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Prolog: Perry Rhodan (?) (S. 4-5)
Bin ich tatsächlich Perry Rhodan?
Der Terraner?
Habe ich all die kosmischen Wunder gesehen, ehe mich das Netz gefangen genommen hat? Mich – und all die Personen in MIKRU-JON?
Oder schwappt nicht vielmehr die Erinnerung eines anderen über mich? Das erscheint mir so viel logischer. Denn warum sollte ausgerechnet ich all das erlebt haben? Ich fühle mich gar nicht so. Nicht so ... bedeutend. Nicht so, als könnte ich durch meine Entscheidungen ganze Welten und Galaxien bewegen. Nicht so, als stünde ich immer wieder im Zentrum kosmischer Entwicklungen.
Ein Kichern quält sich aus meinem Mund und weht davon. Es treibt wie ein Schleier durch die Zentrale des Schiffs und fängt sich am Konzept Lloyd/Tschubai. Ob dieses Wesen wohl weiß, wer ich wirklich bin?
Egal, es spielt keine Rolle. Ich bin niemand.
Niemand. Schon wieder dieses Kichern, das diesmal als bunte Seifenblase durch die Luft hüpft. Vielleicht bin ich ja sogar – Clun’stal Niemand? Aber ... heißt der nicht mittlerweile anders? Selbst dieser Niemand ist ein Jemand geworden.
Clun’stal Jemand ...
... und ich? Bin ich weniger als ein Niemand, der ein Jemand wurde? Wurde ich vielleicht zum Ausgleich dafür von einem Jemand zu einem Niemand? Bei dem Gedanken muss ich laut lachen. Die Töne springen in regenbogenfarbenen Funken durch die Zentrale des Raumschiffs. Alles ist so lächerlich. So unwirklich.
Und doch so schön. So real. So real wie ein Ausbruch von Psi-Materie eben ist, der das Innere einer riesigen, künstlich geschaffenen Hohlkugel durchzuckt, sich über ein möglicherweise lebendiges Raumschiff stülpt und die Bewusstseine der Besatzung durcheinanderschüttelt. Willkommen in meiner Welt. Wenn ich das erlebt habe, habe ich vielleicht auch all das andere erlebt. Die Superintelligenzen. Den Gang durch ein Kosmonukleotid. Den Aufenthalt in einem Thoregon. Die Verhandlungen mit Kosmokraten. Die Geburten meiner Kinder. Über Jahrtausende hinweg immer wieder den Tod meiner Frauen. All das ist so nah, als wäre es tatsächlich Wirklichkeit. Namen durchzucken mich, so wie Psi-Materie jenes Wunder rund um uns durchzuckt. Namen, mit denen ich Gesichter, Emotionen, Gedanken verbinde: Thomas. Kantiran. Eirene. Michael/Roi. Suzan Betty. Delorian ... Delorian? Welten öffnen sich vor mir, in meinem Geist. Nein, dies können nicht die Erinnerungen eines anderen sein. Sie stehen mir viel zu nahe, wecken viel zu viele Empfi ndungen. Da sind noch weitere Namen, sie ...
Um mich dreht sich alles, ich taumle und kippe in Zeitlupe rückwärts. Dabei kommt eine absonderliche Gestalt in mein Blickfeld: ein spindeldürrer Humanoide mit kugelrundem Kopf und seltsam unfertigen Sinnesorganen. Das Verwunderliche daran ist, dass dieser Humanoide aus weißen Kristallen besteht, die momentan rotieren, sodass der Körper in ständiger Bewegung begriffen ist. Also bin ich nicht Clun’stal Niemand-Jemand, denn wie könnte ich sonst auf seinen Körper blicken?
Ich schaue an mir hinab. Fleisch und Blut. Keine Kristalle.
Sehr gut. Ich lebe auf woh
ltuend biologische Art. Nicht wie Clun’stal, nicht wie Lloyd/ Tschubai, nicht wie MIKRU-JON. Da stellt sich die Frage, ob sie die Exoten sind oder ich. Wir sind so verschieden wie das Universum.
Ein Laut vermischt sich mit meinem Kichern, ein dumpfes Brummen, das einen Buchstaben intoniert: »Aaaa.« Immer nur dieser eine, ewig in die Länge gezogene Vokal, bis endlich eine Variation eintritt und die Zunge, die diesen Laut spricht, eine Winzigkeit im Mund wandert: »Oooo.« Dann gleitet sie zum »Uuuu.« Endlich reißt diese Ewigkeit ab und die Zeit läuft wieder normal. Nun höre ich:
»...sbruch der Psi-Energie beendet.«
So schön das ist, es bedeutet auch, dass die Raumzeit sich wieder stabilisiert. Der Sturz meines Körpers fi ndet nun nicht mehr in Zeitlupe statt. Ich schlage hart auf dem Boden auf, ohne mich abfangen zu können. Der Schmerz macht mir eines klar: Ich bin tatsächlich Perry Rhodan. Und ich stecke mal wieder bis über beide Ohren in Schwierigkeiten.
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