas zu ändern, zu erreichen oder einfach zu machen, und sind, trotz all Ihrem Bemühen, an Ihren Versuchen gescheitert? Wenn Sie es wirklich versucht haben, wird die Antwort »meistens« oder zumindest »oft« sein. Doch die Antwort auf die Frage, wie es dazu kam, ist vielleicht bis heute unbeantwortet geblieben – selbst wenn Sie viele Gründe hatten, die Sie dafür verantwortlich machten.
Die Antwort Wenn Sie etwas versuchen, lassen Sie sich in Wahrheit keine andere Wahl, als zu versagen. Weiterentwicklungsansätze beginnen meist, indem wir erkennen, dass wir etwas suchen und uns bewusst machen, was wir finden möchten. Doch sobald wir bereit sind, es zu versuchen, haben wir bereits versagt. Denn jeder Versuch setzt nicht nur Versagen, sondern vor allem Entsagen voraus. Jeder, der etwas versucht, entsagt von vornherein dem Gelingen seines Vorhabens.
Denn unbewusst kalkuliert er das Versagen fest mit ein, weil er es unbewusst für sicherer hält, lieber vor dem Meistern des Unbekannten zu scheitern als womöglich mittendrin oder gar noch später, wenn er es schon gemeistert hat. Wenn jemand etwas Neues zu erreichen sucht, zum Beispiel einen Berg zu besteigen, garantiert der Versuch zwar den Beweis seiner Bereitschaft – womit die meisten sich und andere zufrieden gestellt glauben. Vor allem jedoch garantiert der Versuch vermeintliche Sicherheit.
Die Sicherheit, sich auch weiterhin im Rahmen des Bekannten aufzuhalten. Denn mit jedem Versuch sichern wir uns bereits im Vorfeld ein Scheitern in erträglichem Rahmen: Jemand, der versucht, einen Berg zu besteigen, kann ohne Gefahr so viele Anläufe nehmen und gerade so weit gehen, solange ein Versagen ein bequemer Rückwärtsspaziergang bleibt. Denn in Ermangelung der Erfahrung des Unbekannten kommt die Vorstellung eines Scheiterns hinter der Grenze des Bekannten oder gar auf dem Gipfel des zu Erreichenden einem Absturz gleich. Nicht, dass wir dort oben tatsächlich in Gefahr wären zu scheitern."
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