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14 (S. 193-194)
Randy Withcomb erinnerte, wenn man sich die moderne Kleidung wegdachte, an das Bild eines Soldaten im amerikanischen Bürgerkrieg: bleich, knochig, verunstalteter Kopf – nicht regelrecht entstellt, einfach nur aus der Fassung geraten –, schmale, ein- oder zweimal gebrochene Nase, schmale Lippen, schiefe Zähne, das Gesicht voller Narben, die von einer frühen Begegnung mit Akne zurückgeblieben waren.
Er sah aus wie ein hundsgemeiner weißer Hinterwäldler. Was ihn nicht daran hinderte, einen protzigen Lebensstil zu pflegen. Randy Withcomb war in dieser Hinsicht ein Zuhälter par excellence. Er gefiel sich darin, mit einem Schlehdorn-Spazierstock samt Goldknauf herumzustolzieren, große breitrandige Lamafellhüte und rote Sportmäntel mit schwarzem, von Goldfäden durchzogenem Kragen zu tragen und sich mit Goldkettchen zu schmücken; hohe Stiefel aus Alligatorleder mit acht Zentimeter hohen Absätzen; Moleskinhosen. Und er fuhr keine Autos, sondern Automobile.
In L. A. hatte er einmal für eine Weile einen karmesinroten Jaguar gefahren – eine kurze Weile nur, bis ihm sowohl das Automobil als auch L. A. zu heiß geworden waren –, und er hatte den Namen des Wagens stets »Jag-u-war« ausgesprochen, was er einer Radio-Reklame entnommen hatte. Randy betrachtete sich irgendwie als schwarzen Zuhälter, obwohl er in Wahrheit ein weißer Junge aus einem heruntergekommenen Viertel von Minneapolis war. Diese Abstammung hielt ihn nicht davon ab, sich der Sprache der schwarzen Ghetto- Bewohner zu bedienen und Hiphop-Tänzchen aufzuführen, wenn ein wenig Crack durch seine Adern pulsierte.
Randy war zweiundzwanzig Jahre alt, sah aber aus wie vierzig, mit tiefen Falten auf der Stirn, in den Augenwinkeln und auf den Wangen. Kokain, Speed, PCP – all dieses Zeug lässt einen nun mal schneller altern … Randy dealte mit Drogen, ließ ein paar Nutten für sich anschaffen gehen – und er war James Qatars Hehler.
Randy tauschte Schmuck und andere Wertsachen – vor allem aber Handfeuerwaffen – in Chicago gegen Dope ein. Einen Teil der Drogen verkaufte er, den Rest konsumierte er selbst.
Den gestohlenen Schmuck müsse er in Chicago für die Hälfte seines Wertes verkaufen, sagte Randy; die Leute in Chicago würden den Wert daran bemessen, was sie dafür erlösen konnten, und davon be käme er dann die Hälfte. Demzufolge könne er, Randy, Qatar nur die Hälfte von dem geben, was er von den Leuten in Chicago bekäme – ein Achtel des Wertes. Qatar hielt das für unverschämt, aber so waren nun einmal die Gegebenheiten.
»Bringen Sie mir Handfeuerwaffen statt diesem beschissenen Zeug, dann kriegen Sie gutes Geld von mir«, sagte Randy. »Nichts von dieser Schmuck-Scheiße kann eine gute Neun-Millimeter-Pistole aufwiegen. « Aber Qatar würde niemals eine Handfeuerwaffe anrühren: Mit Hilfe der modernen Methoden konnte man sie zu den Besitzern zurückverfolgen, und sie waren ganz allgemein eine Gefahrenquelle.
Qatar hatte Randy durch einen recht unwahrscheinlichen Zufall kennen gelernt: Ein Marketing-Professor, der gern ein wenig Koks schnupfte, hatte die beiden bei einer Grillparty aus Anlass des Nationalfeiertages auf der hinteren Veranda seines Hauses zusammengebracht und dabei unverblümt den Hinweis fallen lassen, Randy sei sein »Freund aus dem kriminellen Milieu«. Qatar und Randy hatten eine recht komplizierte, vorsichtig abtastende Unterhaltung geführt, die schließlich darin gipfelte, dass Qatar fragte, ob Randy auch »inoffizielle« Schmuckverkäufe arrangieren könne.
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