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Der Auftrag - Whodunnit-Reihe, Band 1

von: Andrea Vasel

neobooks Self-Publishing, 2014

ISBN: 9783847627432 , 339 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

Mac OSX,Windows PC geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 2,99 EUR

Exemplaranzahl:


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Der Auftrag - Whodunnit-Reihe, Band 1


 

Kapitel 2


Anne Vauxhall blickte von ihrem PC hoch und sah den Kurier mit ihren leuchtend grünen Augen interessiert an. Dann klemmte sie sich eine Strähne ihrer schulterlangen Locken hinter das rechte Ohr und nickte.

„Ich habe hier einen Brief für Sie“, sagte er und reichte ihr einen Umschlag, auf dem per Computer die Worte Ask Anne standen.

Nachdem Anne die Annahme des Briefes unterschrieben hatte, sah sie den großen, hageren Kurier mit den Sommersprossen irritiert an. Er machte keine Anstalten zu gehen.

„Um Rückantwort wird gebeten“, erklärte er, als er ihren Blick erwiderte. „Ich muss warten, bis Sie den Brief gelesen und mir gesagt haben, ob Sie eine Rückantwort geben möchten.“

„In Ordnung“, sagte Anne und öffnete den Umschlag mit einer Schere.

Sie faltete den Brief auseinander und las:


Sehr geehrte Ask Anne,

ich bin ein großer Bewunderer Ihrer Kolumne. Egal, um welches Problem es sich handelt, Sie nehmen sich dessen an und versuchen immer eine Lösung zu finden. Genau so jemanden brauche ich jetzt. Ich weiß nicht, an wen ich mich sonst wenden soll. Die Polizei kann mir nicht helfen und ein Privatdetektiv ist mir zu riskant. Ich fürchte, dass der Mann, über den ich Sie bitten möchte, etwas herauszufinden, es erfahren könnte. Das wäre mein Todesurteil! Aus diesem Grund muss ich vorerst auch anonym bleiben und Sie bitten, auch nicht herausfinden zu wollen, wer ich bin.

Der Textilhändler James William bedroht mich und meine Existenz! Er ist skrupellos und ich vermute, auch kriminell. Dennoch fehlen mir dafür die Beweise. Ich gebe Ihnen bis morgen Mittag Zeit, mir so viele Informationen wie möglich über ihn zu liefern. Doch Sie dürfen nicht in seinem direkten Umfeld ermitteln. Das wäre zu gefährlich für mich. Wenn Ihre Informationen mir zeigen, dass ich Ihnen trauen kann, und in Ihnen steckt, was ich mir erhoffe, werde ich Sie um ein Treffen bitten. Da ich sichergehen muss, dass mir nichts passieren kann, müssen Sie jedoch etwas Geduld haben, bis es so weit kommt. Wenn Sie meiner Bitte nachkommen und diesen Auftrag annehmen, geben Sie bitte dem Kurier Bescheid, der Ihnen diesen Brief übergeben wird. Ich hoffe sehr auf Ihre Hilfe.

Hochachtungsvoll, Ihr Auftraggeber


Ein merkwürdiges Gefühl beschlich Anne, als sie von dem Brief aufsah. Hatte der Kurier etwa mitgelesen?, überlegte sie, als sie ihn ansah. Doch vermutlich war das nur Einbildung.

„Und?“, fragte er Anne neugierig. „Was sagen Sie?“

„Ich werde Ihnen morgen eine Rückantwort geben“, erklärte Anne.

„Okay, vielen Dank“, sagte er und nickte mit einem Lächeln. „Manche Kunden haben schon komische Forderungen, oder?“

Er lachte.

„Ich bin morgen um 10 Uhr wieder hier. Bin immer pünktlich. Fragen Sie Margie.“

Tom Gallagher hob die Mütze über seinen roten Haaren zum Gruß und schlenderte zum Schreibtisch von Margie Simmons zurück.

