Suchen und Finden
Service
Infos und Kontakt
Prolog
14. Prago des Tedar 10.486 da Ark
17. März 8036 vor Christus
Der siebenjährige Junge saß an dem einfach gezimmerten Tisch in seiner Kammer. Den Kopf hielt er weit vorn übergebeugt, sodass ihm die schulterlangen weißblonden Haare wie ein Vorhang links und rechts neben das Gesicht fielen.
In den feingliedrigen Händen hielt er ein fingernagelgroßes Stück Oressa-Rotholz, das er mit einem scharfen Werkzeug bearbeitete. Unzählige Ritze in seinen Fingern zeugten von der Schwierigkeit seines Unterfangens.
Der Junge legte normalerweise großes Geschick im Umgang mit Klingen an den Tag. Sein Lehrmeister hatte ihm aber sehr genau erklärt, in welcher Perfektion er das Resultat der Arbeit wünschte, und der Junge hätte lieber einen Finger gegeben, als ihn zu enttäuschen.
Der Siebenjährige ließ das Werkzeug sinken und betrachtete die winzige Figur in seiner Hand. Sie zeigte einen der Zwölf Heroen, Tran-Atlan, den Lieblingsheroen des Jungen.
Der Junge nahm die Figur zwischen Zeigefinger und Daumen der rechten Hand und hielt sie hoch, um sie im Licht von Gortavors Stern zu sehen, das durch das verglaste Fenster fiel.
Er war zufrieden mit seinem Werk. Er hatte sich Mühe gegeben, Tran-Atlans Kampfmontur mit haarfeinen Mustern zu verzieren. Ein echter Knackpunkt war das Dagor-Langschwert gewesen, das der Heroe in die Höhe reckte. Bei dem ersten Versuch war ihm das dünne Schwert abgebrochen, und Atlan hatte aus der fast fertigen Figur einen der etwas zierlicheren, weiblichen Heroen fertigen müssen.
Das Oressa-Rotholz war sehr knapp bemessen. Wenn er Meister Fartuloons Aufgabe zu dessen Zufriedenheit erledigen wollte, durfte er nicht das kleinste Stücklein des wertvollen Holzes vergeuden.
Zwölf Heroen gab es in der arkonidischen Sage – die Berlen Taigonii.
Zu ihnen gehörten die Heroinen Hattaga, Heydrengotha, Hirsuuna, Ovasa und Osmaá Loron sowie die Heroen Hy’Thymon, Jang-sho Wran, Tsu al’haigh, Teslym, Separei und eben Tran-Atlan.
Und dazu kam noch der mächtigste Heroe, Vretatou, der Sonnenbote. Ihn würde Atlan erst ganz am Schluss fertigen, wenn er sich im Umgang mit dem Schnitzwerkzeug sicher und geübt fühlte.
Es klopfte leise an die Tür. Atlan schrak aus seinen Gedanken.
»Herein.«
Die Tür öffnete sich, und Fartuloon streckte seinen runden Schädel mit dem schwarzen Vollbart in die Kammer des Jungen.
»Kommst du voran?«
»Ich habe Tran-Atlan fertig!«
Der Bauchaufschneider trat zu Atlan und nahm die Figur entgegen. »Du wirst mit jeder Figur geschickter«, lobte er den Jungen. »Wie viele fehlen dir jetzt noch?«
»Vier: Hirsuuna, Teslym, Osmaá Loron und Vretatou!«
»Das wird dich noch einige Pragos beschäftigen. Sieh zu, dass du schneller wirst!«
Atlan seufzte. »Wenn ich schneller arbeite, ritze ich mir die Finger auf.«
»Blut, Schweiß und Tränen«, sagte Fartuloon ernst, doch Atlan glaubte hinter dem krausen Bart ein Lächeln zu erkennen. »Die Bestandteile des Lernens und Wachsens. «
Der Knabe betrachtete kritisch das verbliebene Oressa-Rotholz.
»Das Stück ist zu klein, um nochmals vier Figuren daraus zu schnitzen.«
Der Anflug des Lächelns verschwand aus Fartuloons Zügen. »Ist das Stück zu klein für deinen Kopf oder für deine Hände?«
Der Junge presste die Lippen aufeinander. »Ich werde es schaffen, Meister.«
»Gut. Dann werde ich dich jetzt wieder allein lassen.«
»Meister?«
»Ja, Atlan?«
»Wozu werden wir die Figuren brauchen?«
Fartuloons Gesicht verzog sich zu einem eindeutigen Lächeln. Dutzende kleine Fältchen verästelten sich um seine Augen. »Ich bringe dir mit den Figuren etwas bei, das dein Leben verändern wird.«
»Was?«
»Ein Spiel, mein Junge. Ein Spiel.«
1.
21. April 1463 NGZ,
11 Uhr Terrania-Standardzeit
T minus 97 Stunden
»Die Schwerkraft ist auf zehn Gravos hochgeschnellt«, merkte Oberstleutnant Tanio Ucuz an. Ucuz war Tifflors persönlicher Sicherheitschef, eine Stellung, die er seit immerhin achtzig Jahren inne hatte.
Ihre SERUNS hatten den plötzlichen Anstieg der Schwerkraft umgehend kompensiert, andernfalls wären Tifflor, Ucuz und die Männer und Frauen des Einsatzteams in Schwierigkeiten geraten.
Julian Tifflor, Sonderbeauftragter des Galaktikums für Hyperkokon- und TRAITOR- Hinterlassenschaften und eher zufällig an Bord des Handelssterns FATICO, sah sich in der kleinen Einsatzzentrale um.
»Wer kann mir sagen, was gerade geschehen ist?«
Die anwesenden Spezialisten und Offiziere von der JV-2 blickten ihn an. Ihre SERUNS hatten sich automatisch geschlossen und die HÜ-Schirme bildeten konturnahe Blasen.
Alle Preise verstehen sich inklusive der gesetzlichen MwSt.; Ersparnis im Vergleich zur Printversion









