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A.6 Kooperationswerkzeuge im Kontext virtualisierter Arbeitsprozesse (S. 95-96)
Sam Zeini, Nils Malzahn, Heinz Ulrich Hoppe
Universität Duisburg-Essen, Campus Duisburg, Institut für Informatik und interaktive Systeme, Fachgebiet kollaborative und lernunterstützende Systeme
1. Einführung
Im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien und im wissensintensiven Sektor finden sich häufig netzwerkartige Organisationsstrukturen, die durch informale Arbeitsorganisation und eine starke Betonung integrierter Kooperation unter Ausbildung unterschiedlicher Spezialisierungen [2] gekennzeichnet sind. Begleitet wird dieses Phänomen der Entgrenzung durch die Virtualisierung von Arbeitsplätzen oder Bürostandorten [15]. Ausgehend von der These, dass sich Organisationsformen von den traditionellen Formen hin zu kooperativen Strukturen fortentwickeln, schlagen wir vor, dass vor allem kreative und wissensintensive Prozesse durch Software unterstützt werden, welche die Besonderheiten dieser Arbeitsprozesse berücksichtigen. Ferner gehen wir unter Berücksichtigung der damit verbundenen Lernprozesse davon aus, dass Konzepte aus dem Lehr- und Lernbereich fruchtbar zu dieser Diskussion beitragen können. Neuere Untersuchungen zu virtuellen Organisationen ([16]; s. a. [10]) gehen u. A. von einer „Abkehr von klassischen Organisationsstrukturen und –prinzipien", „zeitlicher Instabilität des organisatorischen Gebildes", „Ungleichzeitigkeit kooperativer Prozesse", „räumlicher Verteiltheit" und dem „Einsatz moderner Kommunikationsmedien" aus. Dieses Verständnis von „virtuellen Unternehmen" vermeidet eine Engführung des Begriffes, um neuartige Phänomene von der Betrachtung auszuschließen, dennoch kann durch die Betonung von Fluidität und der Organisationsdynamik von wissensbasierter Projektarbeit für solche Arbeitskonfigurationen ausgegangen werden, welche durch den mehr oder minder innovativen Charakter der Projekte gekennzeichnet ist.
Aus diesem Grunde werden im vorliegenden Beitrag Studien zu wissensintensiver Arbeit herangezogen, um einige Implikationen für virtualisierte Arbeitsprozesse abzuleiten. Gleichzeitig wird auf einige Konzepte aus dem Bereich CSCL (Computer Supported Collaborative Learning) zurückgegriffen, die u. E. auch zur Diskussion von CSCW (Computer Supported Cooperative Work) im Allgemeinen und insbesondere im Kontext von Virtualisierung fruchtbar beitragen können. Diese Konzepte beziehen sich im Wesentlichen auf die Ko-Konstruktion, Repräsentation und Wiederverwendbarkeit von Wissen. Die gemeinsame Ko-Konstruktion auf Basis von Modellen kann kreative Arbeitsprozesse fördern, welche häufig in innovativen Projekten stattfinden, beispielsweise im gestalterischen Bereich, bei Konzeptionstätigkeiten oder in Entscheidungsprozes- sen. Dies erfordert jedoch eine ausdifferenzierte Sichtweise im Hinblick auf die Einbeziehung von synchronen Arbeitssituationen im Kontext von Projekten und virtuellen Organisationen. Erzwungene Synchronizität beispielsweise kann sich als störend für den Arbeitsablauf erweisen [6]. Die an dieser Stelle vorgestellten Konzepte zielen daher auf die Ermöglichung von Ad-Hoc-Zusammenarbeit. Im Folgenden werden zwei empirische Beispiele aus dem Bereich der wissensintensiven Arbeit kontrastiert. Anschließend werden einige Konzepte vorgestellt und deren Implikationen für die weitere empirische Vorgehensweise in Zusammenhang mit implementierten Lösungsmethoden der Informatik und deren Weiterentwicklung diskutiert.
2. Fallbeispiele aus dem Bereich wissensintensiver Arbeit
Bei der Untersuchung von wissensintensiven Dienstleistungsunternehmen im Forschungsprojekt WInn1 wurden u. A. Fälle von technisch unterstützter Wissensarbeit mit Unternehmen verglichen, die Wissensprozesse auf organisatorische Aspekte abstellen. Hierbei konnte festgestellt werden, „dass kollaborative Lernprozesse sowohl in ihrem Umfang wie auch in ihrer Tiefe von der jeweiligen Arbeitsorganisation maßgeblich beeinflusst werden" ([17], S. 74). Bei der Unterscheidung zwischen den Prozessen der Wissensgenerierung, der Wissenstransformation und des Wissensaustauschs kann die Frage nach einer organisatorischen oder einer technischen Unterstützung dieser Prozesse unterschiedliche Aspekte hervorbringen.
2.1 Technische Unterstützung
Der erste Fall beschreibt die technische Unterstützung von Wissensprozessen einer PR- und Kommunikationsagentur [17]. Die Agentur hat die Bedeutung des Wissens über seine Kunden erkannt und möchte dieses über die Einrichtung einer Informationsstruktur festhalten. Die Intention ist eine angestrebte Unabhängigkeit von personalen Wissensbeständen, die sich im Falle vom Ausscheiden von Mitarbeitern durch die zeit- und kostenintensive Einarbeitung neuer Mitarbeiter bemerkbar gemacht hatte. Darüber hinaus sollte die Dienstleistungsqualität erkennbar gesteigert werden. Das Unternehmen setzt hierzu ein standortübergreifendes Intranet ein, das durch ein Lotus-Notes©-basiertes Portalsystem ergänzt wird. Die Portallogik dient dazu, Informationen über Kunden prozessorientiert und strukturiert abzulegen. Das Intranet stellt die einzige Möglichkeit, Dokumente abzulegen, dar. Ausnahmen bilden Projekte mit „sensiblen Daten". Dieses Problem wird durch eine befristete Zugriffsrechtevergabe im Portal gelöst, um die Daten später allen Beschäftigten zur Verfügung stellen zu können.
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