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Diagnose Brustkrebs - Eine ethnografische Studie über Krankheit und Krankheitserleben

Diagnose Brustkrebs - Eine ethnografische Studie über Krankheit und Krankheitserleben

von: Christine Holmberg

Campus Verlag, 2005

ISBN: 9783593376936, 240 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 25,70 EUR

Ersparnis: 4,20 EUR

  • Elfenkind
    Herbst - Läuterung
    Den Himmel gibt´s echt
    Herbst - Zerfall
    Der Bankräuber
    Bleib cool, Papa
    Du gibst das Leben
    Mein Herz kennt die Antwort
  • Kopfschuss
    Die Zehn Gebote
    Das Feenorakel
    Zeit der Vergebung
    Alphavampir
    Der Geschmack des Wassers
    Succubus Shadows
    Hurentaten
 

Mehr zum Inhalt

Diagnose Brustkrebs - Eine ethnografische Studie über Krankheit und Krankheitserleben


 

3 Erschütterungen (S. 68-69)

Dieses Kapitel geht der Frage nach, was durch eine Krebsdiagnose und durch den Diagnoseprozess bei den Frauen ausgelöst wird und wie sie dadurch zu »Patientinnen « werden. Der erste Teil dieses Kapitels beschäftigt sich mit den »realen « Orten der Diagnosestellung und Therapie. Unter Einbezug von Ritualtheorien werden die einzelnen Stationen, die in der Klinik von den Frauen besucht werden müssen, vorgestellt. Es wird auf die Verunsicherungen eingegangen, die durch die fremden Orte entstehen. Dann wird eine Krankengeschichte erzählt. Dabei wird besonders auf zwei Momente eingegangen: erstens auf die durch die Diagnose ausgelöste Erschütterung und das damit verbundene Gefühl des »Betäubtseins «, zweitens auf die Irritationen der Frau nach Ende der Behandlung bezüglich ihres Verhaltens während der Therapie. Anhand von Literatur zu Krankheitserfahrung und Trauma wird gezeigt, dass die Diagnose »leere« Momente auslöst, die sich der Erfahrung entziehen. Erst dadurch wird die Annahme der Identität »Krebskranke« möglich. Im Rückgriff auf Giddens und andere wird gezeigt, dass diese Prozesse durch gesellschaftliche Vorstellungen von »Risiko«, »versteckten Gefahren«, »Sterben«, »Tod« und »Möglichkeiten der Kontrolle von Zukunft« möglich sind. Zuletzt wird im Rückgriff auf Theorien zu Liminalität und Communitas gezeigt, wie ein grundlegender Transformationsprozess ausgelöst wird. Um das Geschehen der eigenen Erfahrung zugänglich zu machen, werden biomedizinische Sichtweisen übernommen, durch die sich die Wahrnehmung der untersuchten Frauen ändert. Das heißt, in der Interaktion mit der Institution entwickelt sich die »eigene« Biografie (vgl. Becker 2001).

Erfahrung ist ein geschichtlicher Prozess, der sich in Handlungen, Geschichten oder anderen Artefakten ausdrückt und damit anderen zugänglich wird. Das, was wir in diesen Artefakten erzählen, ist das Besondere im Alltäglichen. Durch die Verarbeitung in diesen Artefakten erhält es Sinn. Die Umwelt, in der die erfahrende Person lebt und interagiert, ist der »mitweltliche Orientierungsausdruck « (Hahn 1994: 15), durch den sie ihre Handlungen sinnhaft macht. Der mitweltliche Orientierungsausdruck zeigt sich sowohl in praktisch-lokalen Lebensformen als auch in Systemen von Handlungs- und Wissensschemata. Erfahrung ist der soziale Ausdruck dessen, was individuell erlebt, als besonders angenommen und dann in der Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Rahmen Sinn stiftend wird. Erfahrung ist also das, was externalisiert wurde, und ist immer auch die Abweichung von der Norm. »Mitgeteilt wird ja in der Regel nicht eine regelmäßige Allgemeinheit des Alltagslebens, sondern das je einem selbst ›exklusiv‹ Widerfahrene« (Hahn 1994: 17). Zugang zur Erfahrung anderer ist immer nur über Kommunikation möglich. Erfahrung wird daher letztlich intersubjektiv hergestellt.

Zu dem, was hier im Folgenden dargestellt wird, nämlich der Prozess, der irgendwann zu der Geschichte einer Krebspatientin und damit zu ihrer Erfahrung wird, sind einige gesellschaftliche Eckpunkte im Vorhinein darzustellen. Diese sind Konzepte von Sicherheit, Risiko und versteckter Gefahr.