Suchen und Finden

Titel

Autor/Verlag

Inhaltsverzeichnis

Nur eBooks für mein Endgerät anzeigen:

 

Newsletter

Vom Geben und Nehmen - Zur Soziologie der Reziprozität

Vom Geben und Nehmen - Zur Soziologie der Reziprozität

von: Frank Adloff, Steffen Mau

Campus Verlag, 2005

ISBN: 9783593377575, 304 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 20,90 EUR

Ersparnis: 4,00 EUR

  • Das 360°-Feedback: Alle fragen? Alles sehen? Alles sagen?
    Prozessberatung für die Organisation der Zukunft
    Unternehmensbewertung im Venture Capital-Geschäft - Herleitung von Einflussfaktoren und deren empirische Überprüfung in der Praxis
    Zivilgesellschaft - Theorie und politische Praxis
    Teamwork, Teamdiagnose, Teamentwicklung
    Duden: Deutsche Rechtschreibung - kurz gefasst

     

     

     

 

Mehr zum Inhalt

Vom Geben und Nehmen - Zur Soziologie der Reziprozität


 

Exkurs über Treue und Dankbarkeit* (S. 95-96)
Georg Simmel

Die Treue gehört zu jenen allerallgemeinsten Verhaltungsweisen, die für alle Wechselwirkungen unter Menschen, die nicht nur materiell, sondern auch soziologisch verschiedenartigsten, bedeutsam werden können. In Über- und Unterordnungen wie in Gleichstellungen, innerhalb kollektiver Gegnerschaften gegen einen Dritten wie innerhalb kollektiver Freundschaften, in Familien wie dem Staat gegenüber, in der Liebe wie dem Verhältnis zum Berufskreise – in all diesen Gebilden, rein auf ihre soziologische Konstellation hin angesehen, wird die Treue und ihr Gegenteil wichtig, gleichsam als eine soziologische Form zweiter Ordnung, als der Träger der bestehenden und sich konservierenden Beziehungsarten zwischen Elementen; in ihrer Allgemeinheit verhält sie sich gewissermaßen zu den von ihr erhaltenen soziologischen Formen, wie diese sich zu den materiellen Inhalten und Motiven des gesellschaftlichen Daseins verhalten. – Ohne die Erscheinung, die wir Treue nennen, würde die Gesellschaft überhaupt nicht in der tatsächlich gegebenen Weise irgend eine Zeit hindurch existieren können. Die Momente, die ihre Erhaltung tragen: Eigeninteresse der Elemente und Suggestion, Zwang und Idealismus, mechanische Gewohnheit und Pflichtgefühl, Liebe und Trägheit – würden sie vor dem Auseinanderbrechen nicht bewahren können, wenn nicht alle durch das Moment der Treue ergänzt würden; freilich ist Maß und Bedeutung dieses Momentes im einzelnen Fall nicht bestimmbar, weil die Treue, in ihrer praktischen Wirkung, immer ein andres Gefühl ersetzt, von dem kaum je die allerletzte Spur verschwunden sein wird; was diesem, was der Treue zuzuschreiben ist, verschlingt sich zu einem Gesamterfolg, der der quantitativen Analyse widersteht.

Wegen des Ergänzungscharakters, der der Treue zukommt, ist z.B. ein Ausdruck wie: treue Liebe – einigermaßen irreführend. Wenn in einem Verhältnis zwischen Menschen die Liebe fortbesteht – wozu bedarf es dann der Treue? Wenn die Individuen nicht schon im ersten Moment durch die Treue zusammengebunden sind, sondern durch die ganz primäre, genuine Seelendisposition der Liebe – warum musste nach zehn Jahren noch die Treue als Hüterin des Verhältnisses hinzukom men, da doch, nach der Voraussetzung, jene Liebe nach zehn Jahren noch eben dieselbe ist und ganz allein von sich aus dieselbe zusammenbindende Kraft bewähren muss, wie in ihrem ersten Augenblick? Will der Sprachgebrauch die einfach dauernde Liebe als treue Liebe bezeichnen, so ist dagegen natürlich nichts einzuwenden, denn auf Worte kommt es nicht an; wohl aber darauf, dass es einen besonderen seelischen – und soziologischen – Zustand gibt, der die Dauer eines Verhältnisses noch über die Kräfte seines ersten Zustandekommens hinaus bewahrt, der diese Kräfte mit dem gleichen synthetischen Erfolge, wie sie selbst ihn hatten, überlebt und den wir nur Treue nennen können, trotzdem dies Wort noch die ganz andersartige Bedeutung: des Beharrens dieser Kräfte selbst – einschließt. Man könnte die Treue als das Beharrungsvermögen der Seele bezeichnen, welches sie in einer einmal eingeschlagenen Bahn festhält, nachdem der Anstoß, der sie überhaupt in diese Bahn geführt, vorbeigegangen ist. Es versteht sich von selbst, dass ich hier immer nur von der Treue als einer rein seelischen, von innen her wirksamen Verfassung spreche, nicht von einem rein äußeren Verhalten, wie z.B. innerhalb der Ehe der juristische Begriff der Treue überhaupt nichts Positives, sondern nur das Nicht-Stattfinden der Untreue bedeutet.