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"10 Die Kunst der Ermutigung (S. 237-238)
Nichts kann den Menschen mehr stärken als das Vertrauen, das man ihm entgegenbringt.
– Friedrich Nietzsche
Die Vorsilbe er- weist im Deutschen auf eine Bewegung zu sich heran, auf die Ergreifung eines Besitzes hin. Somit bedeutet Ermutigung, dass man den Mut heranzieht, dass man ihn ergreift und ihn sich zum Besitz macht. Das gilt sowohl für sich selbst (Selbstermutigung) wie auch für andere Menschen, die man ermutigt (Fremdermutigung).
Durch Ermutigung verhilft man sich oder anderen zum Mutigsein. Wenn der Mut, wie wir festgestellt haben, in vielen verschiedenen Lebenssituationen eine positive Entwicklung ermöglicht, dann kann durch Ermutigung ein bedeutsamer Anstoß zur eigenen Lebensbewältigung und derjenigen anderer Menschen geleistet werden. Ganz besonders wichtig ist die Ermutigung bei jungen, heranwachsenden Menschen, deren Entwicklung noch recht offen ist, sowie bei Menschen, die sich in ihrer Entwicklung verirrt haben und nicht mehr weiterwissen. Wir widmen uns hier deshalb hauptsächlich der Ermutigung in der Erziehung sowie in der Psychotherapie und Beratung.
Ermutigung und Entmutigung
Ermutigung macht «den Schwachen stärker, den Kranken gesünder, den Zweifelnden sicherer, den Ängstlichen mutiger» (Schoenmaker, Mut tut gut, 9). So wie sich der Mut ursprünglich vor allem auf die Tapferkeit im Krieg und im Kampf bezog, so war die Ermutigung früher besonders wichtig, um die Truppen auf die Schlacht vorzubereiten und ihre Kampfmoral zu heben.
Berühmte Ermutigungsreden Eine der bekanntesten militärischen Ermutigungsreden findet sich in Shakespeares Stück Heinrich V., die der junge König im Jahre 1415 bei der Schlacht von Azincourt vor seinen Truppen hält («Den Atem hemmt, spannt alle Lebensgeister / Zur Vollen Höh! – Auf, Englische, von Adel!»). Eine einzige Ermutigungsrede stellt auch das spirituelle Gedicht Bhagavad Gita dar, eine der wichtigsten Schriften des Hinduismus."
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