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John Sinclair - Sammelband 1 - Rache des Bösen

von: Jason Dark

Bastei Lübbe AG, 2010

ISBN: 9783838702865 , 192 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 4,99 EUR

Exemplaranzahl:


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John Sinclair - Sammelband 1 - Rache des Bösen


 

Der Blick der Gastgeberin war besorgt. Er paßte nicht zu dem Partylärm, der aus dem großen Haus heraushallte, eine Mischung aus Stimmen, Musik, Trinksprüchen und Gläserklirren. »Und du willst uns tatsächlich schon verlassen, Ellen?«

Ellen Crawford nickte. »Ja, Sybill. Ich habe es meinem Mann versprochen und es dir auch vorher gesagt.«

»Natürlich.« Sybill Rain strich ihr silbrig gefärbtes Haar zurück. »Es wäre trotzdem schön, wenn du noch geblieben wärst.«

»Vergiß nicht die Drohungen.«

»Nimmst du sie sehr ernst?«

Ellen Crawford schaute sich nach dieser Frage ängstlich um, als suchte sie in der Dunkelheit des Parks nach einem Killer. Da standen nur die Limousinen der Gäste. Die Fahrer lehnten an den Wagen und langweilten sich. Das Licht der nachträglich installierten Laternen warf milchige Schleier in die dunkle Nacht. »Deshalb fahre ich auch früher, Sybill.« Sie räusperte sich. »Außerdem hat mir Winston dazu geraten.«

»Schade, daß er nicht mit auf die Party kommen konnte.«

»Es tut mir auch leid. Du kennst seine Geschäfte.« Ellen lächelte und reichte Sybill die Hand. »Ich habe mich trotz allem gut amüsiert. Es werden auch wieder bessere Zeiten kommen.«

»Meinst du?«

»Es ist einiges in Bewegung gesetzt worden. Die Landschaften verändern sich. Politisch als auch wirtschaftlich. Du wirst sehen, die Chancen stehen gut.«

»Und dein Mann mischt mit?«

»Natürlich. Er hat den Blick. Er weiß, wie man der Konkurrenz begegnet.«

Sybill lachte leise. »Macht es dir etwas aus, wenn ich dir einen Fahrer mitgebe?«

»Mir? Wieso?«

»Du brauchst nicht mit deinem Wagen fahen. Ich nehme einen vom Haus.«

»Weiß nicht«

»Ich zumindest würde mich beruhigter fühlen, und du würdest es ebenfalls sein, Ellen.«

Ellen Crawford nickte. »Okay, du hast mich überredet.«

»Dann warte einen Moment. Ich werde Jack holen.«

Sybill verschwand und ließ eine trotz des Pelzmantels fröstelnde Ellen Crawford zurück. Sie hätte nicht zu der Party gehen sollen. Ihr Mann hatte es ihr nahegelegt, aber da waren eben die Freunde, die sie nicht im Stich lassen wollte, und sie war zu der Fete gegangen, mit dem Versprechen, sie früh zu verlassen, was auch stimmte, denn bis zur Tageswende waren es noch zwei Stunden. Für richtige Fetengänger keine Zeit, um zu verschwinden. Die letzten Gäste waren sowieso erst vor einer Stunde gekommen.

Ellen rauchte eine Zigarette. Sie blies die Wolken gegen den Dunst, der lautlos durch den Park schwebte. Vierzig war sie vor einem Monat geworden, aber sie hatte noch nie so große Angst verspürt wie in den letzten Tagen.

Der Druck nahm ständig zu.

Ellen ließ den Rauch durch die Nase strömen. Sie zwinkerte mit den Augen. Der Partylärm kam ihr so entfernt vor, obwohl sie nur wenige Schritte gehen mußte, um das Zentrum zu erreichen. Wieder schweiften ihre Gedanken ab, und sie dachte an die Drohungen, die sie erreicht hatten.

Es war furchtbar gewesen.

