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Die (Psycho-)Logik des Entscheidens - Fallstricke, Strategien und Techniken im Umgang mit schwierigen Situationen
"2 Entscheiden mit Herz und Verstand (S. 25-26)
2.1 Psychologik und was sie bedeutet
Psychologik mag in seiner semantischen Begri^ichkeit auf das erste Hinsehen ein Widerspruch in sich sein. Denn die zweite Häle des Wortes assoziiert Rationalität, Analytik, mathematische Präzision, zwingendes und kaum wider- legbares Argumentieren. Die andere Häle impliziert aus Beobachtung gewon- nene Aussagen, Modelle und Yeorien, die auf Wahrscheinlichkeiten bezogen sind und die Vielfalt und die Unberechenbarkeit der Vorhersagen beinhalten.
Hier eine Wissenscha, die mathematischen Ableitungen und den Gesetzen der klassischen Logik folgt. Dort eine Wissenscha, die ihre Grundlagen in der Interpretation von Beobachtungen und der Diskussion phänomenaler Ereignisse $ndet. So wie aber die zwingende Argumentation der Logik nachvollziehbar ist, ist auch die hohe Variabilität und Abhängigkeit des individuellen Verhaltens von Kontextbedingungen und persönlichen Voraussetzungen (psycho)logisch nachvollzieh- und erklärbar. Selbst irrationales und deviantes Verhalten ist unter der Prämisse, dass alles Verhalten aus den unterschiedlichsten Lernerfahrungen, Wahrnehmungen, inneren Bildern, Motiven und aus der Macht des Unbewussten resultiert, logisch und im Nachhinein begründbar.
Das Problem dieser verhal- tensbedingenden Human Factors sind jedoch ihre Vielfalt, ihre stark reduzierte Zugänglichkeit durch Beobachtung, Testverfahren oder anderen Diagnostika und ihre ausgesprochen hohe Komplexität und Vernetzung, deren Wirkbahnen nur mit großer Fehlervarianz berechnet oder prognostiziert werden können. So mögen etwa den Einen Gegenargumente in einer Projektbesprechung in tiefste Selbstwertzweifel stürzen, einen Anderen dagegen zum Perspektivwechsel motivieren und einen Dritten schlicht nur zur Präzisierung der eigenen Argumenta- tion anregen. Human Factors sind letztendlich verhaltensmoderierende Gründe und determinieren den jeweils individuellen Denk- und Handlungsstil sowie die allgegenwärtige Fehleranfälligkeit.
Die Akutmedizin z. B. zeigt trotz ihrer hohen Reguliertheit und Standardisierung, dass Fehler und Krisen in der Natur des Menschen liegen und durch professionelles Handeln, zwar eingrenzbar, letztend- lich aber unausweichlich sind (vgl. St. Pierre, Ho$nger & Buerschaper, 2005). Im Gegensatz zu einer rationalen Analyse der Entscheidungssituation zwingen daher die Human Factors zu einer ganzheitlichen und vernetzten Sichtweise der moti- vationalen und emotionalen Leistungen und Begrenzungen des menschlichen Handelns im Kontext mit den situativen Anforderungen (vgl. Badke-Schaub, Ho$nger & Lauche, 2008).
Individuelles Entscheidungsverhalten ist psychologisch gesehen immer folgerich- tig. Der gordische Knoten der Nachvollziehbarkeit liegt in der außerordentlich hohen Komplexität der Begründungszusammenhänge und der überaus kom- plexen Gehirnaktivität. Zur gleichen Zeit befeuern Millionen von Neuronen in den unterschiedlichsten Gehirnarealen unbewusst wirkende Reizmuster, die in ihrer Gesamtheit in Entscheidungssituationen ins Bewusstsein drängen und das spezi$sche Denken, Fühlen und Verhalten der handelnden Personen bedingen. In manchen Fällen ist Verhalten auf einfache Strickmuster und «Wahrheiten» begründet in anderen wiederum facettenreicher und mit mehreren Optionen versehen. Um diese Bandbreite des menschlichen Verhaltens zunächst verstehen, gegebenenfalls beein
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