Suchen und Finden
Service
Infos und Kontakt
Islam: Der eine Einzige (S. 158 - 159)
Aisha, die Lieblingsfrau Muhammads, überliefert die folgenden Worte des Propheten:
»Er sagte zu mir: ›Kennst du, Aisha, die Besonderheit dieser Nacht (die fünfzehnte im Fastenmonat Ramadan)?‹ Ich sagte: ›Was ist mit dieser Nacht, Prophet?‹ Er sagte: ›Zum einen, alle Kinder Adams, die in diesem Jahr zur Welt kommen, werden heute aufgezeichnet, zum anderen, alle die darin sterben. Außerdem werden in dieser Nacht alle Taten der Kinder Adams dem Himmel zugetragen und herabgesandt wird alles, was ihnen zusteht!‹ Da sagte ich: ›O Prophet, kommt keiner ins Paradies, außer wenn Allah sich seiner erbarmt?‹ Er sagte: ›Niemand kommt hinein ohne Gunsterweisung Allahs!‹ Das sagte er drei Male. Ich sagte: ›Und du, o Prophet, kommst auch du nur hinein, wenn Allah dir Gunst gewährt?‹ Da legte der Prophet die Hand auf seinen Kopf und sagte: ›Ins Paradies gelange ich nur, wenn mich Allahs Barmherzigkeit bedeckt!‹ Das sagte er drei Male.« Dieses Selbstzeugnis macht mir Muhammad liebenswert. Vergebung suchte und brauchte er wie jeder andere Mensch.
Muhammad sagt: Ich bin nur ein Mensch
Dabei hatte Allah gerade ihn durch ein besonderes Vertrauensverhältnis ausgezeichnet: »Ich bin wie mein Diener von mir denkt. Spricht er von mir, bin ich bei ihm, denkt er an mich, denke ich an ihn. Kommt er zu mir, laufe ich ihm entgegen«, bezeugte ihm der Ewige. Ein großes Wort! Doch bei aller freundschaftlichen Nähe bleibt für Muhammad die Begegnung mit dem Höchsten ein unfassliches, weil unverdientes Wunder. Seinen Muslimen, die den Gesandten schon zu Lebzeiten wie ein Engelswesen verehrten, schärfte er darum immer aufs Neue ein: »Ich bin ein Prophet Allahs, doch was mir geschieht, wenn Allah mich richtet, das weiß auch ich nicht.« Und er betete oft: »O Allah, bloß ein Mensch bin ich! Habe ich jemand irgendwie wehgetan, verzeih und bestrafe mich nicht!« Bote und Botschaft soll man nicht verwechseln, darauf bestand Muhammad bis an sein Lebensende. Doch kann man beides wirklich sauber voneinander trennen?
Zu Muhammads Zeiten wurde diese Frage auch im Christentum diskutiert, über hundert Jahre lang. Wie können die heiligen Sakramente wirksam sein, wenn ein bescholtener Priester sie vollzieht? So fragte man sich, und nach endlosen Streitgesprächen, ja, Gewalttätigkeiten zwischen Befürwortern und Gegnern stellte man schließlich fest: Taufe, Eucharistie und alle anderen Sakramente sind schon gültig durch den bloßen Vollzug! Eine weise Entscheidung.
Denn kein Priester ist unfehlbar. Die Botschaft, die er vermittelt, steht selbst für ihre Glaubwürdigkeit ein. Nicht anders ist es in der Kunst. Picassos Bilder können mich beeindrucken, ohne dass ich den Künstler kenne. Person und Werk liegen auf verschiedenen Ebenen. Erst auf der virtuellen Ebene können Bote und Botschaft verschmelzen wie bei Buddha. Wie bei Jesus. Da sind Bote und Botschaft eins. Derartige Ansprüche hat Muhammad jedoch nie an sich gestellt. Bote und Botschaft bleiben für den Propheten zwei Paar Schuh: »Ich werde nicht ins Paradies gelangen, wenn mich nicht Allahs Barmherzigkeit bedeckt.« Entsprechend versuche ich, die Botschaft des Koran aus sich heraus zu verstehen.
Alle Preise verstehen sich inklusive der gesetzlichen MwSt.; Ersparnis im Vergleich zur Printversion




















