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Interkulturelle Pädagogik – Fachgebiet, Konzepte und Maßnahmen (S. 151-152)
Marianne Krüger-Potratz
Interkulturelle Pädagogik ist die gängige Bezeichnung für ein interdisziplinär und international ausgerichtetes Forschungs- und Lehrgebiet, das sich ab Ende der 1960er Jahre herausgebildet hat. Einige wenige Autoren bevorzugen andere Bezeichnung, z.B. Migrationspädagogik oder Pädagogik der Vielfalt. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass sie unter dieser Bezeichnung nicht das Fachgebiet insgesamt fassen, sondern eine bestimmte kritische Perspektive oder ein Konzept (vgl. z.B. Mecheril 2004; Prengel 2005/1993).
Gegenstand der Interkulturellen Pädagogik ist – allgemein formuliert – Bildung und Erziehung in der Einwanderungsgesellschaft. Im Folgenden wird unterschieden zwischen dem Lehr- und Forschungsgebiet „Interkulturelle Pädagogik“, das sich als Spezialisierung innerhalb der Erziehungswissenschaft herausgebildet und etabliert hat, und Konzepten interkultureller Bildung und Erziehung, mit Hilfe derer Kinder, Jugendliche und Erwachsene die für ein Zusammenleben in sprachlich, ethnisch und kulturell ausdifferenzierten Gesellschaften notwendigen Kenntnisse und Kompetenzen erwerben sollen.
Interkulturelle Pädagogik – ein Lehr- und Forschungsgebiet
Die ersten Arbeiten, die man der Interkulturellen Pädagogik zuordnen kann, stammen aus den 1960er/1970er Jahren und ab den 1980er Jahren beginnt sie sich als neues Lehr- und Forschungsgebiet an zunächst einzelnen Hochschulen zu etablieren. Anfangs firmiert sie unter der Bezeichnung Ausländerpädagogik, doch im Verlauf der 1980er Jahren setzte sich die Bezeichnung Interkulturelle Pädagogik durch.
Der Namenswechsel markiert einen Perspektivwechsel: Waren zunächst vor allem die Zugewanderten, das heißt die als so genannte Gastarbeiter ab 1955 aus verschiedenen Mittelmeeranrainerstaaten angeworbenen Männer und Frauen (Ausländer) im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, so richtet sich der Blick ab den 1980er Jahren stärker auf die Aufnahmegesellschaft und die Folgen einer nicht konsequent auf die gesellschaftlich-politischen Veränderungen bezogenen Ausländer-, Integrations- und Bildungspolitik (zur Geschichte auch vor 1945 vgl. Kap. 3 in: Gogolin/ Krüger-Potratz 2006).
Auslöser für die Herausbildung einer Spezialisierung, die sich mit den Folgen der Arbeitsmigration insbesondere in den Praxisfeldern Schule und Sozialarbeit auseinandersetzte, waren politische und gesellschaftliche Veränderungen, die eine neue Ausländer- und Integrationspolitik erforderten, so z.B. die in den Verträgen der Europäischen Gemeinschaften festgelegten Freizügigkeitsregelungen für Arbeitskräfte oder die durch internationale Konventionen und Vereinbarungen gesetzten Standards, wie z.B. durch die Menschrechtskonvention von 1948 oder die Kinderrechtskonvention von 1989. Zugleich hat sich die Migration nach dem Zweiten Weltkrieg quantitativ und qualitativ verändert.
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