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20. Wahrheit
Kann schmerzhaft sein (S. 139-140)
Woher kommt es, dass Feedback auf der Arbeit zu bekommen ganz ähnlich ist wie auf dem Zahnarztsessel zu sitzen? Wir vermeiden diese Situation, geben vor, dass alles vollkommen in Ordnung ist, sodass wir möglichst keine vorsorglichen Untersuchungen über uns ergehen lassen müssen. Das Ergebnis kann sehr schmerzhaft sein – hatten Sie schon einmal eine Wurzelbehandlung? Wir kennen Dutzende von Leuten, die aus der Bahn geworfen wurden und es nicht schafften, ihren eigenen Erwartungen und denen anderer gerecht zu werden, weil sie nicht wussten, was andere über sie dachten.
Es ist wichtig, regelmäßig ein ehrliches Feedback vom Vorgesetzten,den Kollegen, Kunden und Freunden zu bekommen.Man braucht ein ehrliches Wort über seine Stärken und Schwächen. Diese Offenheit ist wichtig, um sich weiterzuentwickeln, erfolgreich zu sein und schließlich auch, um zufrieden in seinem Job zu sein.
Dennoch bemängeln viele, kein ausreichendes Feedback zu bekommen. Sie sagen: „Es gibt bei uns keine formelle Bewertung" oder „Mir sagt so gut wie niemand etwas. Und wenn doch einmal, ist das eher allgemein". Sie erwarten ein offenes Wort und erwarten Ehrlichkeit. Warten Sie nicht darauf, dass Ihnen Ihr Vorgesetzter oder andere die Wahrheit von allein sagen – bemühen Sie sich darum.
Danke für die Blumen – das nächste Mal aber bitte lieber Socken
Haben Sie es jemals als Gabe angesehen, wenn jemand die Wahrheit aussprechen kann? Wenn Sie das tun,wird es viel einfacher, sie zu hören zu bekommen – und selbst zu sagen.
Während meines Beurteilungsgesprächs regte mein Chef an, dass ich während des kommenden Quartals doch an einem Management-Training teilnehmen sollte. Als ich nach dem Grund fragte, sagte er, dass sich manche beklagt hätten, dass ich „mit anderen nicht nett umginge". Er sagte, meine Kollegen fänden mich ein wenig penetrant und arrogant und dass ich ihnen das Gefühl gäbe, nicht auf ihre Ideen einzugehen. Ich muss schon zugeben, dass mich das ganz schön geschockt hat.
Also besuchte ich so ein „Charme-Seminar" – Sie wissen schon, so eines, in denen man „in zehn Tagen umgekrempelt" wird. Ich war zu Beginn ziemlich verschlossen, aber Teil des Ganzen war es, ehrliches und detailliertes Feedback von meinen Kollegen,meinem Chef, meinen Angestellten und sogar einigen meiner Kunden annehmen zu können. Die Aussagen wurden anonym eingeholt und so konnte jeder frei seine Meinung über mich sagen, ohne Angst vor eventuellen „Strafen" haben zu müssen. Dieser Vorgang hat mir sehr geholfen – auch wenn es schmerzte.
Ich änderte sofort einige meiner Verhaltensweisen, einfach auf der Basis dieses Feedbacks. Ich arbeite noch immer an einigen Gewohnheiten, die nicht so leicht abzulegen sind. Eine der wertvollsten Lehren für mich war, dass ich die Scheuklappen ablegen muss. Es ist wichtig zu wissen, was andere über mich denken. Dann kann ich entscheiden, ob, was oder zu welchem Zeitpunkt ich etwas ändern möchte.
Das nächste Mal, wenn Sie von jemandem hören: „Darf ich dir mal ein Feedback geben?", sagen Sie:„Natürlich, danke!" Und suchen nach dem Guten darin.
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