dummies
 
 

Suchen und Finden

Titel

Autor/Verlag

Inhaltsverzeichnis

Nur ebooks mit Firmenlizenz anzeigen:

 

Die Pestärztin - Historischer Roman

von: Ricarda Jordan

Bastei Lübbe AG, 2010

ISBN: 9783838705002 , 640 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 7,99 EUR

Exemplaranzahl:


Mehr zum Inhalt

Die Pestärztin - Historischer Roman


 

Lucia von Bruckberg   LANDSHUT 1349 (S. 310-311)

1  

Lucia irrte durch die Stadt, das Kind Leona an sich gedrückt. Sie wusste nicht, wie lange sie schon durch die schmalen Straßen von Landshut lief, darunter durch Gassen, die sie nie zuvor gesehen hatte. Ihre Stadt war schließlich das Judenviertel gewesen. Irgendwann fand sie sich am Ufer der Isar wieder, saß auf einer Kaimauer und starrte stundenlang tränenlos auf den Fluss. Was sollte sie anfangen? Wie sollte es weitergehen?

Außer den Kleidern am Leib und dem Kind auf ihrem Arm hatte sie nichts - weniger als damals auf der Flucht aus Mainz. Dabei waren die Juden noch gnädig gewesen. Zumindest nahm Lucia das an. Sie hatte keine Ahnung, welche Strafen die Kirche für eine Christin vorsah, die sich als Jüdin ausgegeben hatte. Wäre es nach den Levins und den Kahlbachs gegangen, hätte man sie an den Pranger gestellt, wenn nicht gar Schlimmeres, doch die Juden in Landshut waren nahezu rechtlos. Wahrscheinlich würde die Obrigkeit eher über sie lachen, als ihnen ein Urteil über eine christliche Frau zuzugestehen. Insofern war man übereingekommen, Lucia einfach gehen zu lassen. Das kam ohnehin einer Verbannung in die Hölle gleich.

Eine mittellose Frau mit einem Kind hatte keine Chance, ihr Geld auf ehrliche Weise zu verdienen. Lucia sah die Gesichter der Hochzeitsgesellschaft noch vor sich, als David die verhängnisvollen Worte in den Raum warf. Die verwirrten Gesichter der Gäste, die verständnislosen Mienen der Männer aus Granada - und das schiere Entsetzen und die Scham in den Augen der Kahlbachs und Levins. Um ein Haar hätte sich Abraham von Kahlbach, Stütze der jüdischen Gemeinde von Landshut, mit einer betrügerischen Christin vermählt!

Und Zacharias Levin, Mitglied im Judenrat, hätte sie ihm zugeführt! Abrahams eigene Verfehlungen waren darüber natürlich vergeben und vergessen. Wahrscheinlich würde man sein Verhalten noch als Gottes Fügung ansehen; ohne Lucias peinlichen Auftritt wäre die Trauung vollzogen worden, bevor David den Betrug entdeckte. Und auch Davids überraschendes Auftauchen zu Leas Hochzeit würde man als Gnade Gottes feiern. Tatsächlich hatte ein Händler aus Landshut ihn zufällig in Venedig getroffen, wo er für ein Genter Handelshaus Tuche gegen Gewürze tauschte. Der Mann hatte ihm von der Rettung seiner Schwester erzählt und ihn dann kurzerhand mitgebracht. Eine Überraschung für Lea...