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,002 Telekommunikationsnetze (S. 23-24)
2.1 Einführung
Die meisten klassischen Telekommunikationsnetze wurden in der Vergangenheit für einen bestimmten Zweck geplant, wie z.B. das Fernsprechnetz für den Fernsprechapparat oder Mobilfunknetze für die Kommunikation mit mobilen Telefonen. Die Netze der nächsten Generation sollten universelle Netze sein, die offen verschiedene Anwendungen unterstützen sollten. Diese unterschiedlichen Anforderungen bleiben nicht ohne Einfluss auf das Design und die Architektur der Netze. Kommunikationsnetze wuchsen recht schnell zu länderumspannenden Netzen zusammen. Diese weltweite Zusammenschaltung machte eine aufwändige Standardisierung nötig. Aufgrund der Größe dieser Netze und ihrer internationalen Verflechtung waren die Netzelemente auch immer große Investitionsgüter, die daher nur langsam verlaufenden Veränderungen nachgaben. Aus diesem Grund wurden früher für fast jede benötigte Funktion neue Netzelemente gebaut, die zusammen mit den jeweils erforderlichen (oft völlig neuen) Kommunikationsprotokollen in die Netze eingebunden wurden. Ein Netzelement für die Verwaltung mobiler Teilnehmer ist beispielsweise eine Datenbank für die Bearbeitung der IN-Dienste (Service Control Point – SCP) für die Bereitstellung komplexer Dienste (0800, 0180, 0700, 0900 usw.), ein HLR (Home Location Register) oder VLR (Visitor Location Register) der Mobilnetze, zusammen mit dem Kommunikationsprotokoll INAP (Intelligent Network Application Protocol) bzw. MAP (Mobile Application Part).
Hieraus ist aus heutiger Sicht natürlich in keiner Weise ein optimales System »erwachsen«. Nun gibt es inzwischen neuere Lösungen für verteilte Informationssysteme der IT-Netze, die ihren Einzug auch in die Telekommunikation halten werden. Der objektorientierte Ansatz brachte in der Softwareentwicklung offene und sehr leicht wieder ver wendbare Komponenten. Auch hier gibt es die Problematik, vorhandene, gewachsene Systeme in moderne Konzepte, Oberflächen oder Sicherungssysteme einzubinden. Hier wird die Anwendung nicht mehr in einer Komponente fixiert, sondern diese Lösungen ermöglichen es, von verteilten Systemen auf einen Prozess zuzugreifen (serviceorientierte Architekturen wie z.B. Web-Services). Dieser stellt auf Anfrage folgende Informationen bereit:
- welche Dienste er für den anfragenden Dienst leisten kann,
- wie die vorhandenen Funktionen aufgerufen werden und
- wie sie beeinflusst werden können.
Dabei werden die hergebrachten Anwendungen in ihrer Funktion belassen, sie öffnen sich nur über völlig neue Schnittstellen den anderen Diensten. In einer solchen Umgebung würde beispielsweise ein HLR nicht auf ein Netzelement fixiert werden, sondern er würde in einzelne Prozesse zerlegt werden, die über universelle Schnittstellen miteinander kommunizieren können. Die Web-Services leisten im Bereich der Integration vorhandener Software zur Unterstützung der Geschäftsprozesse in Unternehmen (Enterprise Application Integration) bereits Erstaunliches. Diesen traditionellen Anwendungen ermöglichen sie so eine Integration in eine moderne und durchgängige Architektur. Der gleiche Ansatz könnte auch der klassischen Telekommunikation einen Migrationsweg in eine neue, erheblich erweiterte Zukunft ermöglichen. In einer solchen Umgebung könnten Dienste völlig unabhängig von konkreten Netzen sein und nutzen, was jeweils günstig, vorhanden oder brauchbar ist. Sogar der einfache, normale Telefondienst könnte in dieser Umgebung erheblich gewinnen.
In diesem Abschnitt werden klassische Telekommunikationsnetze als verteilte Informationssysteme betrachtet. Zunächst werden einige ausgewählte, bekannte Anwendungen in TK-Netzen in ihrer traditionellen Form beschrieben. Zu diesen Anwendungen gehört das klassische Fernsprechnetz sowie Netze für den Mobilfunk, Intelligente Netze für Mehrwertdienste und die Ansätze der IP-basierten Kommunikation, der Next Generation Networks (NGN).
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