Suchen und Finden

Titel

Autor/Verlag

Inhaltsverzeichnis

Nur eBooks für mein Endgerät anzeigen:

 

Newsletter

Drei Streifen gegen Puma - Zwei verfeindete Brüder im Kampf um die Weltmarktführerschaft

Drei Streifen gegen Puma - Zwei verfeindete Brüder im Kampf um die Weltmarktführerschaft

von: Barbara Smit

Campus Verlag, 2005

ISBN: 9783593401423, 371 Seiten

Format: ePUB, PDF, OL

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Bookeen Cybook Orizon,Ectaco Lite,Odys Media Book Scala,Aluratek Libre,eLyricon EBX-500.TFT,PocketBook 302,IREX Digital Reader,FlatReader,BeBook 'One',iRiver Story,Sony Reader PRS-3xx,Bookeen CyBook Opus,Hanvon/Hexaglot N518,PocketBook 301+,COOL-ER eReader,Inves-Book 600,eLyricon EBX-600.E-Ink, Bookeen CyBook Gen3 ab Rev: 1.9,Italica Reader,Sony Reader PRS-505, -6xx, -7xx,Pocketbook 360,Hanvon N516 Weltbild Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 3,99 EUR

Ersparnis: 20,91 EUR

  • Elfenkind
    Herbst - Läuterung
    Den Himmel gibt´s echt
    Herbst - Zerfall
    Der Bankräuber
    Bleib cool, Papa
    Du gibst das Leben
    Mein Herz kennt die Antwort
  • Kopfschuss
    Die Zehn Gebote
    Das Feenorakel
    Zeit der Vergebung
    Alphavampir
    Der Geschmack des Wassers
    Succubus Shadows
    Hurentaten
 

Mehr zum Inhalt

Drei Streifen gegen Puma - Zwei verfeindete Brüder im Kampf um die Weltmarktführerschaft


 

Kapitel 5 Schweizer Schlamm (S. 49-50)

Das Hotel Belvedere mit seinen blumengeschmückten Balkons und den romantischen Gewölben bot einen phantastischen Blick auf den Thuner See. An diesen idyllischen Ort in der Schweiz hatte sich Nationaltrainer Sepp Herberger mit seinen Spielern zurückgezogen, um die Mannschaft vor der Weltmeisterschaft von 1954 zusammenzuschweißen. Hier unterwarfen sich Herbergers 22 Fußballer einem noch nie dagewesenen Programm, das aus hartem Training und vollkommener Abstinenz bestand. Ein besonders ruhiges Zimmer im Belvedere bewohnte Adi Dassler.

Der klein gewachsene Trainer mit dem Knautschgesicht arbeitete schon lange mit den Dasslers zusammen. Die Beziehung hatte Rudolf aufgebaut, aber der selbstgerechte ältere Bruder verscherzte es sich mit dem Trainer der Nationalelf. Offenbar hatte Rudolf das Gefühl, dass Herberger ihn nicht mit der gebührenden Ehrerbietung behandelte. »Sie sind ein kleiner König«, soll er Herberger erklärt haben. »Und wenn Sie uns nicht passen, wählen wir einen neuen Bundestrainer.«

Jahrelang hatte sich Sepp Herberger ins Zeug gelegt, um seine Stellung aufzubauen. Hitler interessierte sich kaum für Fußball, und die miserablen Leistungen der deutschen Mannschaft während der Nazijahre wirkten auch nicht gerade förderlich. Der »Führer« billigte dem Fußball immerhin einen gewissen Propagandawert zu, als die deutsche Elf bei der Weltmeisterschaft von 1934 den dritten Platz belegte. Zwei Jahre später auf der Olympiade von Berlin brachte der Danziger Gauleiter Albert Forster Hitler dazu, sich ein Spiel anzusehen. Er versicherte, die Mannschaft habe den Sieg sicher in der Tasche. Als der Reichskanzler dann aber Zeuge einer blamablen Niederlage gegen Norwegen wurde, zog er wütend ab. Das Debakel führte zur Entlassung des Reichstrainers Otto Nerz. Sein Nachfolger wurde sein Assistent Josef »Sepp« Herberger.

Der ehemalige Bankangestellte gab sich größte Mühe, eine gute Mannschaft zusammenzustellen. Ständig mit einem dicken grünen Notizbuch bewaffnet, sah er sich unermüdlich trostlose Ligaspiele an. Seine Geduld zahlte sich aus, als er 1938 den 18-jährigen Fritz Walter entdeckte, der damals bei Kaiserslautern spielte. Der Reichstrainer füllte Seite um Seite mit Notizen über »FW« und arbeitete jahrelang daran, seinen Lieblingsspieler als künftigen Mannschaftskapitän aufzubauen.

Der Krieg war ein herber Rückschlag für Herbergers Bemühungen, denn die meisten seiner Schützlinge wurden an die Front geschickt. Um elf wehrtüchtige Spieler zusammenzubekommen, ging er erhebliche Risiken ein. Immer wieder erfand er militärische Auszeichnungen für seine Spieler, um zu beweisen, dass sie im Kampf bereits das Ihre getan hatten; außerdem ließ er mehrere Spieler zur Luftwaffe versetzen. Im Fall von Fritz Walter erregte das einiges Missfallen, weil der junge Soldat zugeben musste, dass er noch nie ein Flugzeug von innen gesehen hatte. Der springende Punkt war aber, dass die fragliche Division von dem Fußballfreund und berühmten Kampfpiloten Hermann Graf befehligt wurde, der Walter protegierte und dafür sorgte, dass er in Ruhe trainieren konnte.

Nach dem Entnazifizierungsverfahren wurde Herberger wieder zum Trainer der Nationalmannschaft berufen. Nun setzte er alles daran, die überlebenden Spieler zusammenzusuchen und sie auszurüsten. Nachdem Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt war, zeigte sich, dass jede der vier Siegermächte eine andere Einstellung zum Fußball hatte, sodass an eine Bundesliga vorerst nicht zu denken war. Doch angesichts der Versorgungssituation der Nachkriegsjahre war das die geringste Sorge. Für die Millionen Menschen, die ausgebombt oder Flüchtlinge aus den Ostgebieten waren, ging es erst einmal ums Überleben, eine Freizeitbeschäftigung wie Fußball spielte in ganz Deutschland keine große Rolle. Die eingetragenen Vereine und ihre Spieler mussten improvisieren und fertigten Trikots und Eckfahnen aus alten NS-Flaggen an – nicht ohne zuvor das Hakenkreuz zu entfernen.