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2 Organisationsanalyse im Modell
In den folgenden Abschnitten wird dargestellt, welche Betrachtungsebenen sich bei der Organisationsanalyse unterscheiden lassen. Dazu wird eine "individualistische" Sichtweise auf Organisationen vorgestellt und gezeigt, welche Analyseschritte damit möglich sind. Beispielfälle sollen das Verständnis erleichtern. Während es in Kapitel 4 um die Analyse konkreter Details von Organisationen geht, steht in den folgenden Abschnitten eine umfassendere Betrachtung, ein gedanklicher Rahmen der Analysetätigkeit, im Vordergrund. Das vorgestellte Mikro-Makro-Schema erleichtert die Ordnung eigener Vorstellungen über Organisationen und die Suche nach Planungs- bzw. Durchführungsmängeln in einer konkreten Organisation. Dabei soll gezeigt werden, wie der Ablauf einer Organisationsanalyse aussieht, und wo Ansatzpunkte oder gar Notwendigkeiten einer Erhebung einschlägiger Daten bestehen. Um Hilfsmittel für eine Datenerhebung in den verschiedenen Bereichen einer Organisation geht es dann in Kapitel 3.
2.1 Eine individualistische Sichtweise auf Organisationen
Das in diesem Buch vertretene Denkmodell oder Paradigma orientiert sich am individualistischen Programm der Sozialwissenschaften . Um Individuen, also einzelne Personen, geht es im engeren Sinne nicht - das wäre eher ein Thema der Differentiellen Psychologie oder der Individualpsychologie. Es geht auch nicht vorrangig um konkrete, einzelne Menschen wie etwa unsere Frau K. vom Reisebüro. Das individualistische Programm kümmert sich vielmehr um die Erforschung kollektiver Phänomene, allerdings verlangt die Perspektive des individualistischen Programms, dass dabei stets individuelles Verhalten berücksichtigt werden muss. Es geht hier also um eine Verbindung individueller Handlungen und sozialer Strukturen. Organisationen können demnach nicht lediglich aus der Perspektive ihrer Kollektivstrukturen betrachtet werden - wichtig ist, wie kollektive Strukturen und individuelle Handlungen zusammenspielen.
Eine solche Perspektive beinhaltet zumindest zwei Feststellungen: Erstens üben soziale Strukturen Einfluss auf das individuelle Handeln von Menschen aus. Die überindividuelle Ebene stellt also gewissermaßen die Rahmenbedingungen für die Handlungsmöglichkeiten und -aussichten der betroffenen Menschen. Zweitens beeinflusst individuelles Verhalten die sozialen Strukturen. Die Gesamtheit individueller Handlungen von Menschen übt also einen Rückkopplungseffekt auf die überindividuelle kollektive Ebene aus.
Die Notwendigkeit einer Verbindung zwischen individueller und übergeordneter sozialer Ebene stellt den Kern des individualistischen Programms dar. Doch was ist mit der Unterscheidung von individueller und sozialer Ebene gemeint?
Mikroebene
Zunächst zur individuellen Ebene: Hierunter versteht man die Analyseeinheit des Einzelmenschen. Auf der individuellen Ebene geht es einerseits um Eigenschaften der handelnden Menschen: ihre Wahrnehmungen, Handlungsmöglichkeiten, Ergebnisbewertungen und Ziele. Andererseits geht es um ihre Entscheidungen und Handlungen. Beschäftigt man sich im Rahmen des individualistischen Programms mit der individuellen Ebene geht es also um Fragen wie: Wie nehmen die beteiligten Menschen ihre Situation wahr? Was sind ihre Ziele, Hoffnungen und Befürchtungen? Welche Handlungsoptionen haben sie? Und als aktives Moment: Welche Entscheidungen treffen die Beteiligten? Was tun sie? Welche Handlungen führen sie aus?
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