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Tendenzen und Entwicklungen in der Hochschulsteuerung

Tendenzen und Entwicklungen in der Hochschulsteuerung

von: Christian Winter

Verlag Dashöfer GmbH, 2004

ISBN: 9783931832575, 26 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 19,80 EUR

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Tendenzen und Entwicklungen in der Hochschulsteuerung


 

Vision einer zielorientierten externen Hochschulsteuerung (S. 11-12)

Die vorangehend dargestellten gegenwärtigen Instrumente der Neuen Hochschulsteuerung dokumentieren den Weg der Hochschulen von einer bürokratischhierarchischen externen Steuerung zu einer Steuerung auf Abstand, in der die Hochschulen autonom über nahezu alle Details ihrer Leistungserstellung entscheiden. Dies ist ein Prozess, der in hohem Maße das nachvollzieht, was sich faktisch bereits an vielen Hochschulen schon seit Jahrzehnten als notwendig abgezeichnet hat. Die Wissenschaftsministerien waren und sind von den Entscheidungssituationen und Realitäten an den Hochschulen erheblich zu weit entfernt, um das in der Vergangenheit pro forma exekutierte Steuerungssystem tatsächlich im Sinne „guter Entscheidungen" nutzen zu können. Die Diskrepanz hat und musste sich auch in den vergangenen Jahren unter den Bedingungen eines sich stetig beschleunigenden wissenschaftlichen Erkenntnisfortschrittes vergrößern.

Es ist ein deutlicher Hinweis auf die mangelnde Reformfähigkeit des bürokratisch-hierarchischen Verwaltungssystems als Ganzes, dass die Ministerien den durch sie nur höchst unzureichend ausgefüllten Steuerungsanspruch so lange trotz „schlechter Entscheidungen" und resultierender Defizite in der Wirtschaftlichkeit der Geschäftsabläufe Ministerien und der Hochschulen so lange aufrecht erhalten konnten. Erst jetzt unter dem Eindruck der zurückgehenden Steuereinnahmen werden die längst überfälligen Reformschritte nachvollzogen. Doch die Wissenschaftsministerien dürfen sich von ihrem Steuerungsanspruch an dem sie so lange festgehalten haben jetzt nicht zu schnell verabschieden. Denn ihre Steuerungsaufgabe entfällt insbesondere unter den Bedingungen autonom agierender Hochschulen gerade nicht und bedarf einer Neudefinition.

Letztlich erfordert alleine die erhebliche Höhe der Steuergelder, die in den Hochschulen eingesetzt werden eine ministeriell vorbereitete parlamentarische Legitimation. Nur muss sich diese -- überspitz formuliert -- nicht auf die Definition des Einschreibungsformulars beziehen, sondern muss die Ausrichtung der Hochschulen und ihrer Entwicklungspläne auf eine wissenschaftspolitische Gesamtstrategie des Bundeslandes umfassen. Intention der vorangehend skizzierten Zielvereinbarungen muss es vonseiten der Regierung sein, durch eine strategische Ergebnisdefinition und Zukunftsbildgestaltung die erforderliche kontinuierliche Veränderung der Hochschullandschaft zielgerichtet und hochschulpolitisch verträglich herbeizuführen. Im Gegenzug muss es Intention vonseiten jeder Hochschule sein, ihre Exzellenz in Forschung und Lehre nachzuwei sen, um daraus die politische Akzeptanz des eigenen Leistungsangebots herbeizuführen. Dies stellt wiederum die Basis für die eigene Existenzsicherung bzw. positive Fortentwicklung dar. Beides bedarf eines partnerschaftlichen nicht auf dem „bürokratischen Modell", sondern auf dem autonomen Modell basierenden Verständnisses von Regierung und Hochschulen. Während das bürokratische Modell durch Hierarchie, Regelung und Erlasse gekennzeichnet ist, steht beim autonomen Modell Dezentralisierung und Selbstorganisation im Rahmen eines wissenschaftspolitischen Zielsystems im Mittelpunkt.

Der Prozess der Wandlung von einem zum anderen Modell, der von Kritikern auch als ein Prozess der Entstaatlichung bzw. des Rückzugs aus der staatlichen Verantwortung gesehen wird, stellt nichts desto weniger eine erhebliche Herausforderung für jedes einzelne Landesministerium und jede Hochschule dar. Beide müssen neue Rollen und neue Formen der Kooperation erlernen und können dieses nur mit einem umfassenden Organisationsentwicklungsprozess erreichen. Während die Hochschulen hierbei bereits erkennbare Fortschritte machen und das interne und externe Hochschulmanagement sich dadurch kennzeichnen lässt, dass die Frage nach der neuen Rolle der Dekane, Universitätskanzler und Präsidenten im Sinne einer Professionalisierung des Hochschul- und Fachbereichsmanagements bereits zu ersten neuen zu erprobenden Modellen geführt hat, scheint sich die Ministerialbürokratie nur sehr verhalten, wenn überhaupt, mit ihrer neuen Rolle beschäftigen zu wollen. Dies ist auch nicht wirklich verwunderlich, da gerade die Wissenschaftsministerien häufig unter dem nicht geringen Einfluss der noch stark budgetzentralistisch denkenden und agierenden Finanzministerien stehen. Dennoch: Die Reform der öffentlichen Verwaltung wird immer eine Reform der unterschiedlichen Geschwindigkeiten (selbst auf gleicher Hierarchieebene) bleiben.

Deshalb liegt es in der Verantwortung jeder einzelnen Organisationseinheit, ihren individuellen Reformweg zu gehen und zu gestalten. Die Rollenfindung der Wissenschaftsministerien könnte zu einem zentralen Erfolgsfaktor auch für die Autonomie der Hochschulen werden. Im Folgenden sollen zwei Wege der externen Hochschulsteuerung aufgezeigt werden. Von diesen zwei könnte der Erste bei einer mangelhaften Rollenfindung der Wissenschaftsministerien im Sinne der Wahrnehmung der strategischen Steuerungsfunktion langfristig zu einem erheblichen Schaden bei den Hochschulen führen. Denn bei diesem Weg würden sie trotz ihrer neu gewonnenen Autonomie in Kürze einer direkten Budgetsteuerung durch die erstarkten Finanzministerien unterliegen können.