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Unterm Eis - Roman

von: Hanne Marie Svendsen

btb, 2010

ISBN: 9783641044152 , 288 Seiten

Format: ePUB, OL

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones Online-Lesen für: Windows PC,Mac OSX,Linux

Preis: 7,99 EUR

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Unterm Eis - Roman


 

Eliphas Jennes? Palast (S. 33-34)

1.

Onkel Eliphas? Palast, so musste man ihn wohl bezeichnen, lag in den Bergen ein Stück außerhalb der Stadt. Ein Mann mit einem geschlossenen Wagen und einem Gespann mit zwei schwarzen Pferden hatte sie am Kai abgeholt, ein großer, massiger Mann, mit einem großen Mund, einer niedrigen Stirn und kleinen, eng neben der Nasenwurzel stehenden Augen. Er schielte leicht und sah sie beide gleichzeitig an. »Zwei?«, fragte er. »Das ist falsch.

Es soll nur einer sein.« Er entließ Nilaus aus seinem Blickfeld und richtete seine Aufmerksamkeit auf Fergus, packte ihn hart am Arm, prüfte, begutachtete die Muskeln. Seine Hände waren groß und behaart, sein Rücken leicht gebeugt. Er hatte etwas Unheimliches, nicht ganz Verlässliches an sich. Nilaus fand, dass er wie ein Felsblock aussah, der noch keine menschliche Form angenommen hatte. Fergus lächelte unsicher und befreite sich aus dem Griff des Mannes. »Lassen Sie mich los.

Ich bin doch kein Sklave auf einer Auktion.« »Mein Freund«, sagte Nilaus laut und langsam, als würde er mit einem geistig Behinderten reden. Er legte Fergus den Arm um die Schultern. »Mein Freund wird Eliphas Jennes willkommen sein.« Der massige Mann runzelte die Brauen und stand einen Augenblick stumm da. Dann griff er nach Fergus? Seesack und Nilaus? Koffer, verstaute das Gepäck auf dem Wagen und zeigte zum Zeichen, dass sie einsteigen sollten, auf die Trittstufe. Er selbst sprang auf den Kutschbock, knallte mit der Peitsche und die beiden Pferde setzten sich in Bewegung.

Fergus und Nilaus drückten die Gesichter gegen die Scheiben. Sie verließen den Hafen, fuhren auf breiten Boulevards landeinwärts. Wolken aus lila Blumen schaukelten im Wind von hohen Baumkronen, Steinbänke standen um kleine Brunnen gruppiert, auf denen Herren in allen möglichen Stellungen saßen und Zeitung lasen. Einige hatten die Beine unter sich zusammengekrümmt und das Kinn in die Hand gestützt, andere schoben die Knie vor, ließen einen Arm schlapp herunterhängen und blätterten mit der anderen Hand in der Zeitung.

Einige trugen einen Hut, andere hatten ihn abgenommen, Licht und Schatten flimmerten auf schwarzem Haar und bläulichen rasierten Wangen, während der Wagen vorbeirollte. Hin und wieder wurden sie von offenen Equipagen überholt, in denen äußerst zufrieden aussehende Damen mit ausladenden Hüten saßen. »Schöne Frauen«, sagte Fergus. »Die da wäre was für mich.« Die großen Häuser, die die Straße flankiert hatten, wurden weniger. Etwas weiter entfernt, links von dem Wagen, sahen sie ein kleines Dorf mit grauen Baracken. Zerlumpte Kinder spielten zwischen Wäscheleinen und wälzten sich auf der lehmigen Erde. Fergus versetzte Nilaus einen Puff. »Mach die Augen auf und guck dir an, wie die armen Leute wohnen.«

»Das Klima hier unten ist besser. Vielleicht ist es nicht so schlimm, arm zu sein »Aus dir wird nie ein Sozialist.« Die Barackenstadt verschwand aus ihrem Blickfeld. Sie fuhren einen Kiesweg hoch, der durch eine steinige Landschaft führte, wo an den Felsen Büsche mit Blüten in kräftigen Farben hinunterrankten. Jetzt nahm der Wagen eine scharfe Kurve, der Weg führte steiler bergauf. Auf der einen Seite konnten sie über graubraune Schluchten und ferne Bergkuppen blicken, auf der anderen taten sich hier und da kleine Nischen in der Bergwand auf, aus denen der Mann am Kreuz oder die in Weiß gemalte heilige Jungfrau auf sie hinabsahen.

Halb verwelkte Blumensträuße lagen zu ihren Füßen. »Opium fürs Volk«, sagte Fergus. »Glaub du an Gott, ich tu es nicht.« Nilaus dachte nach. »Mein Vater geht jeden Sonntag in die Kirche, meine Mutter auch - bestimmt vor allem um ihre Hüte vorzuführen. Nein, ich glaube nicht an ihren Gott, an den Gott, auf den die Priester ein Patent haben. Das ist fast wie eine Art Versicherung.« »Gegen was?« »Gegen die Angst. Ich weiß es nicht. An irgendetwas muss man wohl glauben.« »Vielleicht an den Teufel«, sagte Fergus. »Ihn hat man auch aus der feinen Gesellschaft ausgestoßen.«