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LEITSYSTEM ZUM NEUEN. WIE REINIGUNGSGESELLSCHAFT IM LÄNDLICHEN RAUM MIT ZUKUNFTSBILDERN GEGEN DAS STERBEN DER LÄNDLICHEN RÄUME INTERVENIERT (S. 144-145)
Unter der Überschrift »Kunst fürs Dorf - Dörfer für Kunst« rief die Deutsche Stiftung Kulturlandschaft ein Modellprojekt ins Leben, das die Erhaltung und Entwicklung des ländlichen Raums mit den Mitteln der Kunst zum Ziel hat. Der Dialog mit den Bewohnern des Ortes und die Sichtbarmachung der künstlerischen Arbeit als Prozess sind Anforderungen an jeden eingeladenen Künstler. Das Projekt der REINIGUNGSGESELLSCHAFT (RG), die sich selbst als »Labor im Denkraum Kunst an der Schnittstelle zu anderen gesellschaftlichen Bereichen« versteht und seit 1999 künstlerische Interventionen praktiziert, ist dabei eines von mehreren.
Dafür realisierten die beiden Dresdner Künstler Martin Keil und Henrik Mayer über sechs Monate gemeinsam mit den 700 Bewohnern der Gemeinde Grambow in Nordwestmecklenburg ein partizipatives Kunstprojekt, das sich zur Aufgabe stellte, ein neues Gemeinschaftsbewusstsein zu befördern und Handlungsperspektiven für das Leben vor Ort anzuregen, um damit der Ausdünnung der Region und dem Verlust kommunaler Souveränität im ländlichen Raum entgegenzuwirken.
Basierend auf einer Umfrage über die Lebensbedingungen und Zukunftsperspektiven im ländlichen Raum entwickelte die RG ein »Leitsystem zum Neuen«. Es besteht aus Verkehrsschildern, deren Piktogramme auf die Aufgaben der Zukunft verweisen. Ausgehend von strukturellen Herausforderungen wie Klimawandel, demographische Entwicklung, Arbeitsplatzperspektiven und Lebenschancen im ländlichen Raum bietet das Leitsystem Orientierungspunkte zum gesellschaftlichen Handeln. Das Projekt wurde im Laufe der sechsmonatigen Laufzeit schrittweise und ergebnisoffen realisiert.
Dabei stand die Kommunikation mit den Menschen vor Ort im Mittelpunkt. Dazu gab es mehrere öffentliche Treffen mit den Dorfbewohnern, die meist im Gemeindehaus stattfanden. Darüber hinaus haben die Künstler das Gespräch mit Bürgern gesucht, die sich ehrenamtlich engagieren. In einem weiteren Schritt wurde eine Befragung entwickelt, die sich mit der Lebensqualität im ländlichen Raum auseinandersetzt. Es wurden Fragen nach den Vor- und Nachteilen für das Leben im ländlichen Raum, nach beruflichen und privaten Lebensperspektiven und Zukunftswünschen gestellt. Sowohl qualitative als auch quantitative Ergebnisse der Umfrage wurden grafisch und bildhaft umgesetzt in einer Ausstellung zugänglich gemacht.
Gemeinsam wurde ein Neun-Punkte-Plan abgeleitet, der zeigt, wie die Bewohner Veränderungen durch Eigeninitiative selbst auslösen können. Dazu gehören Vorschläge wie: Bildung von Fahrgemeinschaften, die selten verkehrende Buslinien ersetzen, ein Dorfladen mit Produkten aus der Region, ärztliche Betreuung, vor allem für ältere Dorfbewohner, bis hin zur Dorfzeitung, die als »Grambower Moorbote« während Projektzeit im Ort gegründet wurde. Die Zeitung erscheint seitdem monatlich und wird kostenlos an alle Haushalte verteilt. Sie soll den Bewohnern vor allem ein besseres Kennenlernen ermöglichen aber auch kommunale Themen verständlich machen und neue Initiativen unter den Bewohnern befördern.
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