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12. Übersicht über die therapeutischen Wirkungen (S. 161-162)
Franjo Grotenhermen
Cannabiszubereitungen werden bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt, wobei die Datenlage sehr uneinheitlich ist. Für einige Indikationen wie Übelkeit und Erbrechen bei Krebschemotherapie, Anorexie und Kachexie bei HIV/Aids sowie Spastik bei Multipler Sklerose und Querschnittssyndromen ist sie gut, für andere wie Epilepsie, Bewegungsstörungen und Depressionen eher schlecht. Die Geschichte der historischen Anwendung von Cannabiszubereitungen und die klinische Erforschung der Cannabinoide zeigt allerdings, dass der wissenschaftliche Erkenntnisstand für eine spezifische Indikation nicht unbedingt das tatsächliche therapeutische Potenzial bei dieser Erkrankung reflektiert. Klinische Studien mit einzelnen Cannabinoiden oder – wesentlich seltener – mit Ganzpflanzenzubereitungen (gerauchtes Marihuana, kapsulierter Cannabisextrakt) zur Untersuchung ihres therapeutischen Potenzials wurden oft durch positive Erfahrungen von Patienten mit der illegalen Anwendung natürlicher Cannabisprodukte angeregt.
Dies gilt für die antiemetischen [7], die appetitsteigernden [22] und die muskelrelaxierenden Effekte [4], die Analgesie [20] sowie für die therapeutische Verwendung beim Tourette-Syndrom (siehe Kap. 19). Auch Zufallsbeobachtungen haben Hinweise auf therapeutisch nutzbare Effekte ergeben, wie etwa die Beobachtung von Volicer et al. (1997) in einer Studie zum appetitsteigernden Effekt von . -THC bei Patienten mit Morbus Alzheimer, dass nicht nur Appetit und Gewicht zunahmen, sondern auch das verwirrte Verhalten unter Verum abnahm [26] oder die Entdeckung des augeninnendrucksenkenden Effektes Anfang der siebziger Jahre (siehe Kap. 20). Einige möglicherweise interessante Indikationen wurden von der medizinischen Forschung noch nicht überprüft, sind jedoch in der modernen Volksmedizin weit verbreitet. Zusätzlich zu klinischen Untersuchungen wurden daher in den vergangenen drei bis vier Jahren Befragungen an Personen, die Cannabis therapeutisch nutzen, vorgenommen (Tab. 12.1 auf S. 162). Diese fanden entweder als mündliche, unstandardisierte Interviews im Rahmen von Untersuchungen staatlicher oder wissenschaftlicher Institutionen (Wissenschaftsausschuss des britischen Oberhauses, Medizininstitut der USA) zum therapeutischen Potenzial der Hanfpflanze statt [12, 13] oder als anonyme Befragung mittels standardisierter Fragebogen [2, 5, 6, 18, 23, 25].
Mögliche Indikationen für Dronabinol und Cannabis.
Abhängigkeit und Entzugssymptome
Allergien, Juckreiz
Anorexie und Kachexie
Asthma
Bewegungsstörungen
Depressionen, bipolare Störungen und Angststörungen
Entzündungen und Infektionen
Epilepsie
Glaukom
Schmerzzustände
Spastik
Übelkeit und Erbrechen
Hierarchie der therapeutischen Effekte
Um dem sehr unterschiedlichen wissenschaftlichen Erkenntnisstand hinsichtlich verschiedener Indikationen gerecht zu werden, lässt sich eine Hierarchie der therapeutischen Effekte erstellen. In dieser Übersicht wird hinsichtlich der Indikationen nicht zwischen isoliertem THC (Dronabinol) und natürlichen Cannabisprodukten differenziert. Indikationen für THC werden als Indikationen für Cannabis angesehen und vice versa. [Übersichten zu Indikationen: 1, 3, 8, 10, 13, 15, 16].
1. Etablierter Effekt *): Übelkeit und Erbrechen, Anorexie und Gewichtsverlust.
2. Relativ gut gesicherter Effekt: Spastik, Schmerzzustände, Bewegungsstörungen, Asthma, Glaukom.
3. Weniger gut gesicherter Effekt: Allergien, Juckreiz, Entzündungen und Infektionen, Epilepsie, Depressionen, bipolare Störungen und Angststörungen, Abhängigkeit und Entzugssymptome.
4. Grundlagenforschung: Autoimmunerkrankungen (siehe Kap. 10), Krebs (siehe Kap.
5 und 35), Neuroprotektion (siehe Kap. 9 und 36), Fieber, Blutdruckstörungen.
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