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Die verbotene Kammer

Die verbotene Kammer

von: Mireille Calmel

PeP eBooks, 2005

ISBN: 9783894808693, 311 Seiten

Format: ePUB, PDF

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Bookeen Cybook Orizon,Ectaco Lite,Odys Media Book Scala,Aluratek Libre,eLyricon EBX-500.TFT,PocketBook 302,IREX Digital Reader,FlatReader,BeBook 'One',iRiver Story,Sony Reader PRS-3xx,Bookeen CyBook Opus,Hanvon/Hexaglot N518,PocketBook 301+,COOL-ER eReader,Inves-Book 600,eLyricon EBX-600.E-Ink, Bookeen CyBook Gen3 ab Rev: 1.9,Italica Reader,Sony Reader PRS-505, -6xx, -7xx,Pocketbook 360,Hanvon N516 Weltbild Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 7,99 EUR

Ersparnis: 0,96 EUR

  • Elfenkind
    Herbst - Läuterung
    Den Himmel gibt´s echt
    Herbst - Zerfall
    Der Bankräuber
    Bleib cool, Papa
    Du gibst das Leben
    Mein Herz kennt die Antwort
  • Kopfschuss
    Die Zehn Gebote
    Das Feenorakel
    Zeit der Vergebung
    Alphavampir
    Der Geschmack des Wassers
    Succubus Shadows
    Hurentaten
 

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Die verbotene Kammer


 

Es war nicht im eigentlichen Sinne Furcht. Eher eine leichte Beklemmung, die von der Brust bis hinunter in die Waden kroch, welche er gegen die Flanken seines Esels presste. Ein Gefühl, das einen von Zeit zu Zeit bei Einbruch der Dämmerung beschleicht, wenn der Mond rund und voll ist, ab und an verdeckt durch einen schwarzen, von einem leichten Wind zerfaserten Dunstschleier. Es schien ihm, als würden ihm die dunklen, eindrucksvollen Türme dort auf den Felsen am Ende des Weges keine Zuflucht bieten.
Um diesen lächerlichen und absurden Schauer zu verscheuchen, bekreuzigte sich Abt Barnabé, zog seine Kapuze tiefer in die Stirn und umfasste entschlossen den Griff des goldenen Stabes, den er an seinem Gürtel trug.
Er lauschte gespannt in die Stille, vergewisserte sich der mannshohen Mauer, die entlang dieses Wegstücks errichtet worden war, um die Reisenden vor Wölfen zu schützen, und trieb sein müdes Reittier an.
»Es ist hier, Messire.«
François de Chazeron, Lehnsherr von Vollore und Montguerlhe, glitt mit mürrischem Gesicht von seinem Pferd. Seit der Profos am Morgen mit der Bitte nach ihm hatte schicken lassen, ihn zum Unglücksort zu begleiten, hatte er kein einziges Wort gesagt. Der Profos, der sich in seinem Auftrag um die rechtlichen Angelegenheiten seiner Besitztümer kümmerte, drang nicht näher in ihn und stieg ebenfalls vom Pferd. Nur einige Meter entfernt, machten sich zwei Mönche, vor sich hin grummelnd, auf dem Weg zu schaffen. Sie waren von einer immer größer werdenden Traube Schaulustiger umgeben, die von der schrecklichen Entdeckung angezogen worden waren.
Der Profos musste nicht erst die kleine Gruppe von Soldaten, die sie begleitet hatte, auffordern einzugreifen. Beim Auftreten der beeindruckenden und selbstsicheren Gestalt des Lehnsherrn dieser Ländereien löste sich die Menge von selbst auf, und man kehrte mit leerem Gesichtsausdruck zu den Gebeten zurück.
Der Vorsteher der Abtei von Moutier, Guillaume de Montboissier, empfing sie mit einem Kopfnicken, auf das François de Chazeron mit Unwillen antwortete. Die beiden Männer standen nicht gut miteinander, seitdem der Lehnsherr dem Abt die notwendigen Mittel für den Bau einer neuen Kapelle verwehrt hatte, den er als unnötig und vermessen erachtete. Der Abt hegte wegen dieser Sache noch immer Groll gegen ihn. So standen die Dinge.
Während der Profos auf das leblose Etwas zeigte, das auf dem gestampften Lehmboden lag, stellte er voller Mitleid fest: »Das ist nun schon der Fünfte ...«
»Ich kann zählen, Huc!«, unterbrach ihn François de Chazeron barsch und schob mit dem Fuß das Leichentuch beiseite, mit dem man aus Pietät den toten Körper bedeckt hatte.
»Ein Wolf, ohne Zweifel.«
Huc de la Faye war sich sicher. Die durch Prankenhiebe zerfleischte Leiche, deren glasiger Blick noch immer das erlebte Grauen erahnen ließ, sprach für sich. Und dennoch machte ihn etwas stutzig: Kein Wolf, das wusste er, war imstande, die Mauern zu überwinden, die seit dem letzten Angriff vor drei Monaten in aller Eile errichtet worden waren.
»Weiß jemand, wer das ist?«, fragte Chazeron.
»Ein Bruder Exorzist aus Clermont«, antwortete Guillaume de Montboissier. »Wir hatten ihn darum gebeten, Nachforschungen über die Gräueltaten anzustellen, aber ganz offensichtlich war er ebenso erfolglos wie sein Vorgänger.«
François de Chazeron fixierte herausfordernd die dunklen Augen des Abtes von Moutier, ohne dass dieser jedoch seinem Blick nachgegeben hätte.
»Wirklich?«, bemerkte er spöttisch und ein leichtes Lächeln umspielte seine schmalen Lippen.
Huc de la Faye trat dazwischen:
»Ihr dürft die Gerüchte nicht ignorieren, Messire. Sie sind durch diese sonderbaren Umstände erst entstanden und ich gebe zu, dass mir selbst alles äußerst seltsam vorkommt. Warum nur Priester und immer bei Vollmond? Ich hatte darauf gehofft, dass mit den Mauern dieses abergläubische Gerede endlich mundtot gemacht werden würde, doch durch ihre verfehlte Wirkung verursachen sie genau das Gegenteil.«
»Nichts als Zufälle«, entschied François de Chazeron, sichtlich verärgert.
Guillaume ließ nicht locker:
»Nichtsdestotrotz beunruhigend, das müsst Ihr zugeben.« »Nun, Abt, seien wir ehrlich .«
»Schaut Euch diesen Mann an, Messire de Chazeron«, befahl Guillaume, indem er mit dem Finger in Richtung des aufgedunsenen Gesichts des Toten wies. »Schaut und sagt mir dann, ob der Ausdruck dieses Menschen, berufen, Geister auszutreiben, nicht das größte Entsetzen widerspiegelt. Das Entsetzen, diese Nacht Satan erblickt zu haben!«
François de Chazerons Aufmerksamkeit war jedoch nicht länger auf das entstellte Gesicht des Toten gerichtet, auf das man ihn mit Nachdruck hinwies, sondern vielmehr auf dessen geschlossene Faust. Ein weit ausholender Schritt nur, und er konnte sie fassen, um die Finger auseinander zu biegen. Was er erblickte, entlockte ihm einen Ausruf des Erstaunens: In der hohlen Hand, deren Fingernägel von geronnenem Blut befleckt waren, lag ein Büschel graues Wolfshaar, in das lange braune Haare eines Menschen verwoben waren.


