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E-Empowerment – Vielfalt und Integration frauenpolitischer Aktivitäten im Internet Gabriele Winker (S. 21-22)
Bereits ein unsystematischer erster Blick ins Internet zeigt eine große Vielfalt frauenpolitischer Aktivitäten. Berufsverbände von und für Frauen verweisen auf die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen oder in technisch-naturwissenschaftlichen Erwerbsfeldern und veröffentlichen Hintergrundmaterial zur geschlechtshierarchischen Arbeitsteilung. Stellungnahmen aus Genderperspektiven zu aktuell politischen Fragen wie den Hartz-Gesetzen oder Veränderungen in der Kranken- und Rentenversicherung finden sich auf den Websites von Gleichstellungsbeauftragten und den Frauenorganisationen von Parteien. In unterschiedlichen Foren tauschen sich Frauen mit minderjährigen Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen über ihre breite Aufgabenpalette in der unbezahlten Haus- und Sorgearbeit aus und reflektieren über den alltäglichen Spagat zwischen Beruf und Familie. In virtuellen Selbsthilfeorganisationen finden Frauen in schwierigen Lebenslagen, beispielsweise mit einer spezifischen Krankheit oder mit Gewalt- Erfahrungen, Austauschmöglichkeiten und konkrete Hilfen. Cyberfeministinnen dekonstruieren mit Ironie, Witz und Subversivität die soziale Kategorie Frau und experimentieren auf vielfältige Weise mit neuen Identitäten. Diese und viele weitere Mosaiksteine sprechen für ein breites haupt- und ehrenamtliches Engagement unterschiedlichster Frauen im Internet, die oft auch außerhalb des Internets in losen Netzwerken oder festen Organisationen tätig sind. Ihre Aktivitäten im Netz widersprechen damit den in den hegemonialen Massenmedien gerne publizierten Berichten, in denen die Frauenbewegung für tot erklärt wird.
In der Tat ist diese vorfindbare Vielfalt nicht selbstverständlich, stehen doch frauenpolitische Akteurinnen seit der letzten Dekade des 20. Jahrhunderts verstärkt unter Rechtfertigungsdruck. Während in den 70er Jahren die Diskriminierung von Frauen als Gesamtheit unter den Aktivistinnen noch unbestritten war und es nur um die Frage der richtigen politischen Emanzipationsstrategie – Gleichheitsfeminismus versus Differenzfeminismus – ging, verschob sich ab Mitte der 80er Jahre der Fokus in Theorie und Praxis auf die Berücksichtigung von Differenzen zwischen Frauen. Die damit einhergehende Forderung, neben dem Geschlecht weitere Differenzierungsdimensionen wie Klasse, Ethnizität und sexuelle Orientierung einzubeziehen, führte zwar zu wichtigen neuen Einsichten, erschwerte jedoch die Begründung und Realisierung frauenpolitischer Aktivitäten. Seit Mitte der 90er Jahre gewinnt unter dem Einfluss postmoderner Theorien sowie im Zuge der Rezeption des Werkes von Judith Butler (1991) eine skeptische Haltung gegenüber Gruppenidentitäten und kulturellen Differenzen, die als repressiv und Ausschluss erzeugend gesehen werden, an Bedeutung. Begründet wird diese anti-essentialistische Sicht mit einer weitgehenden Differenzierung der Lebensbedingungen und Identitäten von Frauen.
Sicherlich haben postmoderne und poststrukturalistische Ansätze wichtige Erkenntnisse zur Konstruktion von Identitäten und Differenzen hervorgebracht; allerdings ist es auf dieser Grundlage schwierig, soziale Ungleichheiten und politökonomische Grundlagen von Geschlechterarrangements aufzudecken. So besteht die Gefahr, durch Angst vor unzulässiger Gruppenbildung strukturelle Gemeinsamkeiten von Unterdrückungserfahrungen zu vernachlässigen. Mit Fraser ist aber davon auszugehen, »dass Gerechtigkeit heute sowohl Umverteilung als auch Anerkennung erfordert« (Fraser 2001: 24). Frauen sind danach sowohl von kultureller als auch ökonomischer Ungerechtigkeit betroffen.
Gerade in Zeiten des informationellen Kapitalismus (Castells 2001) fallen postmoderne Ansätze auf fruchtbaren Boden, da sich überkommene Strukturen der Geschlechterverhältnisse aufzulösen scheinen: Immer mehr Frauen werden in den Arbeitsmarkt integriert, das Bildungsniveau hat sich zwischen jungen Frauen und Männern weitgehend angeglichen, die Pluralisierung von Lebensstilen nimmt zu, und junge Frauen setzen die Existenz von Gleichberechtigung als selbstverständlich voraus. Frauenprojekten, die ihre Aufgabe in der Unterstützung von sozial benachteiligten Gruppen sehen, werden im Rahmen einer breiten staatlichen Deregulierung die finanziellen Mittel entzogen, nicht zuletzt mit dem Verweis auf die angeblich erreichte Chancengleichheit. Gleichzeitig finden jedoch verschärfte Diskriminierungsprozesse beispielsweise bei Alleinerziehenden, Wiedereinsteigerinnen, Frauen mit geringen formalen Qualifikationen oder Migrantinnen statt.
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