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Anathem (Roman)

Anathem (Roman)

von: Neal Stephenson

PeP eBooks, 2010

ISBN: 9783641044121, 1024 Seiten

Format: ePUB

Mac OSX,Windows PC Bookeen Cybook Orizon,Ectaco Lite,Odys Media Book Scala,Aluratek Libre,eLyricon EBX-500.TFT,PocketBook 302,IREX Digital Reader,FlatReader,BeBook 'One',iRiver Story,Sony Reader PRS-3xx,Bookeen CyBook Opus,Hanvon/Hexaglot N518,PocketBook 301+,COOL-ER eReader,Inves-Book 600,eLyricon EBX-600.E-Ink, Bookeen CyBook Gen3 ab Rev: 1.9,Italica Reader,Sony Reader PRS-505, -6xx, -7xx,Pocketbook 360,Hanvon N516 Weltbild Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 23,99 EUR

Ersparnis: 5,96 EUR

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Anathem (Roman)


 

Teil 3 ELIKT (S. 153-154)

Langeweile ist eine Maske der Frustration. Was gab es für einen besseren Platz, um die Wahrheit von Fraa Orolos Ausspruch zu kosten, als eine Bußzelle der Regelwartin? Irgendein schlauer Architekt hatte diese Dinger so entworfen, dass sie für die Frustration dasselbe waren wie eine Linse für das Licht. Meine Zelle hatte keine Tür. Alles, was zwischen mir und der Freiheit stand, war ein schmaler, wie die Spitzbögen des Alten Mathischen Zeitalters geformter Bogen, der von massiven, durch die Kritzeleien früherer Insassen völlig verschrammten Steinen eingerahmt war. Mir war es untersagt, mich dort hinaus zu verirren oder Besucher zu empfangen, solange die Strafe nicht verbüßt war.

Der Bogen öffnete sich auf den inneren Laufgang, der rund um den Regelwarthof lief und zu jeder Tageszeit von unbedeutenderen Hierarchen bevölkert war, die auf dem einen oder anderen Botengang vorbeikamen. Ich konnte direkt über diesen Laufgang hinweg in das Gewölbe des oberen Chorraums sehen. Dessen Brüstung versperrte mir jedoch den Blick auf den zweihundert Fuß weiter unten liegenden Boden, wo gerade die Provene begangen wurde. Ich konnte die Musik hören. Ich konnte geradeaus schauen und sehen, wie die Kette sich bewegte, als meine Mannschaft die Uhr aufzog, und wie die Glockenseile tanzten, als Tulias Mannschaft die Glocken im Wechsel läutete. Die Menschen konnte ich jedoch nicht sehen.

Auf der anderen Seite der Zelle hatte ich eine bessere Aussicht. Von einem weiteren mathischen Bogen eingerahmt bot ein Fenster einen schönen Ausblick auf die Wiese. Das war auch so ein Mittel, um die Frustration und mithin die Langeweile zu verstärken, denn wenn ich wollte, konnte ich den ganzen Tag meinen Brüdern und Schwestern zuschauen, wie sie nach Belieben im Konzent umherspazierten und (wie ich vermutete) über alle möglichen interessanten Dinge diskutierten oder sich zumindest lustige Geschichten erzählten.

Oben war der größte Teil des Himmels durch das überhängende Gesims des Wehrwarts verdeckt, aber bis etwa zwanzig Grad über dem Horizont konnte ich sehen. Mein Fenster ging ziemlich genau auf das Jahrhunderttor hinaus, mit Blick auf das Jahrzehnttor rechts davon, wenn ich mein Gesicht nah ans Glas hielt. So konnte ich, als am Morgen nach der Zehnten Nacht die Sonne aufging, die Apertabschlusszeremonie hören. Und beim Blick durch meine Zellentür sehen, wie die Ketten sich bewegten, als die Wasserventile betätigt wurden. Wenn ich dann quer durch meine Zelle ging und aus dem Fenster hinausschaute, konnte ich einen silbernen Wasserfaden den Aquädukt zum Jahrzehnttor passieren sehen und beobachten, wie das Tor sich knirschend schloss.

Extramuros wohnten dem nur hier und da ein paar Zuschauer bei. Eine Zeitlang folterte ich mich mit der Vorstellung, dass Cord verloren dastand und darauf wartete, dass ich im letzten Moment herausgerannt kam und sie zum Abschied umarmte. Solche Gedanken verblassten jedoch rasch, als die Tore erst einmal geschlossen waren. Ich sah zu, wie die Avot den Baldachin abbauten und die Tische zusammenklappten. Ich aß da Stück Brot und trank die Schüssel Milch leer, die einer von Suur Trestanas Lakaien an meiner Tür abgestellt hatte. Dann wandte ich meine Aufmerksamkeit dem Buch zu.