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Ich mache mir Sorgen, Mama

Ich mache mir Sorgen, Mama

von: Wladimir Kaminer

PeP eBooks, 2004

ISBN: 9783894808440, 139 Seiten

Format: ePUB, PDF

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Bookeen Cybook Orizon,Ectaco Lite,Odys Media Book Scala,Aluratek Libre,eLyricon EBX-500.TFT,PocketBook 302,IREX Digital Reader,FlatReader,BeBook 'One',iRiver Story,Sony Reader PRS-3xx,Bookeen CyBook Opus,Hanvon/Hexaglot N518,PocketBook 301+,COOL-ER eReader,Inves-Book 600,eLyricon EBX-600.E-Ink, Bookeen CyBook Gen3 ab Rev: 1.9,Italica Reader,Sony Reader PRS-505, -6xx, -7xx,Pocketbook 360,Hanvon N516 Weltbild Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 7,99 EUR

Ersparnis: 0,96 EUR

  • Zwischen Formation und Transformation - Die Religionen Europas auf dem Weg des Friedens
    Totenmesse - Thriller
    Die Odyssee des Fälschers - Die abenteuerliche Geschichte des Konstantin Simonides, der Europa zum Narren hielt und nebenbei die Antike erfand
    Todesahnung - Thriller
    Sag Fuck It! - Kleines Buch, große Wirkung
    Der sterbende Detektiv - Roman
    Trenn Dich schlank - Abnehmen mit Trennkost für eine Person
    Der wunde Punkt - Roman
  • Katechetische Blätter. Zeitschrift für Religionsunterricht, Gemeindekatechese, Kirchliche Jugendarbeit, Heft 4/2004
    Die Blüte des Eukalyptus - Roman
    Eine Szene im Theater der Unendlichkeit - Max Beckmanns Dramen und ihre Bedeutung für seine Bildrhetorik
    Glaubensgenossen in Not - Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und die Hilfe für aus rassischen Gründen verfolgte Protestanten. Eine Dokumentation
    Der Hebammenkreißsaal - Ein Versorgungskonzept zur Förderung der physiologischen Geburt
    Gipfeltreffen 4 - Ein Buch zum Nachlesen und Nachgehen
    Sprachkritik in der Schule - Theoretische Grundlagen und ihre praktische Relevanz
    Migrations- und Integrationsforschung – multidisziplinäre Perspektiven - Ein Reader
 

Mehr zum Inhalt

Ich mache mir Sorgen, Mama


 

Was taugen junge Weihnachtsmänner von heute gegen das alte Väterchen Frost? (S. 86-87)

Ob Väterchen Frost und der Weihnachtsmann verwandt beziehungsweise zwei unterschiedliche Leute seien, fragten mich meine Kinder neulich. Auf diese Frage hatte ich keine einfache Antwort parat. Soweit ich mich erinnern konnte, war das Väterchen – oder auf gut Russisch »Opa Frost«– trinkfester als sein europäischer Kollege. In der Sowjetunion schaute er zusammen mit seiner Freundin Schneeflöckchen einmal im Jahr bei uns vorbei, nämlich am Abend des einunddreißigsten Dezember. Die beiden waren vom Betrieb meines Vaters beauftragt, allen Mitarbeitern, die Kinder hatten, einen Besuch abzustatten und eine Tüte mit Schokolade und anderen Süßigkeiten zu überreichen. Außerdem musste Opa Frost einen auf das Wohl der Familie trinken. Das Schneeflöckchen hatte die Aufgabe, auf Opa Frost aufzupassen, damit er gerade stand und nicht herumtorkelte.

Als Erstes besuchten die beiden die Familie des Direktors, dann seines Stellvertreters, anschließend die des Buchhalters und schließlich die Familie des Leiters der Parteizelle. Mein Vater war als Stellvertretender Leiter der Abteilung Planwesen ein ziemlich wichtiger Mann im Betrieb. Unsere Familie stand also auch ganz oben auf der Liste von Opa Frost, auf jeden Fall unter den ersten zwanzig Adressen. Trotzdem konnte er bei uns schon kaum noch sprechen. Wir wohnten im fünften Stock in einem Haus ohne Fahrstuhl, und man hörte Opa Frost schon im Treppenhaus fluchen, wie er mit seinem Sack gegen die eine oder die andere Tür knallte.

»Na, Boris, geht’s noch?«, fragte ihn mein Vater.

Opa Frost hatte eine Plastiknase ohne Nasenlöcher, sein Bart war schräg um den Hals gewickelt, ein Teil davon steckte in seinem Mund. »Viel Freude für Ihre Familie«, flötete Schneeflöckchen bei ihrer Ankunft.

»Ich glaube, ich muss mich erst mal setzen«, sagte Opa Frost und nahm im Korridor auf unserem Schuhschrank Platz. Das Herumsitzen in der warmen Wohnung tat Opa Frost aber nicht gut. Er sprang auf und rief: »Wo ist das Kind?«

Meine Eltern schoben mich nach vorne. »Na du, Junge, wie heißt du? Sehr gut, Wladimir. Hier ist etwas zum Knabbern für dich!«

Opa Frost übergab mir eine zerknitterte Tüte aus seinem halb leeren Sack, trank mit meinem Vater im Stehen einen Wodka, rülpste, drehte sich um und lief die Treppe wieder runter. Schneeflöckchen hinter ihm her.

»Nicht so schnell, Boris, ich möchte nicht, dass wir wieder im Krankenhaus landen wie letztes Jahr«, schrie sie. »Scheiß drauf, die Kinder warten«, röchelte Opa Frost.