Suchen und Finden
Service
Infos und Kontakt
Geistiges Kapital (S. 52-53)
Thomas A. Stewart
Zusammenfassung
- Geistiges Kapital ist Wissen, das aus Rohstoffen Mehrwert schafft.
- Nur das Wissen, das als Aktivposten zählt, ist geistiges Kapital.
- Der Rohstoff für das geistige Kapital kann materieller oder, wie im Fall von Informationen, immaterieller Art sein.
Einleitung
Geistiges Kapital ist ein Vermögenswert, der aus geistigen Inhalten besteht. Kapital wird in drei Arten eingeteilt: Finanzkapital, also Geld, materielle Werte oder Sachanlagen, wie Grund und Boden, Gebäude, Maschinen und andere langlebige Ausrüstungsgegenstände, und schließlich Wissen. Wissen ist dann geistiges Kapital, wenn es ein Aktivposten ist, also einen Beitrag zur Wertschöpfung leisten kann. Geistiges Kapital beinhaltet Begabungen und Fähigkeiten einzelner Mitarbeiter und Teams, technologische und soziale Netzwerke sowie die ihnen zugrunde liegende Software und Kultur, geistiges Eigentum wie Patente, Urheberrechte, Lizenzen, Methoden, Abläufe oder Archive. Es schließt Wissen und Informationen, die nicht zur Produktion oder zur Schaffung von Mehrwert beitragen, aus. So wie man Rohstoffe wie Eisenerz nicht mit einem Vermögenswert, etwa einem Stahlwerk, verwechseln sollte, darf man auch Daten oder Fakten nicht mit Wissensaktiva verwechseln.
Geistiges Kapital als Aktivposten
Nach den herkömmlichen buchhalterischen Definitionen gilt geistiges Kapital häufig nicht als Vermögenswert, sondern als materielle, handgreifliche Anlagen, die sich in der Verfügungsgewalt des Unternehmens befinden. Dieser Definition nach wären wissenschaftliche Fähigkeiten keine Aktivposten, während Gegenstände der Laborausrüstung dazu zählen. Aber neueren Auffassungen zufolge ist diese Definition viel zu eng. Sie bremst Unternehmen aus, Wissensaktiva zu erkennen, zu nutzen oder aufzubauen, und wird ein ernsthafter Wettbewerbsnachteil in einer Wirtschaft, in der Wissen zu einem wichtigen Erfolgsfaktor geworden ist. Die Theorie des geistigen Kapitals schlägt eine umfassendere Definition vor: Ein Aktivposten verwandelt Rohmaterial in etwas Wertvolleres.
Der Vorgang hat etwas Magisches. Der Zauberer stopft Taschentücher in einen Zylinder und holt ein Kaninchen heraus. Eigentum und Verfügungsgewalt sind gegenüber dem Wissen, wie die Verwandlung funktioniert, minder wichtig. Auch wenn dem Unternehmen das Wissen seiner Mitarbeiter nicht im herkömmlichen Sinn gehört, so nutzt es dieses doch und hat in gewisser Weise auch so etwas wie einen Besitzanspruch darauf, weil es über dessen Nutzung am Arbeitsplatz bestimmen kann.
Geistiges Kapital ist also Wissen, das aus Rohstoffen Mehrwert schafft. Das Ausgangsmaterial kann tatsächlich materiell sein. Das Rezept für Coca-Cola ist ein immaterieller Vermögenswert, der Zucker, Wasser, Kohlendioxid und Geschmacksstoffe im Wert von wenigen Cents in ein wesentlich wertvolleres Erfrischungsgetränk verwandelt. Der Rohstoff kann aber auch aus etwas so Ungegenständlichem wie Informationen bestehen. Auch juristische Kenntnisse sind ein immaterieller Vermögenswert. Rechtsanwälte verdienen ihr Geld mit der Verwandlung eines Streitfalles in gerichtstaugliche Stellungnahmen oder Schriftsätze (eine Leistung, deren Wert über die reinen Fakten hinausgehen sollte). Auch wenn sich die traditionelle Rechnungslegung dem intellektuellen Kapital verweigert – die Finanzmärkte huldigen ihm umso mehr. Die Aktien von Pharmaunternehmen etwa werden mit einem hohen Aufschlag auf den Buchwert ihrer Vermögenswerte gehandelt, und ihre Kapitalrendite ist ungewöhnlich hoch. Addiert man jedoch ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung zum Kapital, nähern sich ihre Marktwert-Buchwert-Verhältnisse und ihre Kapitalrenditen denen weniger wissensintensiver Unternehmen. Derzeit sucht man verstärkt Mittel undWege, wie man geistiges Kapital messen und in den Bilanzen ausweisen kann. Die skandinavischen Länder, besonders Dänemark, übernehmen hier eine Vorreiterrolle.
Alle Preise verstehen sich inklusive der gesetzlichen MwSt.; Ersparnis im Vergleich zur Printversion









