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2 Die .NET-Philosophie (S. 44-45)
Visual Basic .NET trägt den Zusatz .NET nicht umsonst in seinem Namen. Hinter diesem unscheinbaren Kürzel steckt eine brandneue Systemplattform, an der Microsoft einige Jahre gearbeitet hat und die in den kommenden Jahren eine sehr wichtige Rolle spielen wird. Auch wenn im Moment noch vieles sehr neu und ungewohnt (vielleicht auch ein wenig unnötig – nach dem Motto »Warum alles wieder neu, wenn doch das Vorhandene vollkommen ausreichend war?«) erscheinen mag, in ein paar Jahren werden die mit .NET eingeführten neuen Regeln zum Grundrepertoire eines jeden Windows-Programmierers gehören (müssen). Aus diesem Grund wird in diesem Kapitel auch mit einfachen Worten erklärt, was .NET ist und warum es so wichtig ist. Da sich mit .NET ganze Bücher füllen ließen (und auch schon gefüllt wurden) und in diesem Kapitel eine Einführung in Visual Basic .NET im Vordergrund steht, beschränkt sich dieser Abschnitt auf einen Überblick. Sehen Sie dieses Kapitel aber bitte nicht als lästiges Pflichtkapitel an, das man vielleicht kurz überfliegt, um es möglichst schnell wieder zu vergessen, da alles ein wenig theoretisch und langweilig erscheint und keine Beispiele vorkommen (es gibt eine Ausnahme, bei der es um das Zusammenspiel einer in C# programmierten Komponente mit einem Visual Basic .NET-Programm geht). .NET, insbesondere das .NET-Framework, sind die Grundlage für alles, was Sie in Visual Basic .NET umsetzen können. Visual Basic .NET ist, wie jede .NET-Programmiersprache, lediglich ein Satz von Befehlen, Schlüsselwörtern, Operatoren und Datentypen. Der ganze »Rest« (und das ist eine ganze Menge) stammt von .NET. Das gilt für alle wichtigen Eigenschaften, wie die Möglichkeit, Basisklassen bei der Definition neuer Klassen zu erweitern (Vererbung) oder während der Ausführung eines Programms weitere Threads zu starten (Multithreading).
Diese werden nicht von der Programmiersprache, sondern von der CLR zur Verfügung gestellt. CLR? Diese wichtige Abkürzung werden Sie am Ende des Kapitels auswendig können. Das gilt aber noch mehr für die Basisklassen des .NET-Framework, die einen großen Teil der Windows-API und alle Funktionen ersetzen, die bei früheren Versionen durch interne Funktionen der Programmiersprache zur Verfügung gestellt wurden. Bei Visual Basic .NET sind diese Funktionen nicht mehr »fest eingebaut«, sondern Methoden irgendwelcher Klassen der .NET-Basisklassen.
Mit Philosophie hat dieses Kapitel natürlich nur indirekt etwas zu tun. Der Begriff soll lediglich andeuten, dass mit .NET eine etwas andere Sichtweise für die »Dinge« der Welt (was die Programmierung angeht) einhergeht und es wieder einmal viele neue Begriffe gibt, die Programmierer verinnerlichen müssen. Allen, die sich bereits vor Jahren mit der Programmiersprache Java (die eine ähnliche Revolution ausgelöst hat) beschäftigt haben, kennen das bereits, ihnen wird einiges sehr bekannt vorkommen (wenngleich .NET sehr viel mehr als nur eine Kopie der Java-Plattform ist). Allen, die sich seit Jahren gemütlich in der Visual Basic-Ecke »eingekuschelt« und die restliche Welt der Programmierung ein wenig aus den Augen verloren haben, wird die neue Philosophie einiges an Flexibilität abverlangen, da sich viele vertraute Spielregeln geändert haben und Visual Basic .NET weniger die Version 7.0 von Visual Basic, sondern eher die Version 1.0 einer neuen Programmiersprache darstellt, die nur zufälligerweise einen vertrauten Namen besitzt. Aber es hilft alles nichts, den Sprung auf die .NET-Ebene muss jeder Programmierer absolvieren, auch wenn es am Anfang ein paar Dehn- und Streckübungen erfordert. Am Ende winken sehr viel mehr Möglichkeiten, so dass sich die Mühe in jedem Fall lohnt.
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