Eine tote Taube, die von einem Pfeil durchstochen worden war, hatte man ihr zugeschickt. Blut auf hellem Gefieder. Es hatte einen makabren Kontrast hinterlassen.

Sie schnippte die Zigarette weg, als sie Sybills Stimme hörte, die Begleitung eines dunkelhaarigen Mannes erschien, der die Kluft des Fahrers trug.

Jack war noch jung, sein Lächeln wirkte strahlend, als er sich vor Ellen verbeugte.

»Er wird dich sicher heimbringen, Ellen.«

»Danke, Sybill.« Die Frauen umarmten sich, dann ging Sybill wieder zu ihren Gästen zurück.

Jack sprach die Zurückgebliebene an. »Ich kann den Wagen holen, Mrs. Crawford …«

»Nein, ich gehe mit. Die paar Schritte werden mir guttun.«

»Wie Sie wünschen.«

Sie schritt neben dem jungen Fahrer her. Die Wege, die den großen Park durchzogen, waren gepflegt. Gärtner sorgten dafür, daß alles in Ordnung gehalten wurde.

Die Feuchtigkeit blieb. Am Ende des Grundstücks lag ein kleiner Teich. Dort bildeten sich die Schwaden, die der Wind durch das parkähnliche Gelände trieb.

Zur Verfügung stand unter anderem ein stahlgrauer Mercedes 190. Neben dem Fahrzeug blieb Jack stehen. In der Nähe zeichneten sich die Umrisse eines Pavillons ab. Pflanzen wuchsen an seinen Holzlatten hoch. Nur der Eingang lag frei. Aus ihm drangen eindeutige Geräusche. Welches Pärchen sich dort vergnügte, wußte Ellen nicht.

Jack hatte es ebenfalls vernommen. In seinem Gesicht regte sich nichts, als er Ellen die Tür aufhielt.

»Bitte sehr, Madam.«

»Danke.« Sie stieg ein und wischte eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Ellen sah noch gut aus, Trotz ihrer vierzig Jahre war ihr Körper straff. Falten kannte sie nicht, ihr Lächeln wirkte jugendlich, und das mahagonifarbene Haar umrahmte als natürliche Lockenpracht ihr rundliches Gesicht mit dem herzförmigen Mund. Im Außenspiegel wischte für einen Moment ihr Gesicht entlang. Ellen stellte fest, daß sie müde Augen besaß; ihre Hände zitterten.

Woran lag es? An den Drohungen, die sie erhalten hatte? Das konnte möglich sein. Auch wenn Winston, ihr Mann, darüber gelächelt hatte, wußte sie doch, daß er tief in seinem Innern anders darüber dachte.

Für einen Moment schloß sie die Augen, bevor sie sich in die Polster zurücksinken ließ. Der Wagen fuhr, sie merkte es kaum. Ellen hatte das Gefühl, auf einem Boot zu stehen, das sie hineintrug in eine andere Welt, wo es weder Sorgen noch Ängste gab.

Erst als sie das Grundstück verlassen hatten, öffnete sie wieder die Augen.

Die Fahrbahn lag dunkel vor ihnen. Ein schwarzer Kanal, über den nur das Licht der Scheinwerfer huschte. Ein geisterhafter Teppich, der auch die Ränder nicht ausließ, und Buschwerk zu fahlen, dünnen Totenarmen degradierte, die wirkten, als wollten sie nach irgendwelchen Gegenständen fassen, obwohl diese nicht vorhanden waren.

»Sorry, Madam, aber ich habe Sie noch nicht nach ihrer Adresse fragen können.«

»Tut mir leid.« Ellen Crawford schlug leicht gegen ihre Stirn. »Dann gab sie die Anschrift durch. Sie wohnte ebenfalls in einem Nobelvorort der Millionenstadt, im Süden Belgravias. Belgravia war ein Paradies für Millionäre, für Leute, die es sich gutgehen lassen konnten. Hier gab es keine Armut, hier kannte man nur die Sorgen, wie man sein Geld vermehrte.

