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Christliche Spiritualität lehren, lernen und leben.

Christliche Spiritualität lehren, lernen und leben.

von: Stefan Altmeyer, Reinhold Boschki, Joachim Theis, Jan Woppowa (Hrsg.)

Vandenhoeck & Ruprecht, 2006

ISBN: 9783862340330, 281 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 19,90 EUR

Ersparnis: 5,10 EUR

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Christliche Spiritualität lehren, lernen und leben.


 

"Teil III: Lernwege (S. 192-194)

Rolf Zerfass
Gott denken lernen Theologiestudium als spirituelle Praxis


Es scheint absurd, sich dieses Ziel zu setzen, müssen wir doch, wenn das Wort »Gott« einen Sinn machen soll, davon ausgehen, dass er alle unsere Möglichkeiten ihn zu denken sprengt. Aber dazu bekennt sich ausdrücklich auch die Theologie; sie weiß, dass sie nicht »über« Gott reden kann, sondern allenfalls unter ihm stehend von ihm, gebunden an das Wort der Schrift, über das sie nicht verfügt, das sie allenfalls neu zum Sprechen bringen kann.

Dass ihr dies bewusst ist, spiegelt sich in dem strengen Regelwerk authentischer theologischer Interpretation der Schrift, zu dem alle Teildisziplinen beizutragen suchen – für Außenstehende nicht leicht einsehbar und auch im Inneren, besonders für Studienanfänger, nicht gerade zugänglich, eher verwirrend. Deshalb lohnt es sich, gelegentlich auf elementare Entwürfe zurückzugreifen, wie das Ausbildungskonzept des Pariser Regularkanonikers Hugo von Sankt Viktor (1096–1141). Sein Didascalicon de studio legendi beschreibt die Elementarstruktur theologischen Lernens in faszinierender Einfachheit als Abfolge von fünf Schritten: lectio – meditatio – oratio – operatio – contemplatio (vgl. Didasc V,9; PL 176, 797A–798A).

Die vorliegenden historischen und systematisch-theologischen Interpretationen dieses Werkes (vgl. Ernst 1987, S. 93–109; zum Gesamtwerk und sozialen Umfeld Hugos vgl. Berndt 1999, Chenu 1974) gestatten dem Praktischen Theologen, Hugos Entwurf eher frei, im Beziehungsfeld gegenwärtiger theologischer Didaktik zu kommentieren, d. h. ihn unmittelbar in unsere Kontexte hineinsprechen zu lassen. Er macht es uns leicht, denn seine Sprache ist plastisch, dicht und alltagsnah. Er bringt seine Hörer in Kontakt mit ihren Erfahrungen. Er polemisiert nicht, sondern zeigt wie ein guter Bergführer, wo es lang geht und hört eher einen Satz zu früh auf als zu spät. Er drückt uns eine Landkarte in die Hand und macht uns Mut, einfach loszugehen.

Je weiter wir vorankommen, umso mehr Abstand gewinnen wir freilich auch zu der Route, die wir bisher verfolgt haben. Welche heimlichen Voraussetzungen und verdeckten Ansprüche dominieren unsere Weise, Theologie zu lehren und zu erlernen? Welchen Preis zahlen wir für das, was wir in den letzten tausend Jahren beibehalten, was wir dazugelernt und was wir aus den Augen verloren haben?

Geistes- und theologiegeschichtlich steht Hugo an einer Umbruchstelle: Die Theologie wechselt aus dem Windschatten der großen Abteien (wie Cluny oder Citeaux) in das brodelnde Milieu der neuen Städte (etwa Bologna, Paris, Oxford, Köln, Prag), aus den Händen der Mönchsorden (der Benediktiner und Zisterzienser) in die der Kanoniker an den Domkirchen sowie der neuen Stadtseelsorger: der Bettelorden. Hugos Hörer sind selbstverständlich allesamt Kleriker oder Mönche; sie bringen schon eine gewisse geistliche Bildung mit, aber kennen andererseits im Unterschied zu heute keinerlei ernsthafte Alternativen zu ihrer christlich-abendländisch definierten Lebenswelt."