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Ganzheitlich beraten in der Pflege

Ganzheitlich beraten in der Pflege

von: Gabriele S. Herberger

Schlütersche, 2005

ISBN: 9783899931464, 182 Seiten

2. Auflage

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 15,90 EUR

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    JBoss
    Klamkes gepflegte Welt, Alles wie gehabt
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    Das Dienstverhältnis in der Altenpflege
    Reden Sie mit mir – Ich bin Ihr Patient: Kleiner Kommunikationsratgeber für Pflegende

     

     

     

     

 

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Ganzheitlich beraten in der Pflege


 

7 Die fünf Schritte des gsh®-Kontinuums der dritten Ebene (S. 135-136)

7.1 Ganzheitliche Beratung in der Pflege – ein Bewusstwerdungsprozess

Ganzheitliche Beratung ist eine eigenständige Hilfe-Form im pflegerischen Bereich, die nicht in spezifischen Lehrmeinungen gründet, sondern aus der Krankenpflege heraus gewachsen und implizit schon immer in unterschiedlicher Ausprägung stattfindet. Lange Zeit wurde in den pflegerischen Berufen Helfen mit konkretem Tun, der real eingreifenden sichtbaren Hilfe gleichgesetzt.

Die Verbesserung des Wohlbefindens durch ein einfühlsames Gespräch oder die mentale Anregung bei der gemeinsamen Besprechung der Zielsetzung im Pflegeprozess als Hilfe anzusehen, setzt sich erst in den letzten Jahren durch. Es ist notwendig, das, was der Patient über seine Krankheit denkt und fühlt, in die Pflege- und Therapieplanung mit einzubeziehen. Sollte das nicht der Fall sein, müsste es wie ein Kunstfehler betrachtet werden, weil ohne eine ganzheitliche Betrachtungsweise die Menschenwürde verletzt worden sein könnte. In diesem Kontext lesen sich die Worte von Florence Nightingale aus dem Jahre 1859 sehr fortschrittlich: »Ich maße mir nicht an, Ihnen zu sagen, was sie zu tun haben. Das müssen sie selbst herausfinden, aber dabei möchte ich Ihnen helfen.«

In diesem Zitat ist schon deutlich der Problemlösungsprozess und die Unterstützung bei der Entscheidungsfindung als pflegerische Tätigkeit angesprochen. Wie nah der Pflegeprozess mit Beratung zusammenhängt zeigen die folgenden beiden Definitionen, bei denen man den Begriff »Beratung« durchaus durch »Pflegeprozess « ersetzen könnte:

1. »Beratung ist realitätsorientiert und zielt auf die Lösung spezifischer Probleme, wie sie sich aus einer unglücklichen Situation oder zwischenmenschlichen Schwierigkeiten ergeben können.« (vgl. Aguilera, Messick 1977:50)

2. »Beraten ist als ein Handeln definiert, das auf die Änderung eines – wie auch immer verursachten Zustandes – der Hilfsbedürftigkeit, auf die Bewältigung einer Krise gerichtet ist.« (vgl. Frommann et al. 1976:718)

Studiert man Werke, die sich mit dem Phänomen »Beratung« beschäftigen, so wird die spezifische Beratung in der Pflege nicht erwähnt. Auch wenn der Terminus »helfende Berufe« benutzt wird, geht aus dem Zusammenhang hervor, dass der Pflegeberuf nicht mitgedacht wird. Dies erkläre ich mir damit, dass uns selbst erst in den letzten Jahren immer deutlicher geworden ist, wie oft wir Beratungsgespräche mit den Patienten führen. Vielleicht ist uns auch aufgrund der vorigen Berufsbezeichnung »Krankenschwester/Krankenpfleger« so wenig bewusst, dass wir schon eine Art Gesundheitsberatung durchführen, wenn wir z. B. mit einem Patienten die Ernährungsumstellung besprechen, damit er besser abführen kann. Eine intensive pflegewissenschaftliche Beschäftigung mit der Tätigkeit »Beratung «, bezogen auf die Pflege, ist dringend erforderlich.

Dadurch wird es möglich, ein spezifisches Selbstverständnis der professionellen Beratung in der Pflege weiter zu etablieren. Weiterentwicklung ist möglich, wenn wir die Erkenntnisgrundlage des Bestehenden erforschen und uns klar ist, was wir damit erreichen wollen. Sonst bleibt es so, wie in diesem Zitat deutlich gesagt: »Weil dies (Beratung bei Ernährungsumstellung) von uns selbst nicht als eigenständige Beratungstätigkeit angesehen wird, wird es nicht dokumentiert. Weil es nicht dokumentiert ist, kann es von außen nicht als Krankenpflegetätigkeit erkannt und uns zugeschrieben werden. Vermutlich ist diese teilweise Fehleinschätzung auch eine Ursache für die bekannte Berufsunzufriedenheit.« (Pflege im 21. Jahrhundert: 48–51) Vielleicht entsteht durch die neue Berufsbezeichnung »Gesundheits- und Krankenpfleger/in« seit Januar 2004 auch ein neues Berufsbewusstsein? Wenn in Seminaren zum Thema »Pflegeprozess« klar geworden ist, dass Gespräche ein Kriterium für die »Ganzheitliche Pflege« sind, erlebe ich immer wieder den freudigen Ausruf: »Dann arbeite ich ja viel öfter in der »Ganzheitlichen Pflegequalität «, als ich bisher dachte.«

Dieses Aha-Erlebnis trägt wesentlich zur beruflichen Motivation bei. Beratung ist erst in den letzten Jahren ein Thema für die Pflege geworden – durch die Neuorientierung und Umstrukturierung im Gesundheitssystem. Zunehmend werden Erkenntnisse und Methoden aus dem psychologischen Bereich, besonders der Kommunikationspsychologie, übernommen. Die Grunderkenntnisse der klassischen Therapieformen (Psychoanalyse und Verhaltenstherapie) sowie auch die der Humanistischen Psychologie sind offen oder verdeckt in beraterischen Theorien und Anwendungen wirksam. Beratung wird in der heutigen Gesellschaft immer mehr zu einer sozialen und politischen Aufgabe.

Das hängt einerseits mit der Verlagerung der Bedürfnisse des Einzelnen hin zu mehr Selbstbestimmung zusammen und andererseits damit, dass durch zunehmende Spezialisierung ein erhöhter Informationsbedarf über generelle Zusammenhänge entsteht. Auf diese Zusammenhänge, die in der Krankenpflegeausbildung vermittelt werden, baut die hier in dem Buch beschriebene Zusatzqualifikation auf.