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Akupunktur häufiger orthopädischer Schmerzbilder - Rationale Akupunktur-Konzepte im Spannungsfeld von klassischer Orthopädie und Manualmedizin
A17 Kombinationsmöglichkeiten von Akupunkturpunkten (S. 100-101)
Ein Akupunkturpunkt kann prinzipiell auf zwei Arten eingesetzt werden: gemäß seiner individuellen Wirkung oder entsprechend seiner Stellung im Leitbahnsystem.
Man kann z.B. Ma 40 nadeln in seiner Eigenschaft als wichtigster schleimumwandelnder Punkt. Andererseits wird Ma 40 auch zur Beruhigung des Geistes eingesetzt, da der Magen über den Großen Verbindungsmeridian das Herz beeinflusst (Deadman et al. 2000). Le 3 wird beispielsweise zur Therapie der Leber-Qi-Stagnation gestochen, aber auch als distaler Leitbahnpunkt zur Beeinflussung des Kopfschmerzes bei aufsteigendem Leber-Yang.
Befehlspunkte und Fernpunkte verwenden wir also im Grunde genommen immer auch wegen ihrer besonderen Bedeutung im Leitbahnsystem als Ganzem. Hierdurch eröffnet sich uns die Möglichkeit, durch Wahl einer geeigneten Punktekombination den Körper zu „harmonisieren". Wir sollten somit das Ziel haben, Yin und Yang, Vorderseite und Rückseite, oben, unten und rechts und links miteinander zu versöhnen und auszugleichen.
Bei bestimmten Erkrankungen tun wir das ja ganz automatisch. Schmerzen im Kopfbereich (z.B. Augenerkrankungen, Kopfschmerzen, Trigeminusneuralgien) behandelt man ja nicht nur durch Stechen von lokalen Punkten am Kopf sondern insbesondere auch durch Auswahl geeigneter distaler Leitbahnpunkte im Fußbereich (Oben- Unten-Ausgleich). Bei Anwendung der Shu-Mo-Methode werden Punkte auf dem Rücken und der Körpervorderseite verwendet (Vorne-Hinten-Ausgleich). Bei der belastungsabhängigen, im Tagesverlauf zunehmenden Lumboischialgie des alten Menschen finden nicht nur Yang-Punkte wie Gb 30 oder Bl 40 Verwendung, sondern man wird tunlichst auch das Yin-Organ Niere durch Yin-Punkte wie Ni 3 oder Mi 6 nähren (Yin-Yang-Ausgleich). Wenn man bedenkt, dass es doppelt so viele Yang- Punkte wie Yin-Punkte gibt, kommt den Bemühungen um einen Yin-/Yang-Ausgleich besonderes Gewicht zu.
Auch der Rechts-Links-Ausgleich ist sehr wichtig. Eine gute Methode hierzu ist das System aus Quell- und Lo-(Luo-Passage-)Punkten, das gerne bei Erkrankungen des Äußeren, also Yang-Krankheiten – zu denen die orthopädischen Leiden häufig gehören – eingesetzt wird. Hier können die lokalen Punkte einer Seite (z.B. Di 10, Di 11 bei akuter Epicondylitis humeri radialis) durch Nadelung des Lo-Punktes der Gegenseite (Di 6) ausgeglichen werden.
Luo-Passage-Punkte finden aber auch bei chronischen Erkrankungen Verwendung. So kann beim chronischen einseitigen Rückenschmerz den lokalen Punkten (z.B. Bl 25, Bl 26, Bl 54) der Punkt Ni 4 (Passage-Punkt des innen-außen-gekoppelten Meridians) auf der Gegenseite entgegengestellt werden.
Ein weiteres Beispiel für einen Rechts-Links-Ausgleich ist der Einsatz der kontralateralen korrespondierenden Leitbahn. So findet z.B. durch Nadelung des Punktes 3E 6 eine Seiten-Harmonisierung statt (der Dreifache Erwärmer ist der korrespondierende Meridian zum Gallenblasen-Meridian in der Shao Yang-Schicht) gegenüber den Lokalpunkten Gb 29 und Gb 30 beim lateralen Hüftschmerz auf der gegenüberliegenden Seite.
In gleicher Weise werden Punkte gemäß den korrespondierenden Meridianen und den Gelenkentsprechungen eingesetzt. Dabei kann neben dem Rechts-Links-Ausgleich auch eine Harmonisierung von Oben-Unten durchgeführt werden. Beispielsweise entsprechen sich Ellenbogen und Knie, sodass neben Di 11 der Punkt Ma 36 (Yang Ming-Achse) genadelt werden kann. Beim Schulterschmerz entspricht dem Punkt 3E 14 auf der Shao Yang-Achse der Punkt Gb 30 an der Hüfte. Darüber hinaus kann grundsätzlich ein Übergewicht der Lokalnadeln der Schmerzseite durch Einsatz von übergeordneten Punkten auf der Gegenseite kompensiert werden.
Grundsätzlich wird auch gesagt, dass bei einem kleinen, umschriebenen Schmerzgebiet und sehr heftigen Schmerzen die kontralaterale Nadelung und Reizung besonders wirksam ist (König und Wancura 1995).
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