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Schule braucht Gefühl - Kinder kreativ-therapeutisch fördern

Schule braucht Gefühl - Kinder kreativ-therapeutisch fördern

von: Waltraut Barnowski-Geiser

Semnos Verlag, 2009

ISBN: 9783934933309, 129 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 9,95 EUR

Ersparnis: 2,00 EUR

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Schule braucht Gefühl - Kinder kreativ-therapeutisch fördern


 

3 Lebensraum-Begegnungsraum - Besonderheiten der Arbeit im System Schule (S. 90-91)

Schule ist ein öffentlicher Raum, in dem über viele Stunden Begegnung stattfindet. Menschen, Schüler/innen wie Lehrer/innen, müssen ihren persönlichen und intimen Raum für viele Stunden zeigen, verbergen, schützen und sich in die Begegnung im öffentlichen Raum begeben. Richtlinien und Lehrpläne beschäftigen sich in erster Linie mit dem kognitiven Lernen, das in Schulen gewährleistet werden soll. Für immer mehr Kinder ist Schule jedoch mehr: ein zentraler Begegnungsraum, manchmal für Kinder der einzige Raum der menschlichen Ansprache.

Der Begegnungsraum Schule ist bestimmt durch die intimen Räume der Menschen, die ihn betreten – mit all ihren Gefühlen und Vorerfahrungen, zugleich ein öffentlicher Raum mit öffentlichen Rahmenbedingungen – somit ist er vor allem auch ein multipler Schwingungs- und Resonanzraum des Erlebens. Dies wird in schulischen Konzeptionen bislang sträflich vernachlässigt.

KreTAS stellt das sich erlebende Kind in seinem Umraum in das Zentrum der Betrachtung. Wenn in der Literatur von Schulklima die Rede ist, geht es oftmals um bauliche und ausstattungsmäßige Rahmenbedingungen, die natürlich auch einen zentralen Teil des Umraums von Kindern in Schule darstellen.

Das Schulklima ist jedoch darüber hinaus in besonderem Maße bestimmt durch Resonanz- und Schwingungsprozesse zwischen Menschen, im familiären System, in der Peer-Group, mit Lehrer/innen und anderen Personen, inner- und außerschulisch. Wenn ein Kind in die Schule kommt, dann kommt es ganz, das heißt mit Körper, Seele und Geist. Auf all diesen Ebenen wird es die Schule als Umraum wahrnehmen, biografisch geprägt in seiner individuellen Art auf diesen Umraum zugehen und ihn erleben sowie seinerseits den Umraum prägen und mitgestalten.

Es bringt Schwingungen in den Raum hinein, etwa in seine Klasse, und etwas schwingt zurück – Resonanzen, Stimmungen und Atmosphären entstehen. Wie ein Kind (übrigens auch seine Lehrer/innen) diesen schulischen Umraum betritt und erlebt, ist maßgeblich durch seine Vorerfahrungen in prägenden anderen Umräumen (etwa in seiner Familie) beeinflusst. Biografische Erfahrungen jedweder Art sind im Leibgedächtnis abgespeichert, gute wie schlechte, und bestimmen, wie ein Kind auf den Umraum Schule zugeht. Zugleich kann Schule erlebten Mangelerfahrungen neuartige entgegensetzen – insbesondere professionell gestützt auch im beraterisch-therapeutischen Förderraum.

Den Blick nicht nur auf das Individuum zu richten, sondern auch auf seinen Umraum und die Personen, von denen es umgeben ist, ist eine wesentliche Perspektive, die der ökologischen Psychologie, der Leibphänomenologie sowie systemischen Ansätzen zu verdanken ist. Der leiborientierte Ansatz im KreTAS-Konzept geht über die Beschreibung von Interaktionsmodellen und Kommunikationsstrukturen hinaus, das individuelle Erleben, mit Körper, Seele und Geist von Schüler/innen, das Wahrnehmen von Resonanzprozessen sowie ihre qualitative Beschreibung und Veränderung stehen im Fokus.