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Systemisch-psychodramatische Supervision in der psychosozialen Arbeit - Theoretische Grundlagen und ihre Anwendung
ZWEITER TEIL: GRUNDLAGEN DER PSYCHO-SOZIALEN ARBEIT (S. 187-188)
3. System - Kontext - Bedeutung - Subjektivität: Vier grundlegende Perspektiven in der systemischen Arbeit
I. Einleitung: Subjektivität als Thema in der systemischen Familientherapie
Vier theoretische Konstrukte sind in der Überschrift benannt: System, Kontext, Bedeutung und Subjektivität. Mit den drei ersten hat die systemischen Theorie und Praxis wenig Probleme. Sie sind vor allem durch die Arbeiten Gregory Batesons (Bateson 1981, 1982) von Anfang an integrale Bestandteile ihres Diskurses gewesen.
Mit der Subjektivität sieht es etwas anders aus. In den Pionierjahren der Familientherapie (damit meine ich die fünfziger und sechziger Jahre) wurde vor allem von der Palo-Alto-Gruppe um Bateson, Jackson, Watzlawick die Diskussion auf den Systembegriff focussiert. Subjekt und Subjektivität wurden u.a. in kritischer Abgrenzung gegen die Psychoanalyse als Mythen geortet. Sie - so hörte man - seien noch dem traditionellen erkenntnistheoretischen Kontext zuzuordnen, der vor allem durch zwei Perspektiven gekennzeichnet sei:
Einerseits die cartesianische Subjekt - Objekt - Spaltung, andererseits die nach kausalen Gesetzmäßigkeiten funktionierende Weltmaschine der newtonschen Physik. Hier konnte man sich mit großer Plausibilität auf die Arbeit von F. Capra stützen. (Capra 1982)
Im Entwicklungsprozeß der Familientherapie wurde die Abgrenzung zwischen psychoanalytischen und systemischen Sichtweisen immer schärfer - was vergessen läßt, daß zur Gründerinnengeneration der Familientherapeutinnen viele Psychoanalytikerinnen gehörten, denen es vor allem um die Verbindung von intrapersonal-intrapsychischen und interaktionell-systemischen Prozessen ging. Wichtige Namen sind hier z.B. Nathan Ackermann, Theodore Lidz, Murray Bowen, Lyman Wynne. (siehe Bateson u.a. 1969, Boszormenyi-Nagy/Framo 1975) Nachdem sich die Familientherapie in ihren verschiedenen Richtungen nun als anerkannte Therapieform konsolidiert hat, ist die Zeit reif, rigide Grenzen wieder durchlässig (Minuchin würde sagen „funktional") zu machen, und das heißt auch, nach einer systemischen Ortsbestimmung der Subjektivität zu suchen.
• Subjekt und Objekt
• Denken und Handeln
• aktiv und passiv
• Körper und Geist/Seele
• Krankheit und Gesundheit
• Arzt und Patient
in ein Verhältnis des „sowohl als auch" überführt wurde. Damit war das zirkuläre Prinzip des „systemischen Denkens" in die wissenschaftliche bzw. therapeutische Öffentlichkeit eingeführt.
Heute ist der Systembegriff in aller Munde. Das birgt die Gefahr in sich, daß er zu einer abgegriffenen Münze verkommt, die jeder Mensch benutzt, um „dabei" zu sein, wenn es um Prestige, Pfründe und die Macht des Wissens geht. Pörksen (1988) zählt den Systembegriff zu den „Plastikwörtern", jenen Denkschablonen, mit deren Hilfe die sperrigen Realitäten der Welt so kolonisiert werden, wie die Geschmacksnerven der Kinder durch die Hamburger von Mc Donalds.
Dem läßt sich nur vorbeugen, indem die innere Komplexität und Unabgeschlossenheit systemischer Denkprozesse sich auch in der Komplexität der Darstellungsweise niederschlagen. Das macht das Lesen schwierig; es soll aber gerade die Verwandlung von Geist in Plastik verhindern.
Ich schränke im Folgenden - entsprechend dem Gegenstand meines Diskurses - den Systembegriff auf soziale Systeme ein.
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