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26 (S. 215-216)
Um vier Uhr früh, zwei Tage, nachdem er mit der Überwachung von Kevin Drummonds Mietshaus begonnen hatte, verließ Eric Stahl seinen Lieferwagen und schlich sich auf die Rückseite des Gebäudes. Die Nacht war düster, gepeitscht von flüchtigen, schneidenden Windstößen aus dem Osten. Der Neonschein im Norden – der Schein Hollywoods – lag unter einem Schleier.
In Drummonds Block war bereits seit einiger Zeit alles ruhig. Fast zwei Stunden blieben noch bis zum Sonnenaufgang. Stahl hatte lange darüber nachgedacht, bevor er beschloss, dass es das Richtige war. Seit beinahe fünfzig Stunden hatte er nichts anderes getan, als dazusitzen und nachzudenken. Er hatte über das Mobiltelefon dreimal mit Connor gesprochen. Sie hatte nichts in Erfahrung gebracht. Während der fünfzig Stunden hatte Stahl viele Leute kommen und gehen sehen, einschließlich eines Hundeprüglers, den er gern bestraft hätte, eines verschlagen dreinblickenden Typen, der ein Auge auf einen fast neuwertigen, einen halben Block entfernt abgestellten Toyota geworfen hatte – den hätte er gemeldet, aber der Kerl überlegte es sich noch mal anders und ging –, und ein paar verstohlene Rendezvous zwischen Drogendealern und ihren Kunden.
Der Dealer, der am meisten zu tun hatte, wohnte in dem Haus nördlich von Drummonds Haus. Stahl notierte seine Adresse für eine spätere Meldung beim Rauschgiftdezernat. Ein anonymer Tipp; das wäre am einfachsten. Die meisten Nachbarn Drummonds schienen gesetzestreue Latinos zu sein. Ruhig. Das letzte Fahrzeug, das vorbeigebraust war, war ein gelbes Taxi gewesen, vor zwölf Minuten.
Stahl zog den Reißverschluss seines schwarzen Anoraks hoch, verstaute sein Werkzeug in einer Knopftasche seiner schwarzen Cargohose, stieg aus dem Auto, widmete der Straße einen prüfenden Blick, streckte sich, atmete tief durch und rannte auf gut gepolsterten schwarzen Laufschuhen zu dem Haus hinüber. Der Platz zwischen Drummonds Gebäude und seinem südlichen Nachbarn war ein wildes Durcheinander von Unkraut, angenehm weich unter den Füßen. In keinem der Apartments brannte Licht. Während die Stadt schlief… Er ging weiter zur Rückseite, überprüfte die Parkbuchten. Nur zur Sicherheit – er war schon mehrfach dort hinten gewesen. Von dem weißen Honda war nichts zu sehen. Drummonds Platz war leer. Stahl eilte weiter zum Hintereingang des Hauses. Abgeschlossen, einzelnes Sicherheitsschloss. Ein Alarmanlagenhinweis war auf das Holz geklebt, aber Stahl wusste von vorhergegangenen Recherchen, dass die Warnung nicht hielt, was sie versprach. Keine Kabel, kein Konto bei der Alarmanlagenfirma. Er holte sein Werkzeug heraus, zog die kleine, starke Taschenlampe mit dem gebündelten Strahl hervor, inspizierte seine Sammlung von Schlüsseln, starrte den Schlitz in dem Schloss an. Zwei Dietriche sahen viel versprechend aus. Der Erste passte.
Die Army hatte ihm beigebracht, wie man mit Schlössern spielte. Und alle möglichen anderen Fertigkeiten. Diese besonderen Fertigkeiten hatte er nur einmal angewandt. In Riad, wo die Hitze und der Sand beinahe unerträglich waren und die unbarmherzige Sonne seine Netzhaut gebleicht hatte. Trotz all der Hochhäuser und Prestigekäufe, trotz der Verfügbarkeit amerikanischer Nahrungsmittel auf dem Stützpunkt war die Stadt in Stahls Augen nie etwas anderes als ein grässliches Wüstenloch gewesen. Der Auftrag, in Riad ein Schloss zu knacken, war Teil einer größeren Operation gewesen: in das Penthouse eines saudiarabischen Prinzen einzubrechen, der die achtzehnjährige Tochter eines Militärattachés an der US-Botschaft verführt hatte.
Ein mageres, unscheinbar aussehendes blondes Mädchen mit einem niedrigen IQ und einem unterirdischen Selbstbewusstsein. Der gut aussehende, reiche Prinz hatte sie mit seiner angenehmen Stimme und süßen Worten dazu gebracht, ihm in seiner Wohnung Sex auf Anforderung zu gewähren, und sie mit Rauschgift versorgt. Jetzt sträubten sich Federn. Federn der königlichen Familie: Mit einem Mädchen von derart offensichtlicher Minderwertigkeit zu verkehren könnte sich als abträglich für das Image des Prinzen erweisen, aber die Saudis würden auf keinen Fall gegen ihren Goldjungen vorgehen. Die Drecksarbeit blieb immer den Ausländern überlassen.
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