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… Fünfzehn
Es war neunzehn Uhr und schon recht dunkel draußen. Die Kanzlei lag in ungestörter Sonntagabendstille und schien ihr Feierabendnickerchen zu machen. Ein gutes Dutzend Anwälte war noch bei der Arbeit (hier im Haus gehörte es zu den ungeschriebenen Regeln, sich bei einer Sechstagewoche den Samstag freizunehmen). Die meisten trugen ihre bequemsten Jeans und keine Krawatte oder Fliege.
Taylor schrieb einen kurzen Dank an Thom Sebastian und brachte das Blatt in sein Büro. Sie legte es auf seinen Schreibtischsessel und fing dann an, den Raum gründlich und eifrig wie ein Polizist bei seinem ersten Einsatz zu untersuchen. Sein Schreibtisch enthielt Kondome, Bambuspapier, eine noch nicht geöffnete Flasche Chivas Regal, Streichholzbriefchen vom Harvard Club, vom Palace Hotel und von Nachtclubs aus der ganzen Stadt, etwa fünfundzwanzig Speisekarten von Essensdiensten (er schien sie nach persönlichen Geschmacksrichtungen geordnet zu haben; obenauf lag chinesische Küche, dann ein Delikatessenladen, schließlich japanisches Essen und ganz unten ein Steakhaus), geschwätzige Briefe von seinem Bruder, seinem Vater und seiner Mutter (alle ordentlich in Stapeln aufgeschichtet, einige davon mit Randnotizen für die Antwortschreiben versehen), Informationsblätter von Börsen- und von Immobilienmaklern, Scheckbücher (verdammter Mistkerl, wo hast du nur so viel Geld her?), einige Detektivromane und Kriegsgeschichten, eine mit Kaffeeflecken bedeckte Ausgabe von Lawyer’s Code of Professional Responsibility, diverse Urlaubsfotos, Zeitungsausschnitte mit Börsennotierungen, einige Exemplare der Pennystock News, Schokoladenriegel, Krümel und Büroklammern.
Was hast du erwartet, du Superdetektivin? Etwa ein Bild von Mitchells Büro, auf dem der Aktenschrank mit einem dicken C markiert ist? Oder vielleicht eine Maske und Einbrecherwerkzeug?
In Sebastians Bücherregalen fanden sich mehrere gebundene Bände mit Rücken in den Farben Marineblau, Burgunderrot und Dunkelgrün. Sie enthielten Kopien von all den Transaktionsunterlagen, die Sebastian erstellt oder an denen er mitgearbeitet hatte. In ihnen ließen sich hervorragend Wechsel über fünfundzwanzig Millionen Dollar oder andere wichtige Belege verstecken. Wenn Taylor eine Woche Zeit zur Verfügung gestanden hätte, wäre es ihr vielleicht möglich gewesen, all diese Wälzer durchzusehen und das Gewünschte zu finden. Die di cken Rücken der Bände wölbten sich ihr entgegen, und Sebastians goldene Namenszüge darauf schienen sie anzustarren. Taylor schätzte, dass die Bände insgesamt hunderttausend, nein, eher hundertfünfzigtausend Blätter enthielten. Das Herz sank ihr in die Hosen. Der Wechsel konnte überall sein. Vielleicht war er sogar hinter einer losen Kachel in der Herrentoilette oder im Polster der Couch verborgen.
Eine andere Möglichkeit war, dass er ihn in seiner Wohnung aufbewahrte. Taylor fiel nur ein Weg ein, dort hineinzugelangen, um sich umsehen zu können, und dazu war sie einfach noch nicht verzweifelt genug.
Ein Stockwerk tiefer ging sie in einen Aktenraum, eine große, verstaubte Kammer, die mit mehreren Reihen von Aktenschränken angefüllt war. Der Geruch erinnerte Taylor an die Leichenhalle ihres Vaters, und sie atmete nur flach.
Sie öffnete die Schublade, die mit dem Buchstaben C gekennzeichnet war, und fand rasch Wendall Claytons jüngste Tageszettel – kleine blaue Blätter, die er mit seiner zügigen Handschrift beschrieben hatte und auf denen er jede Minute aufführte, die er im Dienst der Kanzlei tätig gewesen war. Sie las den Zettel, der das Datum des 23. November trug, des Tages, an dem der Wechsel verschwunden war, dann die Blätter des vorangegangenen Freitags und die des nachfolgenden Sonntags. Taylor legte sie wieder an ihren Platz und begab sich dann zu der Schublade, auf der D stand, und schließlich zu der mit der Aufschrift S.
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