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1 Grid Computing – Eine Einführung (S. 27-28)
Das Konzept über Grid Computing ist vergleichsweise alt. Fehlende Ressourcen stellten stets ein Problem dar, insbesondere in den Gründerjahren des Personal Computers und der File- und Datenbankserver. Damals behinderten allerdings begrenzte Kapazitäten in der Kommunikation zwischen den Computern eine Verbreitung dieser Idee.
Mit dem einsetzenden Internet-Boom verbesserten sich die Kapazitäten von Netzwerken in atemberaubender Geschwindigkeit. War vor kurzem eine 10-Mbit-Übertragungsrate noch der Standard, waren plötzlich 100-Mbitund 1-Gbit-Leitungen bezahlbar und fanden ihre Verbreitung. Aber nicht nur das Transfervolumen wuchs, auch die Anzahl der Netzwerke stieg dramatisch. Waren vor der Verbreitung des Internets so genannte Insel-Netzwerke der Standard (sogar applikationsbezogene Netzwerke waren keine Seltenheit), waren auf einmal in den Unternehmen alle Computer miteinander vernetzt. Konzerne vernetzten weltweit ihre Standorte, Unternehmen begannen, untereinander durch B2B-Anwendungen zu kommunizieren.
Mit der Verbreitung von Netzwerken wuchs ebenso die Leistungsfähigkeit von Personal Computern und Servern. Multiprozessor-Maschinen mit großen Hauptspeicher- und Festplattenressourcen waren in der Lage, den steigenden Bedarf zu befriedigen, gleichzeitig fielen die Preise für große Anlagen.
In der heutigen IT-Landschaft stehen den Unternehmen alle erforderlichen Hardware-Ressourcen zur Verfügung. Allerdings sehen sich IT-Abteilungen und Unternehmen im Rahmen der Konsolidierung in der IT-Branche einem zunehmenden Kostendruck gegenüber. Das bedeutet nicht nur, Applikationen mit einer kostengünstigen Infrastruktur zu planen und zu realisieren, sondern auch mit vorhandenen Ressourcen auszukommen.
Damit ist Grid Computing wieder interessant geworden. Oracle ist einer der ersten großen Hersteller von System-Software, der das Thema wieder aufgreift und offensichtlich zur Chefsache gemacht hat. Das findet nicht nur in der Bezeichnung der neuen Version seinen Ausdruck, sondern auch in neuen Produkten und Features, die Sie in diesem Buch kennen lernen werden.
1.1 Die Philosophie von Grid Computing
Bei der Kalkulation von Projekten wird häufig der Anteil der Kosten von Hardware und System-Software unterschätzt. Es sind nicht nur die Anschaffungs- oder Leasingkosten von Hard- und Software zu berücksichtigen, die Wartung und Pflege der Systeme macht inzwischen einen recht hohen Prozentsatz aus.
Andererseits werden Ressourcen verschenkt, da z.B. Systeme applikationsbezogen aufgesetzt werden oder auf einigen Servern die Ressourcen zu 100% ausgelastet sind, während andere zur gleichen Zeit nahezu unbelastet sind. Hier kommt der Zeitfaktor hinzu. Viele Anwendungen haben so genannte Peaks, d.h. Stoßzeiten, die eine hohe Systemauslastung zur Folge haben. Außerhalb dieser Peak-Zeiten werden die Systeme nur mäßig oder kaum belastet.
Diese Peak-Zeiten sind von Anwendung zu Anwendung verschieden. In einer IT-Infrastruktur existieren folglich zu einem definierten Zeitpunkt sowohl Systeme, die hoch ausgelastet oder überlastet sind, als auch Systeme, die wenig belastet sind. Viele Projektdesigner konzipieren die Ressourcen so, dass die Anwendung in der Peak-Phase immer noch hinreichend performant läuft. Das führt zu einem großen Umfang an Unterbelastung über die gesamte Zeitschiene berechnet.
Grid Computing adressiert diese Probleme, indem eine anpassungsfähige Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird. Es werden freie Ressourcen der speziellen Anwendung genau dann zur Verfügung gestellt, wenn sie gebraucht werden.
Häufig steigt der Ressourcen-Bedarf schneller, als das noch vor kurzem vorhersehbar war. Unternehmen, die mit kleinen Servern starten, verfügen nach einer gewissen Zeit über eine beachtliche Anzahl kleiner Maschinen, von denen die stärkste allein unter Umständen nicht in der Lage ist, eine bestimmte Anwendung in Peak-Zeiten performant zu bedienen. Auch dieses Problem kann mit Grid Computing gelöst werden.
Mit Grid Computing werden also die starren Grenzen zwischen Applikationen, Servern und Datenbanken beseitigt. Es wird die gesamte Infrastruktur als ein Grid betrachtet, also als ein virtueller, dynamischer Pool von Ressourcen und System-Software, der allen Applikationen zur Verfügung steht.
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