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Gaius Balbinus erschien in seiner feinsten Toga auf dem Palatin. Er hatte den Walker angewiesen, die teure Wolle so lange zu bleichen, bis sie wie die Sonne leuchtete, und sie dann mit Kreide einzureiben, um ein unvergleichliches Weiß zu erzielen. Er zitterte vor Aufregung. Obwohl er keine bedeutende gesellschaftliche Stellung einnahm, war ihm die Ehre einer Privataudienz bei Kaiser Antoninus Pius in dessen Palast auf dem Palatin zuteil geworden. Balbinus kannte altgediente Senatoren, die noch nie über eine Gruppenaudienz hinausgekommen waren.
Der Schweiß tropfte von seinem feisten Gesicht, als er der Kutsche entstieg. Er verfluchte die Götter und die Priester, die er für angenehmes Wetter bezahlt hatte. Mit einem finsteren Blick bedachte er die strahlende Sonne, die auf ihn herniederbrannte. »Das ist ja wie im Monat des Augustus«, murmelte er. Er wünschte sich das aristokratische Auftreten des einflussreichen Senators Titus Severus, doch dem stand sein unstillbarer Appetit nach den guten Dingen des Lebens entgegen. Severus und seinesgleichen genossen ihre Macht, waren aber verbitterte Menschen, die aufstrebende Männer wie ihn fürchteten. In entscheidenden Momenten stemmten sie sich gegen jede Art von Veränderung und hielten verzweifelt an ihrer bröckelnden Macht fest.
Balbinus winkte einen Sklaven heran, der ihm Nacken und Stirn trockentupfte und dezent sein erhitztes Gesicht puderte. Er nahm ein weiches Baumwolltuch entgegen, ließ es in den Falten seiner Toga verschwinden, und dann stand er mit seinem strahlendsten Lächeln vor den vier scharlachrot gekleideten Prätorianern, die die Marmortreppe bewachten, die zum Kaiserpalast hinaufführte.
»Mögen die Götter dem Kaiser auch in Zukunft gewogen sein«, grüßte sein Sekretär floskelhaft, um dann hinzuzufügen: »Das ist Gaius Balbinus, Freund des Kaisers. Er ist zur sechsten Stunde zu einer Audienz bei Kaiser Antoninus Pius geladen.«
Die Prätorianer waren nicht sonderlich beeindruckt. Abschätzend musterten sie Balbinus mit seinem Tross von Sklaven und berieten sich dann mit einem weiteren Prätorianer, dem Centurio vom Tor, der seinen Namen mit denen auf einem rechteckigen Blatt Pergament verglich. Inmitten der Wache, wie man die Prätorianer kurz nannte, fühlte sich Balbinus ein wenig unwohl. Die Männer der Wachkohorte im Kaiserpalast waren düster dreinblickende Männer, sprachen selten ein Wort und lächelten nie. Ihr einziger Auftrag bestand darin, das Leben des Kaisers zu schützen. Sie waren einen ganzen Kopf größer als der durchschnittliche Soldat, und ihre Körper wirkten, als wären sie aus ägyptischem Granit gehauen. Als der Centurio vom Tor auf ihn zutrat, strich Balbinus die Falten seiner Toga glatt. Er nickte dem riesenhaften Prätorianer zu, als ob er ihm sagen würde: Wir wissen beide, dass alles in Ordnung ist. Seine Geste wurde lediglich mit einem versteinerten Blick beantwortet.
»Die nicht«, sagte der Prätorianer und deutete mit einem fleischigen Finger auf Balbinus’ Sklaven.
»O ja, natürlich«, stimmte Balbinus eilfertig zu. »Die können hier warten. Selbstverständlich«, fügte er mit dünnerer Stimme hinzu.
»Nicht hier«, widersprach der Prätorianer. »Bei den anderen Wagen unten am Circus Maximus.«
»Selbstverständlich«, wiederholte Balbinus und biss sich auf die Lippe. Wie albern er doch klingen musste! Was war nur los mit ihm? Er hätte schließlich wissen müssen, dass die Prätorianer schon aus Sicherheitsgründen keine größere Menschenansammlung vor dem Eingang zum Palast des Antoninus zulassen konnten. Und dann noch sein serviles Gestammel. Er benahm sich ja wie ein Diener! Dabei war er doch ein wohlhabender Mann geworden, machte er sich Mut. Würde etwa Senator Severus vor einem gemeinen Soldaten buckeln, Prätorianer hin oder her? Er kannte die Antwort und erinnerte sich an den Rat seiner Geliebten Calpurnia: »Benimm dich wie ein Senator, dann wirst du ein Senator sein.«
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