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Portugiesische Migrationen. Beiträge zur Regional- und Migrationsforschung - Geschichte, Repräsentation und Erinnerungskulturen
V Emigration und Erinnerung (S. 245-246)
Migrationen, Erinnerungskulturen, Museen: Das ‚Museum der Emigration und der Gemeinschaften‘ in Fafe
Miguel Monteiro
1 Wer sind wir?
Das ‚Museum der Emigration und der Gemeinschaften’ ist eine am 12. Juli 2001 gegründete Plattform für Information und Dynamisierung von Forschungsaktivitäten, die als vorrangige Zielgruppe Migranten, deren Nachkommen und deren Vereinigungen anspricht. Ziel ist die Erforschung der portugiesischen Emigration von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Bei der Erforschung und Aufarbeitung der Inhalte für das Publikum gilt ein besonderes Augenmerk der Emigration nach Brasilien im 19. Jahrhundert (bis etwa 1920) und der Emigration in europäische Länder während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Bereits die Tatsache, dass die geographische Mobilität ein strukturelles Phänomen der portugiesischen Gesellschaft darstellt (Godinho 1978), rechtfertigt die Existenz eines Emigrationsmuseums. Abgesehen von der kolonialen Migration zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert sind in der Zeit von 1855 bis 1914 1.296.268 Portugiesen ausgewandert. Allein die kleine nordportugiesische Stadt Fafe zählte zwischen 1834 und 1926 8.722 Auswanderer. 1970 sind rund 135.000 Portugiesen nach Frankreich emigriert, die Portugiesen waren in jenem Jahrzehnt mit geschätzten 860.000 Personen die stärkste ausländische Gemeinschaft in Frankreich.
Im Jahr 2000 lebten 4.806.353 Portugiesen auf allen fünf Kontinenten. Neben dieser historischen Emigration findet auch die in jüngster Zeit zunehmende Immigration in Portugal ihren Niederschlag in der Museumsarbeit (Monteiro 2000). Das Museum versucht, die Spuren, die die portugiesische Emigration sowohl in Portugal als auch in den Zielländern hinterlassen hat, sichtbar zu machen. Dabei spielen der Kulturkontakt und die Prozesse sozialer Transformation eine zentrale Rolle.
2 Das Museumskonzept
Das ‚Museum der Emigration und der Gemeinschaften’ stellt das Phänomen der Migrationen und ihre Repräsentationen in zwei Achsen dar: Auswanderung und Rückkehr. Die wissenschaftliche Aufarbeitung kann für die Dokumentation auf öffentliche und private Archive zurückgreifen, die Unterlagen zur portugiesischen Migration besitzen. Insbesondere Stadt- und Distriktarchive, aber auch Staatsarchive werden dafür genutzt. Die Daten werden in einer Datenbank zur Identifizierung der über alle Welt verstreuten portugiesischen Emigranten erfasst.
Auf diese Weise kann die Rekonstruktion von Lebensgeschichten in ihrem gesamten Prozess vollzogen und der Beitrag der Auswanderer zur Transformation des Auswanderungs- bzw. des Rückkehrorts in verschiedenen Bereichen untersucht werden. Neben diesen Beständen gelangen durch Schenkungen oder Leihgaben von Emigranten oder ihrer Nachkommen Dokumente und Gegenstände ins Museum und werden dort archiviert und in die Arbeit einbezogen.
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