„Bis morgen, Margie“, sagte er.

„Bis morgen, Tom“, erwiderte sie und lächelte.


Anne sah auf die Uhr. Sie hatte weniger als 24 Stunden Zeit, um über James William etwas herauszufinden. Zwar hatte sie schon von dem reichen Textilhändler gehört, sich allerdings bislang nicht näher mit ihm befasst. Sofort fielen ihr aber zwei Quellen ein, die ihr in jedem Fall weiterhelfen konnten, mehr Informationen zu erhalten. Die eine erforderte nur einen Anruf. Für die zweite Quelle dagegen waren Zeit und Geduld erforderlich. Zunächst entschied sich Anne für das Telefonat. Nur, wer war passender geeignet?, fragte sie sich. Ein Ermittler der Mordkommission oder ein Drogenfahnder?

Anne entschied sich für Mark Kent, den Inspektor der Mordkommission. Sie holte ihr Mobiltelefon aus der Tasche und suchte nervös nach seiner Büronummer. In ihrem Magen tanzte es, ihr Herz schlug schneller und auch ihre Finger zitterten etwas, als sie Marks Nummer wählte.


Es war keine eineinhalb Jahre her, dass sie jeder Anruf so nervös gemacht hatte. Und sobald sich der Gesprächspartner am anderen Ende gemeldet hatte, waren ihr auf einen Schlag alle englischen Worte entfallen. Ohne Marks Spickzettel mit den wichtigsten Vokabeln wäre ihr damals kein einziges Gespräch gelungen.

Irgendwie vermisste sie die Zettel, dachte sie plötzlich. Mark hatte angefangen, ihr Spickzettel für Telefonate zu schreiben, nachdem er mitbekommen hatte, wie sie bei dem Einzug in ihre Londoner Wohnung wenig erfolgreich Pizza für ihre Umzugshelfer bestellen konnte. Anne war sehr verwundert darüber gewesen, dass Mark ihr so viel dabei helfen wollte, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Aber sie war dankbar gewesen, denn er hatte ihr damit wirklich geholfen. Zumal seine Unterstützung mit den Zetteln auch dazu geführt hatte, dass Theodore „Ted“ Meyer ihr letztes Jahr angeboten hatte, eine gesellschaftskritische Kolumne für den Investigator zu schreiben und nicht mehr nur als Praktikantin für ihn zu arbeiten.

Es tutete in der Leitung. Anne dachte daran, wie sie Mark im Dezember vor eineinhalb Jahren bei einem Essen bei ihrer Patentante Sharon Meyer kennengelernt hatte und wie perplex sie gewesen war, als er ihr erklärt hatte, dass sie sich bereits kannten. Für sie war das ein absolutes Rätsel gewesen. Sie konnte einfach nicht verstehen, wie Mark sich an jemanden erinnern konnte, den er das letzte Mal vor fast einem Vierteljahrhundert gesehen hatte. Schließlich war er damals doch gerade erst sechs Jahre alt gewesen. Anne hatte nur eine Ahnung gehabt, wer der 1,80 Meter große Mann mit den kantigen Gesichtszügen, den igelförmig abstehenden, kurzen dunkelblonden Haaren und den schmalen, ebenfalls kurzen Koteletten war. Doch Mark war nicht der Einzige gewesen, der Anne bereits kannte. Denn es stellte sich heraus, dass Marks Vater der beste Freund ihres Vaters gewesen war. Anne war beeindruckt und überwältigt gewesen, dass die beiden sich nach all den Jahren noch immer an sie erinnern konnten. Das war für Anne eine völlig neue Erfahrung gewesen.

Dank Mark konnte Anne sich inzwischen sogar selbst wieder an so Einiges aus ihrer frühen Kindheit erinnern. Er hatte ihr zahlreiche Geschichten in den letzten eineinhalb Jahren erzählt und ihr viele Erinnerungsstücke, wie Fotos und Familienvideos, geschenkt. Sie hatte Anne Berger hinter sich gelassen und war wieder Anne Vauxhall geworden.