Jeder, der hier lebte, besaß genügend Platz, um sich ausbreiten zu können. Niemand hockte aufeinander, aber es gab auch die große Einsamkeit hinter den Mauern der Häuser, die die einen mit Alkohol, die anderen mit Drogen bekämpften.

Das wußte Ellen auch, Sie und ihr Gatte waren davon allerdings verschont geblieben.

Noch etwas kam hinzu.

Am späten Abend und in der Nacht wirkte diese Gegend wie ausgestorben. Nur hin und wieder rollte ein Wagen durch die ruhigen Straßen, wo auch wenige Laternen standen.

Die meisten Lichtinseln befanden sich in den Gärten und strahlten die hinter Bäumen und Buschwerk liegenden Häuser an, wobei die Grundstücke noch durch Mauern oder Zäune geschützt waren.

Ellen gähnte, der Fahrer konzentrierte sich auf seinen Job. Er war froh darüber, nicht zu weit fahren zu müssen, denn er wollte sich noch den Spätfilm anschauen, den ein Privatsender über den Kanal schickte, eine Mischung aus Action und heißem Sex, wie ihm von einem Bekannten gesagt worden war.

Alles lief normal, alles sah normal aus. Keiner von ihnen hatte einen Grund, mißtrauisch zu sein, bis zu dem Augenblick, als sich alles radikal änderte.

Woher die Gestalt gekommen war, hatten weder Jack noch Ellen sehen können.

Jedenfalls war sie plötzlich da, und sie stand mitten auf der Straße wie ein schwarzes Phantom.

Ellen Crawford erschrak zutieft. »Halten Sie an!« rief sie. »Mein Gott, wer ist das?«

Auch Jack wußte keine Antwort. Der dachte sofort an Killer, an Räuber, an Menschen, die anderen auflauerten, und er dachte an seine Gaspistole, die er bei sich trug.

Die Gestalt ging nicht zur Seite. Wenn Jack nicht bremste, würde sie von der Fahrbahn geschleudert.

Er wäre unter Umständen durchgefahren, wenn er allein im Wagen gesessen hätte. In diesem Fall aber mußte er auf seinen Passagier Rücksicht nehmen.

»Bitte, Jack!« Ellen kam sich vor wie auf dem Elektrischen Stuhl. So ähnlich mußte es einem zum Tode verurteilten ergehen, der dort seine letzten Sekunden erlebte.

Jack blieb ruhig. Er nagelte das Bremspedal in die Tiefe. Die Fahrbahn war trocken, zeigte höchstens an den Seiten ein paar feuchte Flecken, und der Mercedes – ausgerüstet mit ABS – stand sehr gut.

Aber auch der andere stand!

Im Licht der Scheinwerfer wirkte er einfach furchtbar. Von seinem Gesicht war nichts zu erkennen, denn eine Ledermaske lag wie eine zweite Haut über den Zügen. Nur zwei Schlitze für die Augen waren freigeblieben, und sie funkelten eisig.

Auch der übrige Körper war von einer dicht anliegenden Ledermontur bedeckt, bis auf die gewaltigen, muskulösen Arme, die freilagen und einen bleichen Schimmer zeigten, als gehörte die Haut einer Fünf-Tage-Leiche.

Daß diese Gestalt Böses im Schilde führte, war dem Fahrer klar. Er sah es zudem als Fehler an, angehalten zu haben. »Wir hätten nicht stoppen dürfen!« flüsterte er.

Ellen holte zweimal Luft. »Wollen Sie ihn überfahren?«

Jack nickte. »Wäre am besten.«

»Aber das …«

Er ließ die Frau nicht ausreden. »Der wird uns vernichten, Madam, glauben Sie mir!«

Nach diesem Satz fielen Ellen wieder die Drohungen ein. Die weiße Taube, von einem Pfeil durchbohrt. Blut auf den hellen Gefieder, jetzt dieser Mann mit der Ledermaske.

Hatte man es auf sie...