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Kai Schwindt
Einsatz von Funketiketten in der Handelslogistik (S. 53-54)
Nachdem das Internet in Form von Online-Supermärkten hierzulande zunehmend verschwindet, setzen viele Handelsketten, aber auch Softwareund Dienstleistungsunternehmen auf die Radio Frequency Identification (RFID) – das IT-Thema im Umfeld des Lebensmittelhandels. Doch diese Technik wird nur dann sinnvoll und gewinnbringend zum Einsatz kommen, wenn zugrunde liegende Prozesse und Technologie optimiert werden und neue Logistikkonzepte wie Collaborative Planning Forecasting and Replenishment (CPFR) zum Einsatz kommen. Dieses Vorgehen könnte auch ein Revival des Internet-Supermarkts bewirken.
1 Die Zukunft des Internethandels
Der Lebensmittelhandel und die Informationstechnologie sind sich zuletzt bei der Idee des Online-Supermarkts begegnet. Im Juni 2003 stoppte der Otto Versand als letzter überregionaler deutscher Onlineverkäufer die Auslieferung von Lebensmitteln. Das Unternehmen erklärte damals, dass vor allem die zu geringen Volumina für den Ausstieg verantwortlich seien. Indikatoren wurden und werden weiterhin vor allem in den oberflächlichen Aspekten von Konsumzurückhaltung bei der breiten Bevölkerung gesehen, etwa dem Teuro, Steuererhöhungen oder fehlenden Steuersenkungen, der großen Arbeitslosigkeit sowie dem mangelnden Wirtschaftswachstum.
Die lahmende Wirtschaft als Technologiekiller?
Das ist bestimmt die eine Seite der Medaille. Was Online-Supermärkten allerdings ebenfalls Knüppel zwischen die Beine geworfen hat, sind grundlegende logistische Fragestellungen. So stand der klassische Online-Supermarktkäufer häufig vor dem Dilemma, dass er zwar über das Internet Waren bestellte, die Kiste mit den frischen Lebensmitteln aber schließlich doch über einen Zeitraum von mehreren Stunden vor seiner Tür stehen blieb. Auf der anderen Seite hatte der Auslieferer das Problem, Kleinstmengen auf Lager halten, Mehrfachauslieferungen bei Abwesenheit durchführen und insgesamt eine komplexe Logistik organisieren zu müssen.
Diese könnte sich mit der Radio-Frequency- Identification-(RFID-)Technologie bald viel einfacher realisieren lassen (siehe auch [HMD 229]). Die Funketiketten, die auf Paletten, Kartons oder auch Einzelartikel aufgebracht werden, können auf ihren integrierten Chips eine Vielzahl von Informationen zum Artikel speichern. Die Einbettung von Lebensmitteln in eine komplexe Servicekette wird so möglich. Visionäre, wie die Betreiber des Intelligenten Hauses in Duisburg, aber auch renommierte Zukunftsforscher halten es etwa für möglich, dass Häuser künftig mit speziellen Kühl-Briefkästen ausgestattet sind, die auf die Warenannahme ausgerichtet sind. Leseeinheiten, die so genannten Reader, können die gespeicherten Informationen auf den Etiketten, auch Tags genannt, entziffern und entsprechende Folgeschritte anstoßen. Beim Kühl-Briefkasten wäre etwa denkbar, dass auf den RFID-Tags die Information über die korrekte Kühltemperatur vorgehalten ist, so dass der Warenannahmebereich eines Hauses – also der Kühlschrank – auch bei längerer Abwesenheit des Käufers dem Frischhalten von Wurst, Käse, Milch oder Eiern dienen könnte. Wer würde in einem derartigen Szenario noch auf den Online-Supermarkt des Vertrauens verzichten?
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