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Der Gedankenleser

von: Jürgen Domian

Heyne, 2010

ISBN: 9783641048327 , 304 Seiten

Format: ePUB, OL

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones Online-Lesen für: Windows PC,Mac OSX,Linux

Preis: 8,99 EUR

Exemplaranzahl:


  • Blau wie das Glück - Roman
    September. Fata Morgana - Roman
    Grün wie die Hoffnung - Roman
    Rot wie die Liebe - Roman
    Nachtflamme - Roman
    Wintermörder - Roman
    Die Goldspinnerin - Historischer Roman
    Julia - Roman
  • Die Stille nach dem Gesang - Roman
    Das taube Herz - Roman
    Die Blutlinie - 1. Fall für Smoky Barrett - Thriller
    Sommersehnsucht - Roman

     

     

     

     

     

 

Mehr zum Inhalt

Der Gedankenleser


 

"11 (S. 72-73)

Mein erster Tag in der Redaktion war die Hölle. In vielerlei Hinsicht. In den Wochen nach meinem Unfall hatte ich mich völlig aus der Welt der Nachrichten verabschiedet. Ich wusste zwar grob, was auf den Kontinenten passiert war, aber damit hörte es auch schon auf. Und so saß ich während unserer Neun-Uhr-Konferenz schweigend am Tisch und verspürte ein ähnliches Gefühl wie früher in der Schule, wenn ich meine Hausaufgaben nicht gemacht hatte.

Der Vergleich hinkt etwas, da mir ja keine Arbeit nach Hause geschickt worden war, die es zu erledigen gegolten hätte. Aber zum Selbstverständnis eines jeden Journalisten gehört, dass er auch während des Urlaubs oder einer Erkrankung die Zeitung liest, politische Sendungen im Fernsehen oder im Radio verfolgt, sich schlichtweg auf dem Laufenden hält. Genau das jedoch hatte ich nicht getan, und so saß ich angespannt in der Runde und hatte Angst wie ein Pennäler, dass mein Versäumnis auffliegen könnte. Zwar bemühte ich mich um eine wissende und professionelle Mimik, aber ich war mir keinesfalls sicher, ob meine Tarnung ausreichen würde. Ich hatte zudem keine Ahnung, worüber die Kollegen so engagiert debattierten - und im Grunde war es mir auch egal.

Es ging um einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss, um irgendwelche Äußerungen des Außenministers während einer Asienreise, die siebenhundertfünfzigste EU-Krise, um einen Geheimdienstskandal und die gestiegenen Milchpreise. Wie fern mir das alles lag und mit wie viel Widerwillen ich zuhörte! Gleichzeitig überkam mich Panik, denn ich würde ja nun so schnell wie möglich all meine Wissenslücken auffüllen müssen, um wieder normal arbeiten zu können. Aber dazu fehlte mir jeglicher Antrieb. Meine berufsbedingte Neugierde war fast auf den Nullpunkt gesunken.

Wie sollte ich das alles schaffen? Neben dieser Angst, meiner grundsätzlichen Unsicherheit und dem Missbehagen, überhaupt wieder im Büro sein zu müssen, war ich einem ständigen Bombardement von Gedanken oder Gedankenfetzen ausgesetzt, sowohl während der Konferenz als auch in den darauffolgenden Arbeitsstunden. Ich hatte das Gefühl, verrückt zu werden. So viele Informationen musste ich verarbeiten, so viel Fremdes und Absonderliches bekam ich zu hören.

Dabei galt es, akribisch aufzupassen, denn ich durfte ja nur auf das wirklich Gesprochene reagieren, niemals auf das, was ich über die Stimme wahrnahm. Den ganzen Tag lang versuchte ich, meinen Kollegen auszuweichen und sie auf Abstand zu halten, was aber in der Betriebsamkeit des Großraumbüros unserer Redaktion kaum möglich war. Schon an diesem ersten Arbeitstag brach eine weitere Welt für mich zusammen. Ich hörte Gedanken von meinen beiden besten Kollegen, die mich fassungslos machten. Isabelle und Lars kannte ich schon über zehn Jahre. Isabelle war eine unserer Redaktionssekretärinnen, und Lars arbeitete wie ich als Redakteur."