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4. Beruf, Karriere, Erfolg (S. 84-85)
»Verlierer und Versager sind selbst schuld, mentale Fitness heißt die Lösung: Weil immer mehr Menschen so denken, haben Persönlichkeits- Coachs immer mehr Klienten. Die Arbeit selbst wird zum Dauerthema des Lebens – nicht nur für Manager«, titelte der Spiegel einen Artikel über die Trainer und Berater, die mehr Erfolg in Beruf und Leben versprechen.
Anfang der 90er Jahre noch waren Trainer in erster Linie auf dem Fußballplatz anzutreffen. Heute dagegen gibt es persönliche Trainer für beinahe jede Lebenslage: Motivationsschwäche, Beziehungsprobleme, Geldsorgen oder Kommunikationsdefizite – die Liste der Angebote ist lang. Rund fünf Millionen Euro geben die Deutschen jährlich für Karriereberatungen, Motivationskurse, Persönlichkeitsseminare und entsprechende Bücher aus. Schließlich hängt der Erfolg im Beruf nicht nur von fachlichen Qualifikationen ab, sondern auch von Ausstrahlung, Kommunikationstalent, Körpersprache, Gestik, Mimik, Stimme, Selbstvertrauen und Image.
Karriereberater
Wozu braucht man überhaupt einen Karriereberater? Früher ging es doch auch ganz gut ohne. »Früher kamen Babys auch ohne Hebamme zur Welt. Trotzdem sind wir heute froh, im Fall eines Falles professionelle Hilfe in Anspruch nehmen zu können«, sagt die Karriereberaterin Annegret Heesen. Außerdem seien heute die Anforderungen im Berufsleben wesentlich komplexer. Gleichzeitig wachse die Menge an Informationen, sodass es für den Einzelnen schwierig wird, den Überblick zu behalten.
Karriereberater betreuen die berufliche Laufbahn ihrer Klienten. Dazu muss zunächst einmal herausgefunden werden, wo der Schuh drückt. »Manche Leute kommen zu mir und klagen über das miese Klima im Büro. Später erfahre ich, dass es an anderen Dingen hängt, zum Beispiel dass der Kunde den Job nur als Notlösung empfindet«, erklärt Heesen. Die Folge ist oft ein starkes, aber diffuses Unwohlsein.
Auch bei der Zielsetzung hapert es: Viele Klienten kommen mit bestenfalls verschwommen formulierten Zielen in die Beratung. »Die können oft nicht mehr sagen als ›Ich möchte erfolgreich sein‹ oder ›Ich möchte mehr Geld verdienen‹.« Solche Wünsche reichten jedoch nicht aus. »Ohne eine konkrete Zielsetzung ist es sehr schwierig, überhaupt etwas zu schaffen, geschweige denn, wirklich erfolgreich zu sein«, so Heesen. Zur persönlichen Zielsetzung gehörten aber auch Zahlen, Daten und Fakten. In einem schriftlichen Plan muss konkret fest gehalten werden, bis wann welches Zwischenziel erreicht sein soll, was noch geklärt, wer noch kontaktiert und welche Information noch beschafft werden muss.
In der Karriereberatung steht die Persönlichkeit des Kunden im Mittelpunkt. Dazu gehört, verdeckte Potenziale zu erkennen und herauszuarbeiten. »Der Kunde muss in der Beratung zu seinen eigenen Wurzeln finden. Ich suche nach positiven Anknüpfungspunkten und motiviere die Leute weiterzudenken. Und zwar nicht immer nur in Problemen, sondern in Lösungen und Alternativen«, so Heesen.
Zum Karriereberater kommen Leute zwischen 18 und 58. Die einen stehen vor der Frage, welche Ausbildung sie machen oder welches Studium sie beginnen sollen. Andere haben jahrelang in derselben Firma gearbeitet und müssen sich nach einer Betriebsschließung um etwas Neues kümmern. Die meisten Kunden allerdings sind zwischen dreißig und fünfzig Jahre alt. »Die fragen sich: War das schon alles? Könnte ich nicht noch etwas anderes machen? Was will ich eigentlich? «, erklärt Heesen. Manche haben auf einmal Führungsverantwortung für ehemalige Kollegen bekommen und sind unsicher, wie sie diese Rolle ausfüllen können.
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