Seit einigen Tagen war die Luft ein wenig frischer geworden, doch der Wald, der die Hügel der Auvergne bedeckte, hatte seine Farbe noch nicht verändert. Nur selten erblickte man Raureif entlang der Pfade, die von Clermont-Ferrand nach Thiers führten. Auf den Ländereien des Lehnsherrn von Chazeron ging das Jahr 1500 mit einem milden Dezember zur Neige, trotz einiger Regengüsse.
François de Chazeron hatte sich auf Montguerlhe niedergelassen, um die Maßnahmen, die sein Profos in die Wege geleitet hatte, zu überwachen. Seine Entdeckung hatte das abergläubische Gerücht erhärtet, ein Werwolf forderte die Kirche heraus. Und die Umstände wiederum könnten nur darauf schließen lassen, dass es sich bei diesem Werwolf um Satan selbst handeln müsse. Das Ausmaß, das diese ganze Sache inzwischen angenommen hatte, missfiel François.
Stolz, herrschsüchtig und selbstgefällig wie er war, lag es vor allem im Interesse dieses 21-jährigen Lehnsherrn, die Gunst seinesgleichen zu gewinnen. So würde er eine einflussreichere Stellung erhalten und gleichzeitig seine Besitztümer Vollore und Montguerlhe aufwerten können. Die Sicherheit seiner Leute kümmerte ihn wenig.
Im Moment jedoch befand sich François de Chazeron in Begleitung von Huc auf dem Weg zum Gut von Fermouly. Dort hatte, genau zwei Wochen nach der Ermordung von Abt Barnabe, ein junges Mädchen von elf Jahren behauptet, es habe einen grauen Wolf entlang der Mauer herumstreunen sehen. Da das Gut sich auf halber Strecke zwischen Thiers und Montguerlhe, also unweit des Tatorts, befand, wollte der Profos jegliche Zweifel ausschließen.