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Politikberatung in den USA - Der Einfluss von Think Tanks auf die amerikanische Sozialpolitik

Politikberatung in den USA - Der Einfluss von Think Tanks auf die amerikanische Sozialpolitik

von: Martin Gehlen

Campus Verlag, 2005

ISBN: 9783593377285, 384 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 33,50 EUR

Ersparnis: 6,40 EUR

  • Der neue deutsche Kapitalismus
    Verflüssigungen - Wege und Umwege vom Sozialstaat zur Kulturgesellschaft
    Deutschland - eine gespaltene Gesellschaft
    Die Teilhabegesellschaft - Modell eines neuen Wohlfahrtsstaates
    Systemisch-psychodramatische Supervision in der psychosozialen Arbeit - Theoretische Grundlagen und ihre Anwendung
    Die legitime Demokratie - Zur Begründung politischer Ordnung in der Bundesrepublik
    Platinenentwicklung mit TARGET 3001
    Der Staat in der Weltgesellschaft
  • Neuropsychologische Begutachtung
    Gesetzliches Unrecht
    Neuropsychotherapie
    SAT-Spionage für Insider
    20 perfekte Bewerbungen für die Ausbildungsplatzsuche

     

     

     

     

 

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Politikberatung in den USA - Der Einfluss von Think Tanks auf die amerikanische Sozialpolitik


 

6. Die an der Welfare-Reform beteiligten Think Tanks (S. 106-107)

In die Welfare-Debatten zum Family Support Act von 1988 sowie zum Personal Responsibility Act and Work Opportunity Reconciliation Act von 1996 haben sich alle wichtigen innenpolitischen Think Tanks eingeschaltet, mit dem Ziel, auf die Reformen Einfluss zu nehmen. Die Strategien, Reaktionen und Vorgehensweisen der verschiedenen Think Tanks hängen nicht nur zusammen mit den jeweiligen politischen Umständen, wie sie während der bereits dargestellten Welfare-Reformphasen vorlagen. Sie sind auch geprägt von der Geschichte und Entwicklung der Institute, ihrem Selbstverständnis, der Öffentlichkeitsarbeit, den finanziellen Möglichkeiten und der Personalstärke. Dieses Hintergrundwissen über die beteiligten Institute bietet also zusätzliche Aufschlüsse und hilft, die in den späteren Kapiteln aufgezeigte konkrete Think-Tank-Arbeit während der verschiedenen Welfare-Zeitabschnitte besser zu verstehen.

6.1 Brookings Institution

Die Brookings Institution ist der älteste und prominenteste unter den Think Tanks, die sich an den Welfare-Debatten beteiligten. Im Unterschied zu jüngeren Einrichtungen ist die Geschichte des Instituts sehr gut dokumentiert, unter anderem durch zwei umfangreiche Festschriften zum 50. und 75. Jahr des Bestehens. Darüber hinaus existieren verschiedene Monographien, zahllose Zeitschriftenaufsätze und Zeitungsartikel.

Das Institut in seiner heutigen Form war das Ergebnis einer 1927 erfolgten Verschmelzung dreier Vorläufereinrichtungen, des Institute for Government Research, des Institute of Economics und der Robert Brookings Graduate School of Economics and Government. Das Institute for Government Research wurde 1916 von wohlhabenden Geschäftsleuten und Sozialreformern, darunter dem Kaufmann Robert S. Brookings aus St. Louis, aus der Taufe gehoben mit dem Ziel, mehr Effizienz und Wirtschaftlichkeit in die Arbeit der Bundesregierung zu bringen sowie mehr Professionalität in die Verwaltung. Brookings war ein Mann des Progressiven Zeitalters, der überzeugt war, von Ökonomen und Sozialexperten entwickelte wissenschaftliche Techniken könnten helfen, Korruption, Inkompetenz und den Missbrauch öffentlicher Mittel einzudämmen.

Das Institut beschäftigte am Anfang sechs Mitarbeiter, die sich – wie heute Unternehmensberater – systematisch mit den Arbeitsweisen jeder einzelnen Regierungseinrichtung und Bundesbehörde auseinanderzusetzen begannen. Der wohl wichtigste Erfolg war 1921 die Verabschiedung des Budget and Accounting Act, der die Administration in Washington D.C. erstmals ermächtigte, einen nationalen Haushalt aufzustellen und auf diese Weise einen Überblick zu behalten über die Gesamtausgaben des Bundes sowie diese seriös zu planen. Bis dahin hatte sich das Haushaltsgeschehen in chaotischem Gefeilsche zahlloser konkurrierender Kongresskomitees erschöpft. Der Kongress bewilligte die einzelnen Haushaltsanträge aus den Ministerien oder Bundesbehörden ohne Blick auf das Ganze – mit der Folge, dass es keinerlei Etatkontrolle gab und viel Geld zum Fenster hinausgeworfen wurde.

Brookings, 1850 in Maryland geboren, war Autodidakt und hatte als relativ junger Mann bereits ein beachtliches Firmenimperium aufgebaut. Mit 46 Jahren nahm er Abschied vom Geschäft, um sich fortan gemeinnützigen Aufgaben zuzuwenden. Unermüdlich warb er Gelder ein für sein neues Institute for Government Research in der Überzeugung, dass die Regierung befähigt werden müsse, eine aktivere und sachkundigere Wirtschaftspolitik zu treiben. »It is self-evident that the modern economic system has many defects, many sources of waste and friction, and that the annual avoidable economic losses are stupendous in amount«, schrieb er.