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Freitag, 22. November (S. 204-205)
07:10 Uhr
Sebastian schreckte hoch und griff nach seiner Armbanduhr. Zehn nach sieben.Umacht Uhr sollte er bei Sturm antreten. Hatte er nicht um einenWeckruf um halb sieben gebeten? Er rieb sich die Augen. Und sie hatten doch auch angerufen . . . Richtig. Er musste den Hörer abgenommen haben und sofort wieder eingeschlafen sein.
Er warf die Bettdecke von sich und wollte aus dem Bett springen. Aber schnelle Bewegungen waren an diesem Morgen nicht möglich. Eine unvorsichtige Drehung des Kopfes und er wusste, was los war. Er meinte, sich düster daran zu erinnern, dass er gestern im Bad noch ein Aspirin genommen hatte . . . Es hätten wohl besser zwei sein sollen.
Langsam stand er auf, zog sich T-Shirt und Boxer-Shorts vom Leib und ging in Richtung Badezimmer. Nach drei Schritten stellte er fest, dass er noch immer ein wenig schwankte. Er blieb stehen und sah sich im Zimmer um. Merkwürdig. Die Schranktür stand zwar offen, aber sein Anzug und sein Hemd hingen fein säuberlich auf dem Bügel, und auch die Sachen aus dem Kleidersack waren ordentlich aufgehängt. Es war ihm völlig schleierhaft, wie ihm das gestern noch gelingen konnte.
Im Badezimmer angekommen, brauchte er einige Zeit, um den Lichtschalter zu finden. Er bemühte sich, seinem Anblick im großen Spiegel zu entgehen, und ließ sich erst einmal auf der Toilette nieder. Im Stehen zu pinkeln hätte ihn an diesem Morgen eindeutig überfordert.
Der Kopfschmerz fing am Hinterkopf an und zog sich bis zu den Augäpfeln, dazu pochte es auch noch heftig in den Schläfen. Er schloss die Augen. Was war er doch für ein Idiot. Er hätte gehen sollen, als Brömmighausen zahlen wollte. Aber nein, er musste ihm noch sein Herz ausschütten . . .
Er stand auf und drückte die Spülung. Als er vor dem Spiegel stand, konnte er der Versuchung doch nicht widerstehen und sah hoch. Er sah nicht so schlimm aus, wie er befürchtet hatte. Gut, seine Augen waren rote Striche, die Lider zugequollen. Blass war er natürlich auch, und die Lippen waren schmal und fahl. Die Haare standen in alle Himmelsrichtungen.
Aber mit einer kräftigen kalten Dusche dürfte das schon wieder hinzukriegen sein.Wenn nur dieser Kopf nicht wäre . . .
Aus seinemWaschbeutel nahm er noch zwei Aspirin und löste sie in einem Wasserglas auf. Er starrte auf die sprudelnden Tabletten, bis ihm einfiel, dass er ja gar nicht so viel Zeit hatte. An diesem Morgen zu spät zu Sturm zu kommen, wäre so ziemlich das Dümmste, was er machen konnte. Er trank mit gierigen Schlucken und bereute es sofort, denn sein Magen hüpfte entnervt auf und ab. Er stützte sich auf dasWaschbecken und betete inständig um Besserung. Es dauerte eineWeile, bis es wieder ging.Umständlich kletterte er in die Dusche und drehte den Kaltwasserhahn auf.
Als er aus dem Bad herauskam, ahnte er dumpf, dass er dort viel zu lange herumgetrödelt hatte. Er sah auf seine Uhr.Zwanzig vor acht. Eine Katastrophe.
Fünf Minuten, um sich anzuziehen. Die anderen Sachen musste er hier hängen lassen und vor zwölf noch einmal zurück kommen, um alles abzuholen. Dann konnte er auch zahlen. Das Taxi brauchte zehn Minuten zur Bank. Das könnte so gerade klappen. Wenn er gleich ein Taxi bekam . . . Er griff zum Hörer, wählte die Nummer der Rezeption und bat sie, ihm schon einmal einenWagen zu bestellen. Beim Anziehen musste er heute morgen eine neue Rekordzeit erreichen.
Ich bin doch ein echter Berater, dachte er. Immer vom Wettbewerbsgedanken getrieben. Hatte er Brömmighausen auch davon erzählt?
Er konnte sich nur an einzelne Bilder erinnern, an Gesprächsfetzen. An seine weinerliche Stimme. An Brömmighausens versteinertes Gesicht.
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