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Der letzte Beweis

von: Scott Turow

Blessing, 2010

ISBN: 9783641048211 , 576 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 9,99 EUR

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Der letzte Beweis


 

"III. (S. 163-164)

KAPITEL 23


Nat, 22. Juni 2009 


Nennen Sie bitte Ihren vollständigen Namen und buchstabieren Sie Ihren Nachnamen fürs Protokoll.« Sandy Stern räuspert sich auf seinem Platz am Walnussholztisch der Verteidigung. Er hat sich angewöhnt, das reflexartig zu tun, ehe er spricht und auch danach, ein schleimiges kleines Rasseln, das sich nie richtig normal anhört. »Rozat K. Sabich. S, A, B, I, C, H.« »Nennt man Sie auch anders?« »Rusty.« Mein Vater in seinem gebügelten blauen Anzug bewahrt im Zeugenstand Haltung und ein gelassenes Auftreten.

Ich an seiner Stelle wäre mit den Nerven am Ende, aber in den letzten Monaten hat mein Dad die abgehobene Aura eines Mystikers angenommen. Die meiste Zeit scheint er den Glauben an Ursache und Wirkung verloren zu haben. Dinge passieren einfach. Basta. »Und dürfen wir Sie Rusty nennen?«, fragt Stern, wobei er elegant den Handrücken hebt, als wäre das vielleicht zu aufdringlich. Nachdem mein Vater die Frage bejaht hat, bittet Stern ihn, den Geschworenen zu erklären, was sein Beruf ist. »Ich wurde letztes Jahr im November ins Oberste Bundesstaatsgericht gewählt, aber ich habe den Amtseid noch nicht abgelegt.« »Und warum nicht, Sir?«

»Weil diese Anklage gegen mich erhoben wurde und ich es allen Beteiligten gegenüber fairer fand, den Ausgang dieses Verfahrens abzuwarten. Bis dahin bin ich nach wie vor leitender Richter am Berufungsgericht des dritten Bezirks hier in Kindle County, habe mich aber beurlauben lassen.« Stern verdeutlicht, dass sowohl das Oberste Gericht als auch das Berufungsgericht sogenannte Revisionsgerichte sind, also über Berufungen entscheiden. »Würden Sie uns bitte erklären, was es heißt, Richter an einem Revisionsgericht zu sein?«

Mein Dad erläutert die Pflichten des Amtes. Auf der anderen Seite des Saales erhebt sich Tommy Molto, um Einspruch zu erheben, als mein Dad darlegt, dass eine Berufung in einem Strafrechtsprozess den Richtern normalerweise nicht das Recht einräumt, die Sachentscheidung der Geschworenen aufzuheben. Richter Basil Yee denkt offensichtlich über das Problem nach und wiegt seinen grauen Kopf hin und her. Er kommt aus Ware, im Süden des Staates, und wurde vom Obersten Gericht speziell für diesen Fall berufen, nachdem sich sämtliche Richter am Kammergericht von Kindle County, dessen Entscheidungen mein Vater über ein Jahrzehnt lang routinemäßig geprüft hat, wegen Befangenheit kollektiv geweigert haben, den Vorsitz über die Verhandlung zu übernehmen.

Er ist Einwanderer aus Taiwan, der mit elf Jahren nach Ware kam, ein Städtchen mit höchstens zehntausend Einwohnern, wo seine Eltern das einzige Chinarestaurant übernahmen. Richter Yee schreibt fehlerfreies Englisch, aber wenn er spricht, hört man, dass es nicht seine Muttersprache ist. Das liegt zum einen an dem starken Akzent mit den asiatischen Tonsprüngen, zum anderen an seiner Neigung, das Bindegewebe der Sprache zu vernachlässigen - Artikel, Präpositionen, Zustandsverben. Seine eigene Gerichtsschreiberin ist nicht mit in den Norden gekommen, und Jenny Tildens ständige lästige Unterbrechungen, um den Richter zu bitten, er möge das gerade Gesagte buchstabieren, haben ihn noch wortkarger gemacht, als er ohnehin schon ist."