Sie hörte Marks Stimme am anderen Ende der Leitung und ihr Herz klopfte plötzlich noch ein bisschen schneller. Seine Stimme hatte einen brummenden und warmen Klang, obwohl sie sich in diesem Moment sehr autoritär anhörte. Ein sicherlich gewollter Effekt.

„Hallo, hier ist Anne“, sagte sie, nachdem sie geschluckt hatte.

„Oh, hallo, Anne“, antwortete er nun in sehr viel weicherem Ton. „Schön dich zu hören.“

Anne wollte lieber nicht näher darüber nachdenken, dass es ihr nicht anders ging. Sie räusperte sich und trug ihm ihr Anliegen vor.

„Kannst du vielleicht überprüfen, ob ihr James William in eurem System habt?“, bat sie anschließend.

„Du hast aber auch wirklich einen merkwürdigen Beruf“, lachte er am anderen Ende. „Aber klar, ich werde mal sehen, was ich für dich tun kann. Bis dann.“

Anschließend wandte sich Anne ihrer zweiten Quelle zu: den Datenbanken und dem Internet. Die Boulevardpresse lieferte die meisten Informationen über James William und seine Frau Luisa. Er hatte durch den Handel mit edlen und teuren Stoffen ein hohes Vermögen angesammelt, da er die Stoffe an namhafte Designer im In- und Ausland vertrieb. Das Ergebnis war, dass Anne deshalb meistens nur Informationen von Partys und Premieren fand. Häufig wurde da aber nur angegeben, welcher Designer das Kleid entworfen hatte, das James Williams Frau an dem Abend trug. Dazwischen fand Anne eine Randnotiz über eine übertriebene Botoxbehandlung von Luisa William, deren Alter nie hinter dem Namen auf den Fotos erwähnt wurde. Ab und zu gab es auch noch einen Vermerk, dass sie die Gattin des exzentrischen Millionärs James William war. Auf einem der Fotos entdeckte Anne ein Bild von ihm, umgeben von ziemlich gleich aussehenden, dunkelhaarigen und vor allem jüngeren Frauen. James William, 48, wie die Boulevardpresse verriet, hatte kurze schwarze, gegelte Haare. Der Mann war ohne Frage attraktiv. Er hatte eine sportliche Figur, soweit Anne das auf den Aufnahmen beurteilen konnte. Doch wirklich auffallend fand Anne seine schwarzen Augen und das markante Gesicht. Das strahlte neben seinem Charme auch etwas Bedrohliches aus. Die jungen Frauen neben ihm trugen alle Kleider von Designern, für die James William die Stoffe lieferte. Eine gut inszenierte Werbung für beide Seiten, dachte Anne.

Ein anderes Foto zeigte James William mit seiner Frau und einem weiteren Paar. Das Blitzlicht war auf diesem Bild für Luisa William wenig schmeichelhaft. Man sah ihrem Gesicht deutlich die Lifting- und Botoxbehandlungen an. Die dunkelhaarige Frau mit den stark geschminkten Lippen war vor dieser Prozedur vermutlich einmal schön gewesen. Was Anne auf dem Bild jedoch mehr interessierte, war das Paar neben den beiden. Sie hießen Anthony und Laura Miccoli. Er war Besitzer eines geschätzten Feinkostladens in London und sie eine bekannte Designerin. Aus dem Text der Zeitung erfuhr Anne, dass es sich bei den Miccolis um jahrelange Freunde des Paares handelte.

Neugierig tippte Anne den Namen Anthony Miccoli in die Suchmaschine ein. Das Ergebnis ließ sie einen Moment stutzen. Damit hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Sie hätte vielleicht doch lieber Gavin Walsh, den Inspektor der Drogenfahndung, anrufen...